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Johannes
(„Jean“) Heppenheimer
Nieder-Ramstädter
Heimatkenner und Mundartdichter
Er
ist vor allem bekannt als der Dichter eines Nieder-Ramstädter
Heimatliedes – wenn er es auch nicht mit diesen Gedanken
verfaßt hatte: Noch in der guten alten Zeit schrieb er den
Text zur Rämschter Faßnacht 1912.
Ein Onkel
Heppenheimers war Peter
Heppenheimer, geb. 21. Jan. 1841 in Nieder-
Ramstadt, gest. 28. Feb. 1924 in Paris. Er
war Besitzer des renommierten Hotels „Liverpool“ in
der Rue de Castiglione 11, in Paris und drückte immer wieder
seine Verbundenheit mit seiner Heimatgemeinde aus. Im Jahre 1894
spendierte er ein Harmonium für die oberste Klasse der
Nieder-Ramstädter Schule, drei Jahre später einen
Betrag zur Reparatur der Kirchturmuhr, 1901 einen Beitrag zur
Anschaffung der neuen Kirchenglocken.
Von
den zahlreichen heimatlichen Gedichten, die überwiegend die
Liebe zu seinem Heimatort Nieder-Ramstadt ausdrücken, werden
hier die beiden bekanntesten wiedergegeben:
Das
Rämschter Lied Text:
Johannes („Jean“) Heppenheimer (1912)
Melodie:
„Ich bin ein Preuße, kennt Ihr meine Farben“
(Militärmarsch) von August Neithardt (1832)







1.
In.grünem.Tal, von .Bergen rings umgeben,. und von dem
schönen Modaubach durchquert, da liegt ein Ort, .darin
herrscht reges Leben. Ich weiß kein schön'res
Fleckchen auf der Erd. Man nennt es „Nieder-Ramstadt“,. weil
„Ramscht“ so seinen Namen hat. Drum alle
Rämschter stimmet mit mir ein: Wir sind von Ramscht und
wollen Rämschter sein.
2.
Stehst du am Bahnhof, läßt den Blick frei schweife
- links liegt der Lohberg schmuck im Villenkranz. Und
rechts der Ståbruch, beinoh kennt mer'n greife und mitte
dreu des Dorf im Sunneglanz. Der Klosberg grüßt im
Süde die Schmallert still beschiede. Und schweift dann
übers Boschel 'naus dein Blick siehst du den Schornstein
von der Russefawerik.
3. Die Industrie steht hier auf
hoher Stufe. Die Gummiebråch' ist allen weit
voraus. Vogtherrs Papier steht nur in bestem Rufe. Die
härt'ste Stå bringt unser Ståbruch 'raus. Halb
Deutschland tut eindecken hier sein' Bedarf an Richters
Stecken. Drum will mir's går net in de Kopp eneu: Wie
kånn mer net in Råmscht geboren
seu,
Bell-Ramscht, Johannes
(„Jean“) Heppenheimer
Als mer Lausbuwe woarn,
dumme Straasch in de Kepp, Do hon mer, heit kann mer's joa
soage, Goar oft, weil mer woarn kaa dermliche Dröpp, Uns
mit fremme Buwe geschloage. Ob von Ewerscht, von Bärwisch,
von Draase se woarn, Gefercht hon mer kaan, des woar
sicher, Un gab es mitunner aach mol uff die Ohrn, Dewerra
ging's immer, wie Blicher!
Un
horcht eich na eier Geleit e mol oo, Des immer nor Bellramscht
bloß bempelt, Mer merkt doch im ganze Hesseland
droo, Daß ehr bloß zum belle gestempelt. Des
hot mich doch immer gewurmt un gefuxt, Daß nachts oft
ich net mer konnt schlofe, Do haw ich gedacht, net lang rum
gedruxt, Un dust es deim Vadda mol saage:
Gewehnlich im
Feld draus, un weit weg vom Ort, Hot mer zufellig sich
getroffe; Un eh' mer nor mol gewechselt e Wort, Hot
beschnüffelt mer sich un beroche! Zuerst word geproahlt,
dann geuzt, dann geschennt Un dann word gestumbt un
gestoße; Un dann awer word kräftig hiegebrennt, Un
gab's aach verrissene Hose.
„Sag'
Vadda, woas is mit uns Rämschter nor los, Daß se
Bell-Rämschter uns immer haaße? Mer zahle doch
Steier, hon sunst aach woas los, Un sin aach net ärmer
wie Draase!" Do antwort de Vadda, nor net glei
geflennt, Un loß nor de Kopp net drum henke. Des is
for uns Rämschter es best' Kompliment, Wie die Dummköpp
des gar net bedenke!
Un
dann is die aa Baddie ausgeriggt, Gelaafe, was giste, was
hoste, Weil se vielleicht e paar Schwere gewesche hon
griggt, Die owedrei net mol was koste! Weit weg dann vom
Schuß, do schwoll die Kurag, Mer sammelte sich nach dem
Renne; Un setzt mit Gekrisch sich, ob der Blamag Und dann
fing o, des Geschenne!
Als
de Orewald man einst macht uff for die Welt, Do legt mer als
erstes e Bahn oo; Un zu dem Bau hot mer dann eigestellt, Viel
Leit un aach Italiano! Die woarn so ganz fleißig, un
aach bei de Händ, Gehapert hot's nor mit dem
Babbele, Viel Fisemadente hon oo se gewendt, Damit mer ehr
Sproch kann bedappele.
Was wollt dann ehr Mattkees, ehr
Dermel, ehr Fresch, Ihr seid doch die feigeste Dackel; Un
kummt ehr uns wirra in unser Geheg', Do griggt ehr gedoachdelt
de Buggel. Nadierlich die annern, des Lumbepack, Die
schennte zurick wie die Spatze, Daß mer Bellrämschter
wärn, un kaan Fennig im Sack, Nix ze beiße, ze
noage, ze kratze!
Ob
gut, oder schee, des woar dene gleich, Des woar bloß for
die „oh, la bella". So war bella das Brot un bella
das Fleisch Un bella die Suppe im Della! E Siggah war
bella, un bella des Bier, Des „Bella" ward ständig
gekreiert, Un „oh bella Ramscht" und bella
Quardier, Des hon dausendmol se beteiert!
Die
auswärt'ge Kumpels, die des oft geheert, Des hot die
gefuxt ganz geheerig. So hawe se „bella", in „bell"
umgekehrt. Ja der Neid, der macht schmutzig, un
schmeerig. Wann aaner in Zukunft von Bell-Ramscht mol
spricht, Horch, Bub, do antwort nor wenig. Sag ihm und lach
ihm debei ins Gesicht: So lern du mol erst Italienisch!
Weit
bin ich geraast in Deitschland umher un sag drum ganz ohn'
Iwerhewung: So „bella“ wie Ramscht, find'st du
selten eins mehr als Nieder-Ramstadt und Umgebung!
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Volker
Teutschländer


