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Geschichte
> Mühltal
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Stand:
28.08.2011
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Vorgeschichte
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Autor Karl
Dehnert †


Das
Traisaer Hügelgrab:



Die
Terrine aus der dem Kulturkreis der
Bandkeramiker
wurde
1938 in der Gemarkung Nieder-Ramstadt gefunden. Sie ging
verloren beim Terrorangriff auf das Landesmuseum Darmstadt
1944.

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(Stein-,
Bronze- Eisenzeit bis etwa 450 v.Chr.)
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Die
erste urkundliche Erwähnung eines Ortsnamens beweist
schriftlich den Bestand einer menschlichen Ansiedlung mit dem
jeweiligen Namen. Derartige urkundliche Beweise bezeugen
folglich nicht Beginn einer solchen Besiedlung. Für die
Siedlungen im Mühltal bestehen kaum Aussichten, daß
sich noch Urkunden älteren Datums als die jetzt bekannten
finden.
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Gehen
wir noch weiter zurück, werden andere Hinweise auf frühere
Besiedlung äußerst spärlich. Nur wenige Gräber
in der Nieder-Ramstädter und Bessunger Gemarkung deuten auf
merowingisch-fränkische Besiedlung hin. Dann fehlen weitere
Anhaltspunkte bis zurück zur römischen Besitznahme.
Aus vorchristlicher Zeit liegen jedoch zahlreiche Funde vor, die
eine frühe Besiedlung, beginnend etwa 3500 v.Chr.,
beweisen.
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Das
nördliche Mühltal ist mit den benachbarten Gemarkungen
als Fundort frühgeschichtlicher Zeugnisse in der Fachwelt
bekannt. Das Hauptfundgebiet liegt zwischen der Alten
Ober-Ramstädter Straße und dem Eckweg, dem Traisaer
Weg und dem Steinbuckel (s. Verweis rechts: Hügelgräber).
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Die
Jungsteinzeit 3500 – 1800 v.Chr.
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Im
letzten Abschnitt der ausgehenden Steinzeit dringt eine
Bauernkultur bis in unserem Raum vor. Die von ihnen gefundenen
keramischen Gefäße weisen bandartige Verzierungen
auf, was zu dem Namen „Bandkeramiker“ für
diesen Kulturkreis führte. Hierzu gehören vermutlich
auch das am Birkenberg gefundene Steinbeil sowie Scherben von
Gefäßen aus den Hügelgräbern am Eckweg.
Zwischen Trautheim und Wiesengrund, wo verschiedene
jungsteinzeitliche Steingeräte gefunden wurden, barg man
eine reich verzierte Terrine (s. Abb. rechts)
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Gegen
Ende der Jungsteinzeit wanderte eine neue Volksgruppe in
Südhessen ein, nach ihrem Brauch zur Verzierung ihrer
Gebrauchskeramik „Schnurkeramiker“. Funde aus dieser
Zeit, die zweifellos zu einer Bestattung gehörten, wurden
bei Ausgrabungen an einem kleinen Hügel am Eckweg neben
Beisetzungen aus späteren Jahrhunderten geborgen, u.a. ein
Becher mit Schnurverzierungen.
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Eine
der Schnurkeramik nahe verwandte Kultur zog Fischgrätmuster
als Verzierungen vor. Bodenfunde aus diesem Kreis sind die
Steinbeile von der Pfingstweide und an der Alten Darmstädter
Straße sowie ein Sichelmesser vom Lindenberg. Ein an der
Alten Darmstädter Straße gefundenes Kupferbeil ist
der Endzeit der Schnurkeramik zuzuordnen, die gleichzeitig den
Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit bildet.
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Die
Bronzezeit 1800 - 800 v.Chr.
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Bronze
wurde in dem an die Jungsteinzeit anschließenden Abschnitt
von rund 1000 Jahren zum vorherrschenden und namengebenden
Werkstoff. Dieses Jahrtausend umfaßt – von der
Überleitungsperiode seit der Jungsteinzeit abgesehen –
zwei verschiedene Kulturabschnitte, die von 1900 bis 1200
anzusetzende Hügelgräberbronzezeit und darauf folgend
die Urnenfelderzeit von 1200 bis 800 v.Chr. Zahlreiche
Hügelgräber nördlich von Traisa zeugen von dieser
Zeit.
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Um
diese Zeit tritt abermals eine deutliche Änderung der
Lebensäußerungen der damaligen Bevölkerung in
der Folge der Einwanderung der aus dem Alpenvorland kommenden
„Urnenfelderleute“ im hiesigen Raum ein. Die
Umstellung zeigt sich der Nachwelt am deutlichsten in der
grundlegenden Änderung der Bestattungssitte. An die Stelle
der Körperbestattung im Hügelgrab tritt die
Leichenverbrennung mit anschließender Beisetzung der
Aschenurne, der Gefäße und Schmuck beigegeben werden.
