.

Frankenstein Freizeit Gemeinschaft Geografie Geschichte Mühlen Sehenswert

 

 

 .

 

Die örtlichen Gemeinschaften > Heimatdichtung > Nieder-Ramstadt

Stand: 06.02.2012

 

 

 


 

Johannes („Jean“) Heppenheimer

Nieder-Ramstädter Heimatkenner und Mundartdichter

Er ist vor allem bekannt als der Dichter eines Nieder-Ramstädter Heimatliedes – wenn er es auch nicht mit diesen Gedanken verfaßt hatte: Noch in der guten alten Zeit schrieb er den Text zur Rämschter Faßnacht 1912.

Ein Onkel Heppenheimers war
Peter Heppenheimer, geb. 21. Jan. 1841 in Nieder- Ramstadt, gest. 28. Feb. 1924 in Paris. Er war Besitzer des renommierten Hotels „Liverpool“ in der Rue de Castiglione 11, in Paris und drückte immer wieder seine Verbundenheit mit seiner Heimatgemeinde aus. Im Jahre 1894 spendierte er ein Harmonium für die oberste Klasse der Nieder-Ramstädter Schule, drei Jahre später einen Betrag zur Reparatur der Kirchturmuhr, 1901 einen Beitrag zur Anschaffung der neuen Kirchenglocken.

Von den zahlreichen heimatlichen Gedichten, die überwiegend die Liebe zu seinem Heimatort Nieder-Ramstadt ausdrücken, werden hier die beiden bekanntesten wiedergegeben:

Das Rämschter Lied
Text: Johannes („Jean“) Heppenheimer (1912)

Melodie: „Ich bin ein Preuße, kennt Ihr meine Farben“ (Militärmarsch) von August Neithardt (1832)
















1. In.grünem.Tal, von .Bergen rings umgeben,.
und von dem schönen Modaubach durchquert,
da liegt ein Ort, .darin herrscht reges Leben.
Ich weiß kein schön'res Fleckchen auf der Erd.
Man nennt es „Nieder-Ramstadt“,.
weil „Ramscht“ so seinen Namen hat.
Drum alle Rämschter stimmet mit mir ein:
Wir sind von Ramscht und wollen Rämschter sein.

2. Stehst du am Bahnhof, läßt den Blick frei schweife -
links liegt der Lohberg schmuck im Villenkranz.
Und rechts der Ståbruch, beinoh kennt mer'n greife
und mitte dreu des Dorf im Sunneglanz.
Der Klosberg grüßt im Süde
die Schmallert still beschiede.
Und schweift dann übers Boschel 'naus dein Blick
siehst du den Schornstein von der Russefawerik.

3. Die Industrie steht hier auf hoher Stufe.
Die Gummiebråch' ist allen weit voraus.
Vogtherrs Papier steht nur in bestem Rufe.
Die härt'ste Stå bringt unser Ståbruch 'raus.
Halb Deutschland tut eindecken
hier sein' Bedarf an Richters Stecken.
Drum will mir's går net in de Kopp eneu:
Wie kånn mer net in Råmscht geboren seu,


Bell-Ramscht,
Johannes („Jean“) Heppenheimer

Als mer Lausbuwe woarn, dumme Straasch in de Kepp,
Do hon mer, heit kann mer's joa soage,
Goar oft, weil mer woarn kaa dermliche Dröpp,
Uns mit fremme Buwe geschloage.
Ob von Ewerscht, von Bärwisch, von Draase se woarn,
Gefercht hon mer kaan, des woar sicher,
Un gab es mitunner aach mol uff die Ohrn,
Dewerra ging's immer, wie Blicher!

 Un horcht eich na eier Geleit e mol oo,
Des immer nor Bellramscht bloß bempelt,
Mer merkt doch im ganze Hesseland droo,
Daß ehr bloß zum belle gestempelt.
Des hot mich doch immer gewurmt un gefuxt,
Daß nachts oft ich net mer konnt schlofe,
Do haw ich gedacht, net lang rum gedruxt,
Un dust es deim Vadda mol saage:

Gewehnlich im Feld draus, un weit weg vom Ort,
Hot mer zufellig sich getroffe;
Un eh' mer nor mol gewechselt e Wort,
Hot beschnüffelt mer sich un beroche!
Zuerst word geproahlt, dann geuzt, dann geschennt
Un dann word gestumbt un gestoße;
Un dann awer word kräftig hiegebrennt,
Un gab's aach verrissene Hose.

 Sag' Vadda, woas is mit uns Rämschter nor los,
Daß se Bell-Rämschter uns immer haaße?
Mer zahle doch Steier, hon sunst aach woas los,
Un sin aach net ärmer wie Draase!"
Do antwort de Vadda, nor net glei geflennt,
Un loß nor de Kopp net drum henke.
Des is for uns Rämschter es best' Kompliment,
Wie die Dummköpp des gar net bedenke!

