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Geschichte
> Mühltals Mühlen > Die Technik
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Stand:
23.07.2009
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Handwerkskunst
und Wasserkraft Ein
Blick in die Technik der Mühlen
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Autor: Karl-Heinrich
Schanz



Oben:
Die Haue (oben), der Mitnehmer für den Läuferstein,
neben Weck und Brezel im Nieder-Ramstädter Gerichtssiegel
von 1635.


Oben
und unten: Bearbeiten der Mühlsteine Für
größere Ansichten und Erläuterungen klicken Sie
bitte in die Minibilder (131 bzw. 132 KB)



Wili
Potratz beim Behauen (Schärfen) der Mühlsteine etwa
1975. Der interessierte Nachwuchs schaut zu: Stefan
Schanz. Klick ins Bild ergibt größere
Ansicht (20 KB)


Die
fertig behauenen Steine, rechts der untere, feststehende Stein,
auf dem sich der linke, obere Stein („Läuferstein“)
drehte. Man sieht auf ihm die Einbuchtungen, in die die Haue
griff, um den Stein zu drehen. Klick ins Bild ergibt
größere
Ansicht (115 KB)


Ein
sehr viel älterer Stein aus dem Odenwald mit deutlichen
Einkerbungen für den Mitnehmer, die Haue. Die radialen
Luftfurchen sind sehr sparsam, aber tief ausgebildet. Klick
ins Bild ergibt größere
Ansicht (95 KB)


Funktionsskizze
einer altdeutschen Getreidemühle (aus: Taschenbuch des
Müllers, 1909) Klick ins Bild ergibt größere
Ansicht (62 KB)


Funktionsskizze
des Mahlwerkes der wassergetriebenen Getreidemühle Klick
ins Bild ergibt größere Ansicht (183
KB)


Funktionsskizze
des Mühlganges der wassergetriebenen Getreidemühle Klick
ins Bild ergibt größere
Ansicht (129 KB)


Recht
beschaulich hat der Zeichner das Geschehen in der Mühle
dargestellt. So
leicht ging's nicht von der Hand. Der heute noch
sprichwörtlich schwere Maltersack, in dem Getreide an- und
Mehl abgefahren wurde, wiegt knapp 2 Zentner! Klick ins
Bild ergibt größere Ansicht (117
KB)


Querschnitt
durch eine alte Getreidemühle


Es
klappern die Mühlen, aber nur Getreidemühlen. Das
besorgt der Tanzmeister, der mit der Gabel (links) oder der
Triangel in die Haue gesteckt ist und sich somit mit dem
Läuferstein dreht. Der Vierschlag (oben) schlägt im
Takt gegen den Rüttelschuh, wodurch das Mahlgut dosiert
zwischen die Mühlsteine rutscht. Grafik: Dr. Herbert
Jüttemann

Eine
Wanderung nach Müllers Lust zu 31 ehem.
Mühlenstandorten im Mühltal:


