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Geschichte → Mühltal
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Stand: 25.05.2010
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Die
Gartenstadt Nieder-Ramstadt/Traisa
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Autor Karl
Dehnert †



Flugblatt
des Vereins Gartenstadt Nieder-Ramstadt / Traisa
Klick
öffnet das Flugblatt



Briefverschlußmarken
von
der Hess. Landesausstellung für freie und angewandte Kunst
in Darmstadt 1908.
Oben die aus Anlaß der
Ausstellung herausgegebene Marke des Vereins
Gartenstadt „Nieder-Ramstadt – Traisa Die
Sieben-Hügel-Gartenstadt“
(Otto Weber, Museum
Ober-Ramstadt)


Faltblatt
des Vereins Gartenstadt Nieder-Ramstadt – Traisa von
1908:
Ausschnitt aus dem Übersichtsplan. Er zeigt
bereits den fast vollständigen Straßenplan des
späteren Kern-Trautheims.
Klick ins Bild öffnet
das vollständige Faltblatt (1,2 MB).
(Otto Weber,
Museum Ober-Ramstadt)

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Wohnen
im Grünen bei Kunst und Kultur
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Um
die Jahrhundertwende wurde der Gedanke, Gartenstädte und
Villenkolonien im Bereich größerer Städte zu
errichten, lebhaft diskutiert. Es entstand die »Deutsche
Gartenstadtgesellschaft«, die sich zum Ziel gesetzt hatte,
die aufgelockerte Bauweise zu propagieren. Örtliche Vereine
nahmen die Idee auf und suchten sie durch entsprechende Maßnahmen
zu fördern und durchzusetzen.
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Im
Laufe des Jahres 1904 hatte sich aus Bürgern von
Nieder-Ramstadt und Traisa ein vorbereitendes Komitee gebildet,
das sich mit dem Plan beschäftigte, »bei
Nieder-Ramstadt - Traisa die Gründung einer Gartenstadt in
die Wege zu leiten«. Dazu sollte ein Verein mit dem Namen
»Gartenstadt-Gesellschaft Emelinenhütte - Darmstadt«
gegründet werden.
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In
der Versammlung am 22. Oktober 1904 betraf einer der wesentlichen
Diskussionspunkte die Weiterführung der Darmstädter
Straßenbahn nach Traisa und Nieder-Ramstadt bzw. nach
Ober-Ramstadt. Bereits am 22. Januar 1905 fand in Traisa eine
Mitgliederversammlung statt, die dem Verein den Namen gab und
eine Satzung beschloß, die den Zweck des Vereins
unmißverständlich festlegte:
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Eine
Straßenbahn nach Darmstadt
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»Der
Verein hat den "Zweck, die Wohlfahrt der Gemeinden
Nieder-Ramstadt und Traisa und deren Bewohner zu fördern,
insbesondere durch Hebung des Fremdenverkehrs, Begünstigung
der Ansiedlung steuerkräftiger Elemente in den beiden
Gemeinden, Verbesserung der Verkehrsverhältnisse mit
Darmstadt einerseits und dem Odenwald andererseits, sowie
überhaupt Begründung und Förderung solcher
gemeinnütziger Einrichtungen, die dem obigen Zwecke zu
dienen geeignet sind.«
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».
. . für die Fortführung der Darmstädter
elektrischen Straßenbahn in der Richtung nach
Nieder-Ramstadt und Traisa energisch einzutreten.«
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Die
Baugebiete, die für die Gartenstadt in Aussicht genommen
waren, umfaßten das »Kurhaus Trautheim« und
Umgebung, die Waldstraße in Trautheim und Traisa, das
»Villenquartier auf dem Öbing« (heute
Hügelstraße) und die untere Ludwigstraße in
Traisa, aber auch den Lohberg in Nieder-Ramstadt.
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Das
nach der Gründung des Vereins zunächst wichtigste
Anliegen, die Weiterführung der Straßenbahn vom
Böllenfalltor nach Nieder-Ramstadt, wurde unverzüglich
aufgegriffen.
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„Bahnhof
Trautheim“ für die Odenwaldbahn?
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In
diesem Zusammenhang wurde unter anderem erklärt, daß
mehrere Gesuche an die Eisenbahndirektion in Mainz gerichtet
wurden, eine Haltestelle der Odenwaldbahn am Waldausgang (heute
Waldstraße) einzurichten, die jedoch mit dem Hinweis
abgelehnt wurden, »daß das Projekt der Stadt
Darmstadt zur Fortführung der elektrischen Straßenbahn
nach Nieder-Ramstadt - Traisa Aussicht auf Erfolg habe«.
Der Vorstand fragte dann ausdrücklich an, »ob die im
Prinzip früher bereits beschlossene Weiterführung für
die nächste Zeit in Aussicht steht«.
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Anfang
November 1905 befaßte sich die Darmstädter
Stadtverordnetenversammlung in einer nichtöffentlichen
Sitzung mit der Verlängerung der Straßenbahn bis
Ober-Ramstadt und beschloß, die Bahn durch die Stadt
Darmstadt bauen zu lassen, wenn die in Betracht kommenden
Gemeinden das benötigte Gelände kostenlos zur Verfügung
