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Die örtliche Gemeinschaft > Dichtung > Nieder-Beerbach

Stand: 06.02.2012

 

 

 



  

Jakob Reiß, Nieder-Beerbach

(24.7.1915 – 22.8.1990)

Nieder-Beerbachs Heimatdichter und -sänger

Jakob Reiß war zeitlebens mit ganzem Herzen seinem Heimatort verbunden, wirkte für die Menschen dort in vielerlei Aufgaben, liebte Natur und Landschaft im Tal und auf den Höhen rundum. Aus solchem Holz sind Heimatdichter geschnitzt!

Jakob Reiß arbeitete für Nieder-Beerbach als Mitglied in den gemeindlichen Organen und in vielen Ehrenämtern, was ihm hohe Auszeichnungen einbrachte, aber auch Berufungen zu weiteren Ämtern und Aufgaben, so in der Kirchengemeinde und in den örtlichen Vereinen.

Jakob Reiß besang sein Nieder-Beerbach in Liedern, Gedichten und Aufsätzen, die im Dorf bekannt sind und von „heimatfernen“ Nieder-Beerbachern geschätzt werden als eine Bindung zum „Daheim“.

In amerikanischer Kriegsgefangenschaft drängte es Jakob Reiß, ein Lied für und über sein Heimatdorf zu schreiben, dem er sich stets verbunden fühlte. Die ersten beiden Verse beschreiben deshalb auch eindringlich die Schönheiten Nieder-Beerbachs im engen Tal. Mit dem Text verfaßte Reiß zugleich die Melodie im Walzertakt mit drei Stimmen.

Seine Erstaufführung erlebte das Lied bei der 700-Jahr-Feier der Burg Frankenstein 1952, als es der Verfasser zusammen mit drei Beerbachern vortrug. Siegfried Bernhardt gestaltete zum Text eine Zeichnung mit dem Dorf unter dem Frankenstein, die als Postkarte in der Kunstanstalt von Wilhelm Gerling, der sich häufig in Nieder-Beerbach aufhielt, verlegt wurde.

„Das Beerbachtal“ ist zum Beerbacher Heimatlied geworden und wird in froher Runde immer wieder gerne angestimmt.Von seinen Gedichten ist „Wo Beerwich leit“ am bekanntesten geworden.

Das Beerbachtal
Text und Ton: Jakob Reiß (1952)


Wenn ich vom Frankenstein
schau in das Tal hinein:
Wie liegst du wunderschön, du liebes Beerbach mein!
Das Kirchlein auf der Höh
ich stets mit Freuden seh.
Mir ist's als ruft's mir zu wo ich auch steh:
Ist die Welt dir drauß' auch noch so wohlbekannt:
Nirgends ist's doch schöner als im Heimatland.
Drum, ihr Burschen, Mädel, fällt nicht schwer die Wahl:
Bleibt im Beerbachtal!

Durchs Dorf ein Bächlein fließt,
an seinen Ufern sprießt
manch kleines Blümlein, das den Wandrer lieblich grüßt.
Das schöne Mühlental,
der Linden große Zahl,
ihr Rauschen sagt's dem Wandrer noch einmal:
Ist die Welt dir drauß' auch noch so wohlbekannt
nirgends ist's doch schöner als im Heimatland.
Drum ihr Burschen, Mädel, fällt nicht schwer die Wahl:
Bleibt im Beerbachtal.

Selbst Georg vom Frankenstein
liebte einst ein Mägdelein;
sie war die „Ros im Tal“ – des Försters Töchterlein.
Den Lindwurm er erschlug,
weil er es nicht ertrug,
daß seine Liebste soll geopfert sein.
Wie die Liebe damals blüht' in Jung und Alt
lebt sie heut' noch fort im Frankensteiner Wald.
Drum ihr Burschen, Mädel, fällt nicht schwer die Wahl:
Kommt ins Beerbachtal.

Wo Beerwich leit
von Jakob Reiß (1956)

Vor kurzem do war ich in Darmstadt drin
mit Mama un Papa un aach e paar Kinn.
Do hawwe uns Leit unner anerm gefreegt,
wo dann Nieder-Beerbach leije deht.

Betracht euch des Mühltal und dann unsern Ort
un bleibt aach mol e paar Stunne dort.
Beguckt euch die Felder, de Wald und die Wiese,
die Kirch un die Linde, duht alles genieße.

Mir hawwe gelacht, des is doch bekannt:
Als Vorort vun Darmstadt wird's oft genannt.
Beim Frankestao leits, der so wunnerschee
un höher ist, als eier Ludwigshöh!

Un krabbelt aach mol uff de Frankestao nuff
un haolt euch aach dort noch e Stündche uff.
Der Ausblick, so herrlich zum Spesssrt un Rheu,
doch der Orewald soll net vergesse seu.

E Stunn bloß vun Ewwerscht, gewiß net weit,
vum Kühle Grund graod noch die halbe Zeit.
Ihr braucht net zu laafe, 's is alles im Schuß!
Dann bei uns, do fährt aach en Autobus.

Un wann ihr dann widder ins Tal kummt zurück,
dann habt für die Wirtschafte aach noch en Blick.
Werd schee ihr bedient, dann wißt ihr Bescheid,
wo unser Heimatort Nieder-Beerwich leit!

Text:
Volker Teutschländer






Jakob Reiß

Verfasser des
Nieder-Beerbacher Heimatliedes
in Text und Ton



Das Bild von Siegfried Bernhardt
ist Motiv auf einer Postkarte mit dem Text des Beerbachliedes.