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Wappen
erzählen Geschichte
Eine kleine Einführung
in die Wappenkunde von
Heinz Bormuth
Wer sich für das Wappenwesen
interessiert, muss sich mit den Turnieren des Hohen Mittelalters
befassen, denn diese Turniere haben die Wappen hervorgebracht,
sie waren das Erkennungszeichen der Ritter und sind später
von deren Familien übernommen worden.
Spätestens
seit dem 12. Jh. ist das in Frankreich entwickelte Kampfspiel zu
Pferd, das „turnoi“, auch in Deutschland als
„Turnier“ bekannt. Ursprünglich dienten diese
Turniere der Vorbereitung der Ritter auf den Kampfeinsatz, denn
damals haben noch die Reiterheere eine Rolle gespielt. Als diese
aber in der Folge immer mehr an Bedeutung verloren, blieben die
Turniere „als gesellige, adlige Kampfspiele“
erhalten. Sie dienten den Adeligen zur Selbstdarstellung, denn
turnierfähig war nur der „Ritterbürtige“,
der mehrere Generationen ritterbürtiger Ahnen nachweisen
konnte. Eine gute Darstellung der Ritter mit ihren Wappen bringt
die „Manesische Handschrift“. Die heute in Heidelberg
verwahrte Handschrift aus dem 14. Jh. verzeichnet mehr als 100
Minnesänger, die alle dem Ritterstand angehörten, mit
ihren Wappen. Viele von ihnen gerüstet.
Aus dem
16.Jh. gibt es zahlreiche reich bebilderte Turnierbücher,
die Turniere bis in die Zeit vor 1000 zurückverfolgen, also
auf Sagen oder auch Phantasie beruhen. Sie sind aber wegen der
farbigen Wappendarstellung (und oft auch frühen
Erstnennungen) in jeder Adelsbibliothek vorhanden. Das
Turnierbuch des Reichsheroldes Rüxner von 1532 war 1986 in
der Heidelberger Ausstellung der „Palatina-Bibliothek“
zu sehen.
Diese Bilder zeigen den jeweiligen Ritter,
dessen Figur durch die Rüstung unkenntlich ist, mit
geschlossenem Visier, gedeckt von dem über die linke
Schulter hängenden Schild. Man sieht also lediglich diesen
Schild, den über den Schildrand heraussehenden Helm und die
auf dem Helm stehende Helmzier („das Kleinod“ der
Wappensprache, sog. Zimier“), der beim Schwertkampf
Bedeutung zukam, weil ihre Eroberung oder wenigstens
Herunterschlagung den Sieger ermittelte, dem als Trophäe
Rüstung und Pferd des Unterlegenen gebührte. Nur durch
seine Farben und sein Wappen ist der Ritter kenntlich.
Schild,
Helm und Kleinod
Diese genannten Attribute sind die
Bestandteile des Wappens: Schild mit dem Wappenbild, Helm mit den
farbigen Helmdecken und das Kleinod. Sie sind der Mode
unterworfen: Der Schild wird in der frühen Gotik vom
Dreieckschild über die Tartsche, die eine Aussparung für
den Speer oder die Stange enthält, zum Halbrundschild und
schließlich zum ovalen oder runden Schild, der Helm
entwickelt sich mit der Rüstung vom Topfhelm zum Kübelhelm
und dem Stechhelm des 15.Jh., im Ausgang der Turnierzeit wird der
Helm gelegentlich nur noch stilisiert. Auch die Darstellung des
Kleinods ändert sich, anfangs wiederholt sich das Schildbild
auf dem Helm, um den Kombattanten von weitem besser kenntlich zu
machen, später findet man Tiere, mit aufgerissenem Maul oder
Schnabel und abgetrennte Armteile mit dem Schwert zur
Abschreckung, dann Männerfiguren, später auch junge
Frauen. Viele dieser Darstellungen sind Allegorien, die oft den
Geschlechternamen, das Wappenzeichen oder auch den Wappenspruch
der Familie als „redende Wappen“ erklären.
Zur
Geschichte der Heraldik und zum Wappenwesen gibt es reichlich
Literatur, ich habe hier verwendet: H. Reise: Vom Wappenwesen,
(eine Kurzdarstellung), Göttingen 1948), dazu
Wappensammlungen, wie den Neuen Siebmacher und für das
Rhein-Main-Gebiet das mehrbändige Wappenbuch v. Knodt und
die Wappensammlung im Lehenbuch der Kurfürsten von der Pfalz
mit über 400 farbigen Wappen u.A.
Die rechtliche
Bedeutung
Hinzuweisen ist jedoch auf die rechtliche
Situation der Wappen: der Eintrag in diese Wappenbücher oder
auch in die Wappenrollen hat keine konstitutive Wirkung. Die
Fortführung der Wappenrollen ist eine private Angelegenheit
familiengeschichtlicher Vereine und deren Archive. Es gibt also
wappenführende Familien, deren Wappen in keinem dieser
Register verzeichnet ist, die Eintragung in die Wappenrolle hat
nur deklaratorische Bedeutung. Bei den Wappenbüchern, die
einzelne Wappen in Zeilen abbilden, muss bedacht werden, dass
dort aus Platzgründen das Kleinod oder die Decken entweder
fehlen oder nur angedeutet sind, dazu gibt es aber
Beschreibungen.
Schon seit dem 14. Jh. führen auch
bürgerliche Familien Wappen, die ihnen der kaiserliche Hof
oder die von diesem ermächtigten Hofpfalzgrafen in
Wappenbriefen verkauft haben. (Das war reine Geldbeschaffung). Es
gab auch Familien die Wappen ohne Wappenbrief angenommen haben,
wie das bis heute üblich ist. Die (nicht obligatorische)
Aufnahme in eine Wappenrolle setzt allerdings voraus, dass
Wappenzeichnungen eines Zeichners nach den Regeln der Heraldik
vorgelegt werden, sie werden dann von den Vereinen überprüft,
ob sie den heraldischen Regeln entsprechen und sich mit keinen
anderen Wappenträgern überschneiden.
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Autor Heinz
Bormuth


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