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Die örtlichen Gemeinschaften > Heimat- und Mundartdichtung

Stand: 5. Feb 2012

 

 

 


 

Der Frankensteiner Wasseresel


Eine „wahre Geschichte von der Burg Frankenstein“, hat Elisabth Bergsträßer, Nieder-Beerbach, (20.1.1887 – 17.10.1977) im Jahre 1975 im Alter von 88 Jahren verfaßt. Frieda Spangenberg, Nieder-Beerbach, hat das Gedicht abgeschrieben am 14.3.2008. Adam Breitwieser hat es für die Veröffentlichung an dieser Stelle zur Verfügung gestellt.


Den geschichtlichen Hintergrund hat Michael Müller im Internet beschrieben:

Wohl mehr als 670 Jahre wurde der
größte Teil des benötigten Wassers aus einer östlich gelegenen Quelle herauf getragen. Dazu wurden sowohl Pferde als auch Esel eingesetzt. Die Verantwortung hierfür wechselte zwischen den beiden auf der Burg lebenden Familienzweigen im jährlichen Turnus. An den Wasserdienst war auch die Pflicht gebunden, den Nachtwachen eine tägliche Ration Wein auszugeben.

Betritt man die Burg durch den westlichen Haupteingang, sieht man gleich links ein kleines Gebäude. Einer Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1556 zufolge stand hier der Stall, in dem die Tragtiere untergebracht waren. Das Tragtier wurde von einer Magd oder einem Knecht begleitet. Zusammen folgten sie dem Pfad, der noch heute auf ein kleines Wasserhaus zuführt. Hier soll sich schon im Mittelalter jene Quelle befunden haben, aus der das Wasser für die Burg geschöpft wurde.



Vor vielen, vielen Jahren hat sich dieses zugetragen:


Tief im Frankensteiner Wald
find' man den Schloßborn bald.
Schon damals gehörte zum Leben
das Wasser, das Brot und vieles daneben.


Zum Tragen des Wassers auf den Frankenstein herbei
gehörte viel Kraft und auch Mut dabei.
So ging es täglich zum Schloßborn bergab
und manchmal kam man ganz schön in Trab.


Dort wurden die Fässer mit Wasser gefüllt
und der Esel trug's hinauf zur Burg geschwind.
Doch immer wollt es der Esel nicht machen:
Es gab ja auch Hunger bei den Strapazen.


Er denkt: Bei dieser Lauferei
kann ich ja ein bißchen fressen dabei.
Der Esel hat's auch gleich probiert,
und schon war's Unglück auch passiert!


Der Esel bückt sich, das Joch hängt sich aus
und sogleich lief das Wasser aus den Fässern aus.
Er war ein launiger Gesell:
Wollt er nicht tragen, legt er sich hin auf der Stell.


Wer das nicht gewußt, der hat's jetzt erfahren,
was das einst mühselige Zeiten waren.
Doch heut' ist es anders, der Fortschritt ist doo,
wer da nicht mitmacht kommt nicht mehr noo.


Einen schlauen Gedanken hat man inzwischen realisiert
und 's Wasser mit Pumpwerk hinauf transportiert.
Ja, die haben's jetzt besser, ach guck nur mal da;
um's Handumdrehen ist das Wasser schon da.


Es lebe die Technik, die Technik is doo!
Un wär' se net kumme, wär's heit noch so.

Text:
Volker Teutschländer