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Ein
typisches Brandgrab aus dieser Zeit fand man in Nieder-Ramstadt
in der Gewann „Am Sandwingert“. Scherbenfunde auf
dem Hügel in Traisa deuten darauf hin, daß hier eine
Ansiedlung bestand.
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Die
ältere Eisenzeit – Hallstattkultur 800 – 450
v.Chr.
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In
der Hallstattzeit ist unsere Gegend stärker besiedelt.
Dieser Kulturkreis ist benannt nach der Tiroler Stadt Hallstatt,
von der aus sich diese Kultur ausbreitete. Eine Kette von
Hügelgräbern aus dieser Zeit zieht sich von dem
Gräberfeld in der Hanauer Koberstadt bis nördlich
Traisa. Verschiedene Funde weisen aus, daß diese
hauptsächlich der jüngeren Hallstattkultur, von ca.
600 bis 450 v.Chr., zuzuordnen sind, u.a. auch die Traisaer
Funde am Eckweg. Dort handelte es sich um eine kleine Ansiedlung
und zwei Grabhügel. Bei der Sicherung der Funde konnten die
Umrisse von drei rechteckigen Gebäuden sowie eine Art
Viehtränke mit befestigtem Boden ausmachen.
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Ein
weiterer Fund aus der jüngeren Hallstattkultur wurde beim
Bau des Hauses Müller in der Darmstädter Straße
in Traisa geborgen, nämlich um einen gut erhaltenen
Bronzearmring, der vermutlich aus den Beigaben einer Bestattung
stammte. Er gehört derselben Zeitstufe an wie die Funde am
Eckweg und kann, da die Entfernung zwischen beiden Fundstellen
kaum 800 m beträgt, noch dem Bereich der Ansiedlung
zugerechnet werden.
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Die
siedlungsgeschichtliche Deutung der Funde
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Das
reiche Fundgut in den Mühltaler und angrenzenden
Gemarkungen berechtigt zu der Aussage, daß seit der
Jungsteinzeit in diesem Raum Menschen ansässig waren. Durch
Häufung der Fund zwischen Wiesengrund, Traisaer Weg und
Steinbuckel sowie um die Ludwigseiche kann man annehmen, daß
dort jeweils Schwerpunkte der Besiedlung lagen.
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Da
für das Gebiet am Trautheim und im Wiesengrund nur
jungsteinzeitliche Funde wurden, spätere nicht, ist
anzunehmen, daß mit dem Auslaufen der Jungsteinzeit die
dortigen Wohnplätze aufgegeben wurden. Das Gebiet um die
Ludwigseiche muß in der Zeit der Schnurkeramiker und dann
stärker in der Hallstatt- und Latèneperiode
besiedelt gewesen sein. Dazwischen fehlen für etwa ein
Jahrtausend Anhaltspunkte für menschliche Niederlassungen.
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Zwischen
Traisaer Weg und Steinbuckel sind hingegen alle
Siedlungsperioden von der Jungsteinzeit bis zur ausgehenden
Hallstatt-Kultur vertreten. Man kann deshalb dort eine ständige
Besiedlung annehmen, die etwa um 500 v. Chr., als dort das
Gehöft entstand, ihren Höhepunkt erreichte.
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Für
die daran anschließende Zeit fehlen jedoch Funde, weshalb
man annehmen muß, daß die dortige Ansiedlung
verlassen wurde oder durch unbekannte Einflüsse einging.
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Die
Funde bestätigen aber auch, daß es sich bei diesen
Hügel nicht, wie heute noch im Volksmund behauptet wird, um
„Römerbuckel“ also Anlagen römischen
Ursprungs handelt, sondern um viel ältere
Hinterlassenschaften früherer Kulturen.
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Die
Frühgeschichtsforschung hat es ermöglicht, daß
wir uns heute ein recht umfassendes Bild über die Menschen,
die Träger dieser Kulturen waren, machen können. Aus
diesen Kenntnissen, die durch die Funde bestätigt sind,
wissen wir, daß es sich nicht um „wilde Barbaren“
handelte, sondern um Menschen bauerlicher Art, die schon von der
Jungsteinzeit an einen ausgeprägten Schönheits- und
Formensinn bewiesen, deren Geist sich mit religiösen
Überlegungen befaßte, Menschen also, deren wir uns
nicht zu schämen brauchen, wenn wir sie als unsere
Vorfahren ansehen wollen.
