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Die örtlichen Gemeinschaften > Erinnerungen |
Stand:
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Wie's früher war – Erinnerungen aus Traisa |
Autor:
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Die Erfahrung mit Sterben und Tod schien den Menschen in früherer Zeit ein natürlicher Teil des Lebens zu sein, eher als bei heutigen Abläufen des Abschiednehmens bis zur Bestattung. Wenn die Großmutter gestorben war, dann kümmerte sich nicht der Bestattungsunternehmer, sondern der älteste Sohn um das, was nötig war. So war es in Traisa und nicht viel anders in den anderen Mühltal-Ortschaften. |
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War er im Trauerhaus eingetroffen, war seine erste Handlung, die Uhr im Sterbezimmer anzuhalten. Er öffnete die oberen Fensterflügel, |
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„damit die Seele entweichen konnte“. |
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Die Totenfrau kam und erfüllte ihre Pflichten, der Sarg wurde angeliefert. Drei Tage später nach dem Mittagessen wurde die Verstorbene auf dem Hof mit dem Kranz- und Blumenschmuck aufgebahrt. Das Hoftor war offen, die Nachbarn versammelten sich, der Pfarrer traf ein. |
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Er sprach ein Gebet zur Aussegnung, und mit |
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„Wohlauf, wohlan, zum letzten Gang“ |
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ging es durch das Tor, vor dem inzwischen der Leichenwagen vorgefahren war. Die Pferde waren sauber geputzt, mit schwarzen Decken behängt, die Hufe schwarz gewichst – alles ging sehr ruhig und gemessen zu. Der Sarg wurde hinausgetragen und auf den Wagen geschoben, dazu die Kränze und Blumen. |
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Dann formierte sich der Trauerzug – das Hoftor blieb offen, das war der Brauch! Meine Mutter sagte, das bedeute, daß der oder die Tote „wiederkommen“ dürfe, daß also ein lieber Mensch fortgegangen sei. Wenn das Tor geschossen würde, bedeute das, daß die Hinterbliebenen froh wären, ihn los zu sein. |
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An der Spitze des Trauerzuges trug ein Konfirmand das gelbe Holzkreuz mit dem Namen und den Geburts- und Sterbedaten des Verstorbenen. Ihm folgte der Pfarrer, dann der Leichenwagen und die Hinterbliebenen. Dahinter formierten sich Freunde, Nachbarn und Bekannten, die an der Straße warteten und sich dem Zug anschlossen. |
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Sobald sich der Trauerzug in Bewegung gesetzt hatte, setzte das Trauergeläute auf dem Rathaus ein. Es begleitete den Sarg bis zum Friedhof. |
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Nach der Beerdigung wurde |
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Flannerz |
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gehalten. Früher wurde dieses Mahl für die Beteiligten an der Trauerfeier und der Beerdigung in aller Regel im Hause des Verstorbenen gegeben. Flannerz so wie heute gewöhnlich im Gasthaus zu geben, war nahezu unbekannt. Da die Beerdigungen zumeist nachmittags um 15.00 Uhr stattfanden, gab es beim Flannerz vornehmlich Kaffee und Kuchen, jedenfalls nicht wie heute reiche Auswahlen an Gebäck und Torten, sondern |
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„Petzekuchen“. |
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Das war ein einfacher Hefeteig ohne jede Verzierung und nur mit Eiweiß bestrichen. Der Name kommt von dem Randmuster, das mit zwei Fingern in den Teig gedrückt („gepetzt“) wurde. |
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Das Hoftor wurde erst am Abend, nach Einbruch der Dunkelheit, geschlossen. So war es der Brauch. |
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Wie anderenorts in der Kirche, so wurde in Traisa bis zum Bau einer Kirche 1956 im „Betsaal“ geheiratet. Das war der Saal im Obergeschoß des Rathauses, in dem auch die Gemeindevertretung bis 1976 tagte, bis nämlich Traisas Selbstverwaltung vom Landesgesetzgeber abgeschafft wurde. |
