Frankenstein Freizeit Gemeinschaft Geografie Geschichte Mühlen Sehenswert

 

 

 

 

Die örtlichen Gemeinschaften > Brauchtum 

Stand: 30. Nov 2011

 

 

 


 

Der Nikolaus ist kein Weihnachtsmann

Text:
Volker Teutschländer



Der Nikolaus ist nicht der Weihnachtsmann“



ZDF-Moderator Peter Hahne ruft gemeinsam mit dem Bonifatiuswerk
die „weihnachtsmannfreie Zone“ aus:



Uneigennützigkeit, Nächstenliebe, Solidarität, Schenken und Teilen

– das sind Werte, die ich mit Sankt Nikolaus verbinde. Er ist ein hervorragender Wegbereiter für die Weihnachtsbotschaft. .
Der Weihnachtsmann jedoch ist ein Packesel der Konsumgesellschaft. Diese Figur des Kaufrausches hat nichts mit dem Heiligen Nikolaus zu tun, der uns noch heute lehrt: Schenken macht nicht ärmer, sondern reicher!“
(Quelle: www.bonifatiuswerk.de)



Die Wahrheit über den Nikolaus“ von Heinrich Tischner:


Odenwälder Brauchtum am Nikolaustag und an Weihnachten
von der Hans-von-der-Au-Gruppe Erbach:


Der 6. Dezember ist der Tag des Heiligen Nikolaus. Auch in der hiesigen, ehemals rein protestantischen Gegend kennt jeder seinen Namen und begeht bewußt oder unbewußt seinen Namenstag. St. Nikolaus besucht die Kinder, beschenkt die braven und ermahnt die anderen – nicht der Weihnachtsmann!

Der Mühltaler Nikolaus trägt nicht rot-weiße Coca-Cola-Werbefarben. Er ist schon in die hiesige Gegend gekommen, da gab es Coca-Cola überhaupt noch nicht. Er kommt auch nicht im Rentierschlitten, wie es uns aus Amerika weisgemacht wird. Auch kriecht er nicht durch den Schornstein oder das offene Kamin in die Wohnstube. Er kommt natürlich auch nicht schon am Vorabend seines Namenstages, und in Stiefel füllt er seine Gaben ebenfalls nicht. Nicht einmal einen Knecht Ruprecht braucht er hierzulande.

Wer den Nikolausabend „standortgerecht“ begehen will, kann ihn so feiern, wie das auch in anderen deutschen Landen so oder ähnlich geschieht:

Auf keinen Fall verläuft sich ein Weihnachtsmann ins Mühltal! Der Nikolaus kommt zu den einheimischen Kindern, heißt aber hier „Pelznickel“. „Nickel“ ist nichts anderes als die hiesige Mundartfassung von Nikolaus. Er kommt „von drauß' vom Walde“, deshalb der winterliche Pelz und danach sein Name - auf Mühltaler Odenwälderisch aber verbalhornt „Bels-“ oder „Bensnickel“.

Über seine traditionelle Aufmachung zitiere ich die Heinrich-von-der-Au-Trachtengruppe aus Erbach:

Der Belznickel ist eine männliche Gestalt mit langem, verfilztem Bart, die einen langen, dunklen, zerschlissenen Mantel trägt. Dieser wird um die Hüfte herum mit einem Strohseil oder einer Kette zusammen gehalten. Das Gesicht ist in der Regel geschwärzt. Auf seinem Haupt sitzt ein breitrandiger Schlapphut, und die Füße stecken in derben Stiefeln. Der Rücken ist mit Stroh ausgestopft, so dass die Aufmachung dem Belznickel ein unheimliches Aussehen verliehen wird. Der Belznickel führt einen  gefüllten Sack von Äpfeln und Nüssen und eine Rute mit sich. Die Rute besteht aus Birkenreisig.“

Und er kommt am 6. Dezember während oder bald nach der Abenddämmerung. Er stapft mit Gepolter in die Stube, ruft die Kinder um sich, liest ihnen evtl. aus dickem Buch die Leviten, lobt, ermahnt und beschenkt sie dann vor seinem polternden Abschied. Gewisse Unterschiede im Brauchtum gibt es allerdings sogar zwischen den Mühltal-Ortschaften: Adam Breitwieser weiß noch, daß bis zur Nachkriegszeit kein Nikolaus in Nieder-Beerbach von Haus zu Haus ging, sondern eine Horde halbwüchsiger „Bensnickel“ in die Häuser eindrang, kleine Gaben erwartete und wohl auch die Rute schwang.

Die wahre Geschichte des Heiligen Nikolaus, des Bischofs von Myra und Wohltäters vieler Menschen, spielte sich vor über tausend Jahren ab. Sie an den Tagen um den Nikolausabend herum wieder einmal nach- und vielleicht auch vorzulesen ist ein empfehlenswerter Schritt auf dem Weg, Weihnachten zu erwarten.

In katholischen Gegenden oder in katholischen Häusern trägt der Nikolaus einen goldenen Mantel, eine Mitra und einen Bischofsstab. In unserer protestantischen Gegend ist das verloren gegangen. Der Nikolaus als Gabenbringer ist hier seit der Lutherzeit vom Christkind zurückgedrängt worden. Bemühungen bestehen seit einigen Jahren, den Nikolaus-Brauch zu seinen Ursprüngen zurückzuführen. Eine „weihnachtsmannfreie Zone“ führt dann vielleicht nicht nur zurück zum Nikolaus, sondern auch wieder vom Weihnachtsbaum zum Christbaum.