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Die
Frühgeschichte (ab etwa 450 v.Chr bis zum mittleren
Mittelalter)
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Die
jüngere Eisenzeit – 450 v. Chr. bis zur Zeitenwende
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Die
jüngere Stufe der Eisenzeit, die nach einer Fundstelle am
Nordwestrand des Neuenburger Sees „Latène-Kultur
genannt wird, ist an der oberen -Donau und bei uns am Oberrhein
durch die Kelten geprägt, die zu dieser Zeit einen
Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichten.
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In
unserem Raum wird der schon seit dem 5. Jahrhundert v. Chr.
deutlich bemerkbare keltische Einfluß dominieren. Obwohl
in diesem Zeitabschnitt starke Bevölkerungsbewegungen
stattfinden – die Kelten wandern nach Italien, Frankreich,
Spanien, den britischen Inseln und donauabwärts ab, die
Germanen drängen aus den mittelelbischen Gebieten nach
Westen und Südwesten – findet in unserer Gegend kein
Bevölkerungswechsel statt. Die landwirtschaftliche
Siedlungsform bleibt erhalten, das Handwerk wird durch die
Eisenverarbeitung und die Einführung der Töpferscheibe
stärker gegliedert.
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Funde
aus dieser Zeit liegen aus der Nähe der Ludwigseiche in der
benachbarten Ober-Ramstädter Gemarkung vor. In einem 1963
geöffneten Grabhügel fand man drei Bestattungen aus
der Frühlatènezeit, bei dem 1965 geöffneten
Hügel wurde neben weit älteren Bestattungen auch eine
mit reichem Latèneschmuck geborgen.
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Gegen
Ende der Latèneperiode läuft die Grabhügelkultur
aus. Einfache Brandgräber finden sich bei Kelten wie bei
Sueben, die im letzten vorchristlichen Jahrhundert auch in
Südhessen, vornehmlich jedoch in der Rheinebene,
anzutreffen sind. Im Mühltal und seiner nächsten
Umgebung ist diese Periode durch Funde nicht belegt.
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Von
der Römerzeit zum Frankenreich
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Im
ersten vorchristlichen Jahrhundert gerät unser Gebiet in
den Bereich der Auseinandersetzungen zwischen den Germanen und
den Römern. Die Sueben, ein Stammesverband der
Westgermanen, erreichen das keltische Südwestdeutschland
und ergreifen Besitz vom südlichen Hessen und nördlichen
Baden. Einzelne Volksteile gelangen unter dem Tribokerfürsten
Ariovist über den Rhein und treffen in Gallien auf die
Römer. Sie wurden durch den Sieg Julius Cäsars 58 v.
Chr. in ihrem weiteren Vordringen gehindert und kamen unter
römischen Einfluß. Hingegen lebten die
rechtsrheinisch verbliebenen Volksteile frei unter den Resten
der eingesessenen keltischen Bevölkerung, die in den
eingewanderten germanischen Stämmen aufging.
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In
den Jahren 55 und 53 v. Chr. überschritten erstmals
römische Legionen unter Julius Cäsar den Rhein. Die
Vorstöße wurden von Drusus, Germanicus und Tiberius
um die Zeitwende fortgesetzt und führten zur teilweisen
Unterwerfung der rechtsrheinischen germanischen Stämme.
Ihre Nachfolger suchten diese Gebiete militärisch zu
sichern. Unter Domitian wurde ab 83 n. Chr. die als „Limes"
bekannte Grenzsicherung planmäßig ausgebaut, von
Hadrian (117-138 n.Chr.) und dessen Nachfolger Antonius Pius
(138-161 n.Chr.), erweitert, fortgebaut und ergänzt.
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Teile
des Landes hinter dem Limes sind als Legionsterritorien, agri
decumates, ausgewiesen. Auch unsere Gegend war „Dekumatenland".
Dieburg war innerhalb dieses Gebietes die einzige bedeutende
Ansiedlung. Es sind jedoch zahlreiche Stellen bekannt, wo
Gutshöfe (villae rusticae) und Brandgräber gefunden
wurden. In unserer Nähe lag ein Gutshof im Hinterforst
südlich des Mathildentempels, wahrscheinlich auch am
Westhang des Roßberges in Roßdorf. Mehrere
Brandgräber fand man an der Vogelschneise unweit des
Papiermüllerweges
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Dem
Ausbau des Straßennetzes widmeten die Römer große
Aufmerksamkeit. Eine Verbindungsstraße führte von
Gernsheim am Rhein nach Dieburg und schnitt im westlichen
Mühltal die Gemarkungen Nieder-Ramstadt und Traisa. Im
Jahre 1950 wurde beim Bau des Hauses Waldstraße 30 die
Stückung der Straße in etwa 50 cm Tiefe
angeschnitten.
