Frankenstein Freizeit Gemeinschaft Geografie Geschichte Mühlen Sehenswert

 

 

 .

Geschichte > Nieder-Ramstadt > Hochwasser

Stand: 1. Nov 2011

 

 

 


 

Hochwasser in Nieder-Ramstadt


Die Modau – Segen und Gefahr

Text:
Volker Teutschländer




Wilhelm Gerling (1871 – 1963)
Postkarten-Kunstverlag:



Nieder-Ramstadt im Odenwald,
Partie an der Modau“

vor der Uferbefestigung in den 1930er Jahren. Links die Einfahrt in die Furt.






Die Modau, Gewässer II. Ordnung, entspringt auf der Neunkircher Höhe, verläßt am Kühlen Grund den Odenwald in die Oberrheinische Tiefebene und mündet bei Stockstadt in den (Alt-)Rhein. Das Mühltal ist Teil des Modautales, und zwar dessen unterster Abschnitt vor der Ebene. Diese Lage in der untersten Tallandschaft des Mittelgebirges hat dem Mühltal über die Jahrhunderte viel Segen und viel Leid gebracht.

Auf dem Weg hat die Modau viele Nebenflüßchen aufgesammelt, so daß sie auch in Trockenzeiten stets so viel Wasser führte, daß die Menschen in ihrem Tal Felder und Wiesen bewässern, Vieh tränken, Feuer löschen und vor allem: Energie für vorindustrielles Gewerbe gewinnen konnten. Die Wasserkraft der Modau verbreitete Arbeit und Brot, für einige auch einen ansehnlichen Wohlstand im Tal der Modau und in den Seitentälern, eben dem Mühltal.

An mehreren Stellen auf diesen Seiten vom Mühltal im Odenwald wird darauf weiter eingegangen.

Es gab aber auch eine Kehrseite, das andere Gesicht der Modau. Katastrophale Hochwasserfluten haben in Deutschland und Mitteleuropa an Zahl und Schrecken zugenommen, haben darüber nachdenken lassen: Ist das Mühltal in seiner Odenwälder Mittelgebirgslage davon wirklich so wenig bedroht?

Die Fließgewässer aus dem Modautal und seinen Seitentälern entwässern nicht so große Einzugsgebiete, als daß davon Wassermassen zusammenströmen könnten, die an der umliegenden Kulturlandschaft größere Schäden anrichten könnten. Vor allem aber haben die Gewässer im Mühltal und seinen Nebentälern ausreichendes Gefälle, um zügig abfließen zu können.

Diese Sicherheit beruht allerdings nicht zuletzt auf den Verbauungen an den Bachläufen, die die Menschen über die Generationen vorgenommen haben, um zum einen den Wasserabfluß zu fördern und um zum anderen die Aufnahmefähigkeit der Flußbette zu Lasten natürlicher Wasserläufe zu erhöhen. An der Modau haben die Uferbefestigungen in den dreißiger Jahren des vergangen Jahrhunderts und schließlich das Rückhaltebecken oberhalb Ober-Ramstadts für Schutz im Rahmen des menschlich Möglichen gesorgt.

Denn der Mensch kann sich nicht gegen jede Art von Naturkatastrophe umfassend absichern. Die größte im Mühltal war ein „fürchterliches, folgenreiches Naturereignis“, im Jahre 1919.