Un dann is die aa Baddie ausgeriggt,
Gelaafe, was giste, was hoste,
Weil se vielleicht e paar Schwere gewesche hon griggt,
Die owedrei net mol was koste!
Weit weg dann vom Schuß, do schwoll die Kurag,
Mer sammelte sich nach dem Renne;
Un setzt mit Gekrisch sich, ob der Blamag
Und dann fing o, des Geschenne!

 Als de Orewald man einst macht uff for die Welt,
Do legt mer als erstes e Bahn oo;
Un zu dem Bau hot mer dann eigestellt,
Viel Leit un aach Italiano!
Die woarn so ganz fleißig, un aach bei de Händ,
Gehapert hot's nor mit dem Babbele,
Viel Fisemadente hon oo se gewendt,
Damit mer ehr Sproch kann bedappele.

Was wollt dann ehr Mattkees, ehr Dermel, ehr Fresch,
Ihr seid doch die feigeste Dackel;
Un kummt ehr uns wirra in unser Geheg',
Do griggt ehr gedoachdelt de Buggel.
Nadierlich die annern, des Lumbepack,
Die schennte zurick wie die Spatze,
Daß mer Bellrämschter wärn, un kaan Fennig im Sack,
Nix ze beiße, ze noage, ze kratze!

 Ob gut, oder schee, des woar dene gleich,
Des woar bloß for die „oh, la bella".
So war bella das Brot un bella das Fleisch
Un bella die Suppe im Della!
E Siggah war bella, un bella des Bier,
Des „Bella" ward ständig gekreiert,
Un „oh bella Ramscht" und bella Quardier,
Des hon dausendmol se beteiert!

Die auswärt'ge Kumpels, die des oft geheert,
Des hot die gefuxt ganz geheerig.
So hawe se „bella", in „bell" umgekehrt.
Ja der Neid, der macht schmutzig, un schmeerig.
Wann aaner in Zukunft von Bell-Ramscht mol spricht,
Horch, Bub, do antwort nor wenig.
Sag ihm und lach ihm debei ins Gesicht:
So lern du mol erst Italienisch!

Weit bin ich geraast in Deitschland umher
un sag drum ganz ohn' Iwerhewung:
So „bella“ wie Ramscht, find'st du selten eins mehr
als Nieder-Ramstadt und Umgebung!

 

Volker Teutschländer





Jean Heppenheimer und Frau



Jean Heppenheimer ist
1892 in Nieder-Ramstadt geboren und 1974 in Nieder-Ramstadt gestorben. Aus seiner Ehe mit Anna, geb. Hohlmann, sind
die beiden zwei Söhne  Karl und Willi sowie Tochter Emilie hervorgegangen.




Jean

ist ein weit verbreiteter französischer Vorname, der dem deutschen Johann oder Johannes entspricht. Im Volksmund des 19. und angefangenen 20. Jahrhunderts ist in unserer Gegend umfangssprachlich ein Johann oder Johannes „Jean“ angesprochen worden.



Erläuterungen zum Heimatlied

Von den 7 Versen Heppenheimers sind unter vielen Einheimischen die ersten 3 bekannt, die auf die Weise des Marschliedes „Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?“ gesungen werden.

Außer den ersten beiden Versen (von der „Russefawerik“ abgesehen) beschreibt der Text die dörfliche Situation im Kaiserreich, die sich bis heute gründlich verändert hat. Es genügt deshalb, auch hier nur die ersten drei Verse vorzustellen, zur Erleichterung jüngerer Rämschter und „Zugereister“ mit einigen knappen Erläuterungen.

Der Verfasser verwendet unregelmäßig Hochsprache und Mundart. Teilweise wird der Text beim Gebrauch in frohen Runden noch mehr der Mundart angenähert. Im Zweifel ist hier die gebräuchliche Fassung angegeben.

Vor allem werden die letzten beiden Zeilen zumeist in Mundart gesungen.

zu Vers 2. letzte Zeile:

Die Russenfabrik in dem Nieder-Ramstädter Weiler Mordach gibt es nicht mehr, folglich ist beim Blick über das Boschel auch deren Fabrikschornstein nicht mehr zu sehen. Die Ziegelei führte den Spitznamen nach „Russen“, das sind große Ziegelsteine.

Zu Vers 3:

Die Gummiebråch meint das ehemalige Werk „Wacker und Dörr“, seit 1900 in Nieder-Ramstadt ansässig und über Jahrzehnte der größte Arbeitgeber am Ort. „Vogtherrs Papier“ sind die Erzeugnisse der Papiermühle, die seitdem mehrfach den Eigentümer gewechselt hat. Der Steinbruch ist der große Betrieb „im“ Wingertsberg, aber längst stillgelegt. Und „Richters Stecken“ waren vor allem Schirmgriffe, die ersten Erzeugnisse des später international renommierten, aber ebenfalls nicht mehr bestehenden Kunststoffhersteller „Vitri“.

Die letzten beiden Zeilen im Vers 3 sind dem Original Heppenheimers aus Vers 6 entnommen, so wie sie noch gesungen werden.. Er hatte im Vers 3 gedichtet:
„Und wen du fregst, der antwort dir sogleich:
Wie arm wär ohne Ramscht das Deutsche Reich.“