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Die örtlichen Gemeinschaften > Sagen und Legenden

Stand: 11.06.2010






Ein Huf im Fels

Text:
Volker Teutschländer









Im Wald zwischen Nieder-Beerbach und Seeheim liegt ein großer Stein, auf dem man deutlich den Abdruck eines Hufeisens sehen kann. Welcher Reiter sein Pferd über den Fels getrieben hat, so daß es den Hufabdruck hinterlassen hat, steht nicht eindeutig fest. Bekannt ist dagegen, daß es in dieser Gegend seit alters her nicht geheuer ist.

Das mußte auch jener Korporal erfahren, dessen preußische Einheit in jener kriegerischen Zeit, als die Franzosen ins Land eingefallen waren, in Seeheim lag. Im Auftrage seines Stabes hatte der Ordonanzreiter des nachts Anweisungen nach Nieder-Beerbach zu überbringen.

An einem stattlichen Findling stutzte sein treues Pferd, dennoch trieb er es weiter: Im Wald schien es plötzlich taghell. Neben dem Stein saßen an einem kreisrunden, schwarz gedeckten Tisch zwölf Männer, schwarz gekleidet bis auf einen, der blutrot gewandet war.

Vor diesem lag ein Blatt Schreibpapier, und die Männer schoben sich schwarzes Schreibzeug reihum zu mit der Aufforderung „Schreib doch du!“ Wieder bei dem Roten angelangt, forderte dieser den preußischen Reitersmann auf: „So schreib doch du!“

Der Preuße war indes starr vor Schreck, nahm wild Reißaus, daß sein Pferd in dem Fels einen Hufabdruck hinterließ. Der wilde Reiter sah gerade noch, wie sich die unheimliche Gesellschaft in Nichts auflöste. So schnell ihn sein Pferd tragen konnte, ritt er auf Nieder-Beerbach zu. Der dortige Pfarrer war gar nicht so überrascht von dem seltsamen Erlebnis des Ordonanzreiters: „ Hättest du doch nur geschrieben: 'Das Blut Jesu Christi erlöst uns von aller Schuld', dann hättest du die Geister erlöst und wärest ein reicher Mann geworden.“