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Anlegen
einer mittelalterlichen Mühle
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Der
Landesherr, als Herr über Wasser und Weide, hatte das
alleinige Wasserrecht. Nur er konnte den Bau einer Mühle
gestatten und bezog dafür den jährlichen
Wasserfallzins vom Besitzer der Mühle. Erbaute er die Mühle
selbst und verpachtete sie, so erhielt er dafür den
jährlichen Mühlenzins pro Mahlgang.
Erhaltungsreparaturen an Gebäuden und Mahleinrichtung mußte
der Pächter vornehmen.
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Eichpfähle
legen die Stauhöhe der Wehre fest, über die das Wasser
auf das Mühlrad (auch: Wasserrad) geleitet wird. Sie
bestehen aus einem Eichenpfahl, der im Bachbett vor dem Wehr
verankert ist. Der Pfahl trägt eine Kupferkappe, in der der
landgräfliche Löwe, die Jahreszahl der Setzung und
oben ein sog. Eichnagel eingeschlagen ist. Es gilt die Formel:
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„Eine
Fliege, die sich auf den Eichnagel setzt, darf niemals ihre
Flügel mit Wasser benetzen.“
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Da
Hochwässer die Eichpfähle immer wieder hinweggerissen,
mußte ihre Lage, vor allem in der Höhe,
protokollarisch genauestens festgehalten werden. Die ganze
Aktion des Vermessens und Setzens des Eichpfahles dauerte meist
zwei Tage. In der Zeit mußten die Amtspersonen vom Müller
verköstigt werden, was bei gutem Hunger und Durst meist
teuer kam.
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Der
Oberlieger achtete darauf, daß nicht zu hoch angestaut
wird, damit sein Wasserrad keinen Rückstau erfuhr. Das
mehrseitige Protokoll zeigt dann auf, wie schwierig die
Verhandlungen waren, bis alle Beteiligten zufrieden gestellt
waren.
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Anfänglich
wurden nur unterschlächtige Wasserräder gebaut, wobei
das Wasser unten gegen die Radschaufeln schlägt. Der
Wirkungsgrad war nicht sehr hoch. Diese Mühlen standen
direkt am Bachlauf, der durch einen Damm gestaut wurde, in
dessen schmalem Durchlaß sich das Wasserrad bewegte.
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unterschlächtiges
Mühlrad
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Die
Dammhöhe war festgelegt, die darüber liegende Mühle
durch Rückstau nicht beeinträchtigt wurde. Durch einen
im Bachbett eingerammten Eichpfahl wurde die Stauhöhe
festgelegt. Oft kam es wegen Veränderung der Stauhöhe
zu Streit unter den Müllern.
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mittelschlächtiges
Mühlrad
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Oberschlächtige
Wasserräder, die seit dem 14. Jahrhundert bekannt wurden,
verbesserten den Wirkungsgrad der Mühle. Sie bedingten aber
meist die Anlage eines Mühlgrabens weit oberhalb der Mühle,
um das notwendige Gefälle zu erreichen.
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oberschlächtiges
Mühlrad
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Den
Aufbau der Gebäude und des Mahlgeschirres nahm entweder der
Müller selbst oder ein Zimmermann vor. Den spezialisierten
Beruf des Mühlenbauers, genannt Mühlarzt, gab es noch
nicht.
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Wasserrad
und Getriebe bestanden aus Holz. Aus diesem Grund mußte
pro Mahlgang ein Wasserrad vorhanden sein, da die Festigkeit der
Holzgetriebe zum Antrieb von mehreren Mahlgängen nicht
ausreichte.
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Außer
dem Mitnehmer für den Läuferstein, Haue genannt, und
der senkrechten Triebachse, dem Mühleisen, waren alle
anderen Teile des Mahlwerks aus Holz. Die beiden Mahlsteine
wurden meist aus Odenwälder Sandstein geschlagen.
Haltbarere Steine aus Basaltlava bezog man aus der Eifel. Die
weitaus besten waren aber die „Franzosen" aus
Quarzit, die in der Champagne hergestellt wurden. Nur
wohlhabende Müller konnten sich diese Steine leisten.
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Auf
derartigen Mühlen konnte im 24-Stunden-Betrieb, je nach
vorhandenem Wasser, 3 - 5 Malter Getreide gemahlen werden, d.h.
350 - 450 kg je nach Getreideart. Als Entgelt für seine
Arbeit erhielt der Müller den „Molter", dies war
in Nieder-Ramstadt der 16. Teil der zu mahlenden Frucht.
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Die
Arbeit des Müllers und die Funktion seiner Mühle
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Der
Müller schüttete das Getreide in einen Holztrichter,
den Rumpf, der an Lederriemen pendelnd über dem Mahlgang
aufgehängt war und von dem drehenden Mahlstein über
Nocken in rüttelnde Bewegung versetzt wurde.
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Hierdurch
rieselt das Getreide stetig in die zentrale Bohrung des
Läufersteines nach. War der Trichter leer, wurde durch eine
Fallklappe ein Klopfer in Bewegung gesetzt und der Müller
durch das Geräusch zur Nachfüllung aufgefordert.
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Der
Mahlgang bestand aus zwei flachen, kreisrunden Sand- oder
Lavasteinen. Einer davon, der Bodenstein, lag fest verankert auf
dem Boden der Mahlstube. In seiner zentralen Bohrung war eine
runde Eisenachse senkrecht und drehbar gelagert, das Mühleisen.
Es wurde vom Getriebe im darunterliegenden Stockwerk in Drehung
versetzt. Auf seinem oberen Ende saß ein rechteckiges