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Eine
weitere Straße führte von Groß-Gerau nach
Dieburg und soll von Bessungen kommend,
zwischen Trautheim und altem Sportplatz in die Ost-West-Straße
eingemündet sein. Dieses Teilstück konnte bis jetzt
aber noch nicht genau festgestellt werden
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Eine
weitere Anlage, wahrscheinlich aus römischer Zeit und
möglicherweise mit der noch nicht gefundenen Straße
im Zusammenhang stehend, ist das an der Nordseite der
Ober-Ramstädter Straße, dem Traisaer Sportplatz
gegenüber, liegende, deutlich erkennbare Grabenviereck.
Dieses wurde bei den Ausgrabungen als Hallstattgehöft
erkannt und untersucht. Es soll ein durch Brustwehr und
Spitzgraben geschützter Platz mit einem befestigten Tor
gewesen sein. Vielleicht handelt es sich um ein kleines
Straßenkastell.
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Der
Limes wurde von den Germanen mehrfach angegriffen und im Jahre
260 von den Alemannen überrennt, die sich im Dekumatenland
niederließen und im Laufe der Zeit ihre Herrschaft im
Oberrheingebiet ausdehnten. In der Völkerwanderungszeit
gelangten auch die Burgunder in diesen Raum und gründeten
ein Reich in und um Worms. Als sie versuchten, weiter nach
Gallien einzudringen, wurden sie jedoch vom damaligen römischen
Statthalter Aetius 435 n. Chr. geschlagen. Die Reste des Volkes
wurden später an die obere Rhone umgesiedelt. Am Rhein
blieben die Alemannen und die inzwischen ebenfalls
eingewanderten Franken zurück.
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In
der Entscheidung um die Vorherrschaft besiegten diese unter
Chlodwig 496 die Alemannen, die in der Folgezeit dem
Frankenreich eingegliedert wurden. Damit beginnt dann die
Entwicklung des fränkischen Großreiches.
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Aus
der Zeit der Völkerwanderung mit ihren großen
Umwälzungen liegen keine Überlieferungen über die
Verhältnisse oder Geschehnisse in unserem Raume vor. Nur
anhand der Bodenfunde kann man sich ein Bild von der damaligen
Lebensart machen. Die Funde aus der alemannischen Periode sind
spärlich; besser liegen die Verhältnisse für die
fränkisch-merowingische Periode, weil Funde aus
Reihengräbern unser Wissen um diese Zeit beträchtlich
erweiterten.
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In
Nieder-Ramstadt, in unmittelbarer Nähe des ältesten
Ortskernes, im Gebiet „im Hach", wurden mehrere
Gräber aus dem 6. und 7. Jahrhundert entdeckt. Die zu
diesem Friedhof gehörende Siedlung war vielleicht der
Ursprung des heutigen Nieder-Ramstadt.
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Die
stetige Entwicklung des fränkischen Reiches führte zu
einer Machtausprägung, die im Reiche Karls des Großen
ihre Krönung fand. In dieser Zeit wurde das
Rhein-Main-Gebiet zu einem politischen und kulturellen
Schwerpunkt des damaligen Frankenreiches. Gestützt auf
zahlreiche Pfalzen, Königsgüter und privilegierte
Ländereien, entwickelte sich ein starkes Hofleben. Die
Klöster, damals Zentren der geistigen Betätigung,
wurden von den Königen stark gefördert. Durch
zahlreiche Schenkungen von Gütern wuchs auch deren
weltliche Macht. Das Kloster Lorsch wurde in dieser Zeit
geistiger Mittelpunkt und von Ludwig dem Frommen zum
Reichskloster erhoben.
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Unter
Karl dem Großen wurde auch die Landesverwaltung straff
ausgebaut. Verwaltungsbezirke waren die Gaue, an deren Spitze
der Gaugraf als königlicher Verwalter und höchster
Richter stand. Im gleichen Zuge wurde das Straßennetz
organisiert, teilweise auf den früheren römischen
Heerstraßen aufbauend. Zur Sicherung der Straße
wurden „Königshöfe" eingerichtet, die etwa
eine Tagesreise auseinanderlagen. Diese Königshöfe
sind oft die Keimzellen für spätere Ortschaften
gewesen.
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Auch
die Nutzung des Bodens wurde intensiviert, durch Rodungen wurden
neue Siedlungsflächen gewonnen. In mehreren solcher
Siedlungsperioden erfolgten zahlreiche Ortsgründungen, von
denen jedoch in der Folgezeit viele wieder eingingen. In unserer
näheren Umgebung dürfte ein großer Teil der
Ortschaften im Zuge dieser Rodungen im 10., 11., 12. Jahrhundert
entstanden sein.
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