stellen.
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Der
Optimismus war zu diesem Zeitpunkt berechtigt, schien doch alles
im Sinne des Vereins zu verlaufen. Zum Jahresende, am 30.
Dezember 1905, erschien dann im Großherzoglichen
Regierungsblatt eine Bekanntmachung über die Vermessung und
die Vorarbeiten für die elektrische Bahn von Darmstadt nach
Ober-Ramstadt.
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Außer
dem Bahnproblem bemühte sich der Verein auch noch in anderer
Weise, die Idee der Gartenstadt zu verwirklichen. Mit Nachdruck
wurden die Gemeinden Nieder-Ramstadt und Traisa auf die
Notwendigkeit des Baus von Wasserleitungen aufmerksam gemacht.
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Erhalt
des Landschafts- und Siedlungscharakters
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Im
Mai 1906 wurde im Saal des Gastwirtes Böning - Cafe
Waldesruh - eine von mehreren Darmstädter Architekten
beschickte Ausstellung von Plänen über die mögliche
Bebauung sowie künstlerische Gestaltung der vorgesehenen
Ein- und Zweifamilienhäuser gezeigt, die sehr reges
Interesse fand. Das Hauptziel war, Interessenten zu veranlassen,
sich in den Villenvierteln anzusiedeln, aber gleichzeitig darauf
hinzuwirken, daß die vorgesehenen Bauten nach
künstlerischen Grundsätzen unter Berücksichtigung
des Charakters der Landschaft erstellt werden sollten.
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Als
weitere Werbemaßnahme ließ der Verein eine Serie von
Postkarten anfertigen, die die für die Ansiedlung von
Interessenten vorgesehenen Baugebiete der Gartenstadt zeigten.
Die Kartenansichten sollten die Schönheit der Landschaft und
der Umgebung herausstellen. Nach dem Beschluß der
Jahresversammlung 1906 sollten die Kartenserien auch an die
Verkehrsvereine von Frankfurt, Mainz, Offenbach, Mannheim und
Wiesbaden geschickt werden, um den Fremdenverkehr anzukurbeln und
Bauinteressenten von dort anzulocken.
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Darmstadt
entscheidet sich anders
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In
Darmstadt war jedoch die Stimmung umgeschlagen. Einem Bericht der
»Darmstädter Verkehrszeitung« aus dem Jahre 1907
zufolge, die sich aus Anlaß der Übersendung einer
Werbepostkartenserie des Vereins Gartenstadt Nieder-Ramstadt -
Traisa eingehend mit der Haltung der Stadtverordnetenversammlung
auseinandersetzte, ist zu entnehmen, daß einerseits
Rentabilitätsdenken, andererseits Befürchtungen wegen
des Wegzuges von Darmstädter Familien in die Gartenstadt die
Stadtverordnetenversammlung bewogen habe, dieses Bahnprojekt
zurückzustellen.
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Darmstadt
favorisierte jetzt den Bau einer elektrischen Bahn an die
Bergstraße. Möglicherweise wurde die Ablehnung des
sofortigen Bahnbaus auch durch das eigene Darmstädter
»Gartenvorstadtprojekt« am Hohlen Weg im
Paulusviertel Darmstadts bestärkt.
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Ende
der Pläne, nicht Ende der Idee
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Bis
zum Jahre 1913 wurde immer wieder versucht, den Weiterbau der
Straßenbahn vom Böllenfalltor bis Nieder-Ramstadt zu
ermöglichen. Der Gemeinderat befaßte sich auf seiner
Sitzung vom 18. April 1913 nochmals ausführlich mit dem
Straßenbahnprojekt aufgrund eines Schreibens des Vorstandes
des Gartenstadtvereins. Im Protokoll ist vermerkt:
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»Der
Gemeinderat ist gerne bereit, wegen Erbauung der Bahn in die
Verhandlungen einzutreten. Das Gelände stellen die Gemeinden
Nieder-Ramstadt und Traisa von der Gemarkungsgrenze ab Weinweg
bis zur Endstation Chausseehaus oder Lohberg. Die Kosten sollen
auf beide Gemeinden prozentual der Einwohnerschaft umgeschlagen
werden. In derselben Weise soll die Zinsgarantie übernommen
werden. Die Begünstigungen hinsichtlich der
Arbeiterfahrkarten und Schülerkarten werden beansprucht wie
solche der Gemeinde Eberstadt gebilligt sind.«
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Der
Kriegsausbruch 1914 machte die Absichten des Vereins zunichte.
Erst in den zwanziger Jahren — jedoch von anderer Seite —
wurden sie wieder aufgegriffen. Hingegen war der Absicht,
bestimmte Baugebiete der Gemeinden Nieder-Ramstadt und Traisa,
wie den Lohberg, den Öbing und Trautheim in aufgelockerter
Bauweise zu besiedeln, Erfolg beschieden. Im Gebiet Trautheim
wurde die Bebauung dank der Initiative der 1919 gegründeten
Baugenossenschaft »Wildnis« noch verstärkt. So
sahen die Initiatoren und Gründer des Vereins doch einen
wesentlichen Teil ihrer ursprünglichen Vorstellungen
verwirklicht.
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