Eisenstück quer, die Haue. Sie griff als Mitnehmer in den
oberen Mühlstein, den Läufer, ein und versetzte ihn in
Drehbewegung.
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Mühleisen
und Haue sind die einzigen Eisenteile des Mahlgangs und damit
für den Müller sehr wertvoll. Sie hielten den Läufer
über dem Bodenstein in Schwebe, wodurch sich beide nicht
berührten, sondern zwischen ihnen ein Luftspalt, der
Mahlspalt, entstand.
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Das
durch die Mittelbohrung des drehenden Steines einrieselnde
Getreide geriet zwischen die Steine, wurde dort zerrieben und
gelangte aufgrund der Fliehkraft nach außen zum Rand der
Steine. Eine Holzeinfassung, die Zarge, ließ dem Mahlgut
nur einen Ausgang offen, durch das Ausfalloch in den Mehlsack.
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Nun
mußte das Mehl von Hand ausgesiebt werden, eine mühsame
Arbeit. Der zurückgebliebene Schrot mußte die Steine
noch mehrmals passieren, damit auch die letzte Spur Mehl noch
herausgeholt werden konnte.
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Das
Beutelwerk
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Eine
Besonderheit der Deutschen Mühle war das seit
karolingischer Zeit bekannte „Beuteln" des Mehles.
Die schwere Arbeit des Aussiebens veranlaßte die Müller,
eine automatische Siebvorrichtung zu bauen. Hierbei rieselt das
Mahlgut aus der Zargenöffnung direkt durch einen
ofenrohrdicken Leinenschlauch, der diagonal von oben nach unten
in einen Kasten eingespannt ist.
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Dieser
„Schlagbeutel" wird vom Getriebe über Nocken und
eine sinnvolle Hebelvorrichtung, die Rüttelgabel,
geschüttelt, damit das Mehl in den Kasten fällt.
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Die
Kleie verläßt am anderen Ende des Schlauches den
Kasten durch ein Loch in der Wand.
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Dieses
wird in einigen Mühlen mit einer Fratze versehen, dem
sogenannten Kleiekotzer, einem Sinnbild des Mühlengeistes,
der den Mahlgang vor bösen Einflüssen schützen
soll.
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Nicht
nur das Aufschütten des Getreides und das Aussieben des
Mehles beschäftigte den Müller. Viel Arbeit machte ihm
auch die Instandhaltung seines „Mahlwerkes".
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Der
Mühlgraben mußte gereinigt und das Wehr instand
gehalten werden. Bei Niedrigwasser mußte gestaut, bei
Hochwasser die Flut abgewendet werden. Im Winter mußte das
Wasserrad eisfrei gehalten werden, sonst kam die Mühle zum
Stillstand und das Eis zerstörte das Rad.
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Die
Mühle war stets sauber zu halten, und der Mahlgang selbst
verlangte viel Pflege. Die ursprüngliche Verwendung von
Sandstein für die Mahlsteine erforderte eine ständige
Nachschärfung der Mahlflächen, da sie sich schnell
abschliffen.
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Oft
brachen auch Zähne der Holzzahnräder, Kämme
genannt, die aus Eschenholz nachgeschnitzt und eingesetzt werden
mußten. Wollte der Müller etwas verdienen, so konnte
er sich nicht viel Ruhe gönnen. Die Arbeit des Müllers
besingt auch das alte Volkslied:
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Es
klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp klapp, bei
Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach, klipp-klapp .
. .
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Das
Klappern der Mühle wurde durch die Nocken des Beutelwerkes
und des Aufgabetrichters erzeugt. Daß der Müller bei
Tag und bei Nacht stets „wach" blieb, dafür
sorgte der Klopfer am leergelaufenen Trichter und die
störanfällige Mechanik seines Mahlwerkes. Um ein gutes
Einkommen zu haben, mußte die Mühle Tag und Nacht „im
Dienst“ sein.
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Bei
gutem Wasser konnten pro Mahlgang fünf bis sechs Malter
Korn, d.h. fast 500 kg bei 24-stündigem Betrieb gemahlen
werden. Der Malter Korn kostete 9 - 16 Schillinge, je nach Güte.
Der „Molter", der Mahllohn des Müllers, betrug
damals den 16. Teil des Getreides. Er konnte also einen
Schilling pro Malter verdienen, d.h. fünf bis sechs
Schillinge in 24 Stunden.
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Dafür
konnte er z.B. 4 ½ Mahlzeiten oder 3 ½ Pfund
Butter oder zwei Gänse oder ein Paar Schuhe kaufen. Für
die Unterhaltung seiner Mühle mußte er aber auch
etwas zurücklegen.
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Für
den Zimmermann, der ihm schwierige Reparaturen ausführte,
benötigte er 3 ½ Schillinge pro Tag, zusätzlich
die Kost. Der Mühlknecht bekam 1 1/3 Schillinge als
Tageslohn, zusätzlich Kost. Dazu kamen die jährlichen
Abgaben an den Pachtherren.
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Es
war ein karger Lohn, den er für seine schwere Arbeit bekam.
Kein Wunder, daß er versuchte, möglichst viel aus
seinem Geschäft zu schlagen. Zahlreich waren die Klagen
über Betrügereien in den Mühlen. In Zunftartikeln
und Verordnungen versuchten die hessischen Landgrafen unter
Androhungen von Strafen dem zu begegnen.
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Es
dauerte noch lange Zeit, bis man von den Müllern als
„Bachprinzen" sprechen konnte.
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