Jean
Heppenheimer und Frau

Jean
Heppenheimer ist 1892 in
Nieder-Ramstadt geboren und 1974 in Nieder-Ramstadt
gestorben. Aus seiner Ehe mit Anna, geb. Hohlmann, sind die
beiden zwei Söhne Karl und Willi sowie Tochter Emilie
hervorgegangen.

Jean
ist
ein weit verbreiteter französischer Vorname, der dem
deutschen Johann oder Johannes entspricht. Im Volksmund des 19.
und angefangenen 20. Jahrhunderts ist in unserer Gegend
umfangssprachlich ein Johann oder Johannes „Jean“
angesprochen worden.

Erläuterungen
zum Heimatlied
Von den 7 Versen Heppenheimers sind unter
vielen Einheimischen die ersten 3 bekannt, die auf die Weise des
Marschliedes „Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine
Farben?“ gesungen werden.
Außer den ersten
beiden Versen (von der „Russefawerik“ abgesehen)
beschreibt der Text die dörfliche Situation im Kaiserreich,
die sich bis heute gründlich verändert hat. Es genügt
deshalb, auch hier nur die ersten drei Verse vorzustellen, zur
Erleichterung jüngerer Rämschter und „Zugereister“
mit einigen knappen Erläuterungen.
Der Verfasser
verwendet unregelmäßig Hochsprache und Mundart.
Teilweise wird der Text beim Gebrauch in frohen Runden noch mehr
der Mundart angenähert. Im Zweifel ist hier die
gebräuchliche Fassung angegeben.
Vor allem werden die
letzten beiden Zeilen zumeist in Mundart gesungen.
zu Vers
2. letzte Zeile:
Die Russenfabrik in dem Nieder-Ramstädter
Weiler Mordach gibt es nicht mehr, folglich ist beim Blick über
das Boschel auch deren Fabrikschornstein nicht mehr zu sehen. Die
Ziegelei führte den Spitznamen nach „Russen“,
das sind große Ziegelsteine.
Zu Vers 3:
Die
Gummiebråch meint das ehemalige Werk „Wacker und
Dörr“, seit 1900 in Nieder-Ramstadt ansässig und
über Jahrzehnte der größte Arbeitgeber am Ort.
„Vogtherrs Papier“ sind die Erzeugnisse der
Papiermühle, die seitdem mehrfach den Eigentümer
gewechselt hat. Der Steinbruch ist der große Betrieb „im“
Wingertsberg, aber längst stillgelegt. Und „Richters
Stecken“ waren vor allem Schirmgriffe, die ersten
Erzeugnisse des später international renommierten, aber
ebenfalls nicht mehr bestehenden Kunststoffhersteller
„Vitri“.
Die letzten beiden Zeilen im Vers 3
sind dem Original Heppenheimers aus Vers 6 entnommen, so wie sie
noch gesungen werden.. Er hatte im Vers 3 gedichtet: „Und
wen du fregst, der antwort dir sogleich: Wie arm wär ohne
Ramscht das Deutsche Reich.“
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