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Wenn ehedem von „Heiraten“ die Rede war, dann war das ohne jede Frage die kirchliche Trauung. Und die hat sich im Betsaal nicht wesentlich anders abgespielt, als in jeder Kirche. Und auch der erste Schritt nach der Zeremonie unterschied sich nicht, vielleicht nicht einmal von heutigen Trauungen. |
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Kinder und Jugendliche nahmen auf ihre Art Anteil an der Hochzeit: Sie „hemmten“ den weiteren Ablauf, indem sie dem neuvermählten Paar mittels quergelegter Leiter oder einfach mit einem kräftigen Seil den Ausgang aus Kirche (oder wie damals in Traisa aus dem Rathausportal) versperrten. Der Bräutigam, mit ländlichem Brauch vertraut, hatte sich schon die Taschen im schwarzen Hochzeitsanzug mit dem angefüllt, mit dem er sich und Angetraute „freikaufen“ und das Hemmnis beseitigen konnte: |
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„Gutsel“ waren bei der Dorfjugend nicht so sehr begehrt, eher die Fünf- und Zehn-Pfennig-Münzen, nach dem letzten Krieg war dann und wann auch mal ein Fünfziger dabei. |
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Und nach der Hochzeit ging's ans „Tischerücken“, für manchen Beteiligten wie Unbeteiligten der schönste Teil des Festes: Zum Aufräumen traf man sich im Festsaal, der ehedem gewöhnlich eine ausgeräumte Stube war. Aber vor dem Aufräumen waren ja noch so viele Reste an Speisen, Wein, Bier und Schnaps zu „beseitigen“, daß die Stimmung oftmals höhere Wellen schlug als beim eigentlichen Fest. Und bei solcherart „Tischerücken“ halfen gar zu gerne und gleichermaßen willkommen Bekannte und Nachbarn, die zum eigentlichen Fest nicht förmlich eingeladen waren. |
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Die jeweiligen männlichen Konfirmanden waren verpflichtet, über ihr letztes Jahr vor der Konfirmation den Läutedienst bei diesen Ereignissen zu versehen. In meinem Jahrgang waren wir nur 7 Buben und kamen entsprechend häufig „an die Reihe“. Das Läuten bei Hochzeiten und Beerdigungen war sehr beliebt, besonders aber das „Kreuztragen“. Dafür nämlich gab's 1 Mark, für eine „lange“ Beerdigung 50 Pfennig, für eine „kurze“ 30 Pfennig. |
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Bei Beerdigungen mußten außer zum Läuten noch Buben oder Mädchen zum Winken „organisiert“ werden. Sie bildeten eine Stafette, um vom Trauerhaus hinauf zum Rathausfenster zu signalisieren, wann sich der Leichenzug in Richtung Friedhof in Bewegung setzte und auch, wann er den Friedhof erreichte. So wußten die Buben, von wann bis wann während des Trauerzuges zu Läuten war. |
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Beim Läuten zum Kirchgang war es für uns Buben peinlich, wenn eine der Glocken durch Unachtsamkeit beim Ziehen an den Strängen nachschlug, „bimmelte“. Dafür gab's dann eine „Zigarre“ von den Honoratioren, also eine Mißbilligung. Schlimmer war es, wenn es beim Vaterunser-Läuten „nachbimmelte“, wo nur mit der großen Glocke mit „Einschlag“ zu läuten war. Da war der Anpfiff viel deutlicher! Waren die beiden Läutebuben gut eingespielt, brachten sie deshalb beim Vaterunser-Läuten die Glocke zu zweit zum Stillstand. |
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Das Läuten mußte gelernt sein. Deshalb mußten die neuen Konfirmanden beim Samstagabend-Läuten mit den vorhergehenden Läutebuben zu Werke gehen, bis sie das alleine beherrschten. Normal und einfach war das Doppelschlag-Läuten: bam-bam, bam-bam, bam-bam. Der Einzelschlag beim Vaterunser war schwieriger: bam, bam, bam. Wir haben auch alle gelernt, wie Sturm geläutet wird, also bei Feuers- oder Wassernot: Nur mit der kleinen, hellklingenden Glocke, und zwar mit kurzem Einzelschlag, etwa bim, bim, bim. |
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Ausprobieren durften wir es natürlich nicht, wenn es uns auch noch so gereizt hätte. Freilich ist immer einmal wieder versucht worden, ein paar Takte „Sturm“ einzuschieben, wenn die große Glocke den Frevel weitgehend übertönte. |
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