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Der
Weiler Mordach
Der
Name des Weilers auf Nieder-Ramstädter Gemarkung weist auf
ein einst (wie heute) wasserreiches Gebiet hin. Völlige
Klarheit über die Bedeutung des Namens besteht aber nicht.
Durchweg wird ein Zusammenhang etwa mit Tötungsdelikten
ausgeschlossen Anders aber Ludwig Hahn (in „Der Odenwald,
Land zwischen Rhein, Main und Neckar“, 1959,
Burkhard-Verlag, Ernst Heyer, Essen) in seinem Beitrag
„Flurnamen“: Gerichtsstätten und und sonstige
Rechtsdenkmäler, in Flurnamen überliefert, finden sich
fast in jedem Dorf und nennt u.a. die Mordach in
Nieder-Ramstadt.
Mit dem Namen „Mordach“ in
unterschiedlichen Schreibweisen wurden in frühen
Kartierungen die Ansiedlungen in den engen Tallagen der Modau
(unterhalb der Ortslage Nieder-Ramstadt) und des Mordach-Baches
genannt, die sich am „Kühlen Grund“ treffen.
Später wurden diese beiden Gewässer-Abschnitte auch
Drusbach oder Trostbach genannt. Der Mordach-Bach heißt in
seinem Oberlauf „Beerbach“, nämlich in den
Gemarkungen Nieder-Beerbach und Ober-Beerbach, also außerhalb
Nieder-Ramstadts.
Das enge und landschaftlich reizvolle
Mordachtal vom Kühlen Grund bis zum Burgwald unter dem
Frankenstein teilen sich Nieder-Ramstadt und Eberstadt, denn der
Mordach-Bach bildet die Grenze zwischen beiden Gemarkungen und
folglich zwischen den Gemeinden Mühltal und Darmstadt. Die
Ansiedlungen bis vor die Gemarkung Nieder-Beerbach stehen rechts
des Mordach-Baches, folglich in Nieder-Ramstadt und bilden den
Weiler Mordach. Eine Ausnahme bildet die Waldmühle oder
Mahrsmühle: Ihr Hauptgebäude steht links der Mordach
auf Eberstädter Gebiet und wird deshalb nicht zu dem
Nieder-Ramstädter Weiler gezählt werden. Schon 1475
wird zwischen der Eberstädter und der Nieder-Ramstädter
Mordach unterschieden.
Unkundige bezeichnen häufig
in einem engen (falschen!) Sinne nur die Bebauung auf dem Weg
von der Landesstraße bis zum Waldrand des Boschels als
Mordach.
Erstmals wird „die Mordach“ 1390 als
„Mortart" anläßlich eines Waldkaufs durch
Hans den Älteren von Walbrunn genannt, dessen unmittelbare
Vorfahren sich noch „von Ramstadt“ (das ist
Nieder-Ramstadt) nannten. Daß das Gebiet ein eigenes
Gericht hatte und in vorreformatorischer Zeit zur Pfarrei
Neunkirchen (1475) gehörte, läßt auf eine
ursprünglich selbständige Gemarkung schließen.
Es
gibt Dokumente, die von den Strapazen für Mensch und Tier
berichten, wenn Verstorbene aus der Mordach im Winter auf einer
Mehr-Tages-Reise mit dem Pferdefuhrwerk zum Kirchhof auf die
bald 25 km entfernte und 600 m hohe Neunkircher Höhe
geschafft werden mußten.
1698 gründete
Landgraf Ernst Ludwig von Hessen hier eine Glas- und
Spiegelmanufaktur zur Fertigung von Hohlgläsern, Butzen-
und Spiegelscheiben. Da sich der Betrieb als unrentabel erwies,
wurden die Gebäude 1705 verkauft und zu einer Getreidemühle
umgebaut, zu einer von drei „Mordachmühlen“.
Als diese 1896 niederbrannte, errichtete Friedrich Ludwig
Schneider auf dem Standort der Brandruine das Gast- und Kurhaus
Burgwald. Schneider war Nieder-Ramstädter Bürgermeister
von 1893 bis 1901, er verstarb 1904. 1909 verkaufte Familie
Schneider die „Villa Burgwald“ an den „Verein
zur Heilung von Alkoholkranken“, der eine Heil- und
Rehaeinrichtung betrieb, aus der das heutige „Haus
Burgwald“ als Einrichtung für Suchtkranke
hervorgegangen ist. Daß sie als ihren Standort
„Nieder-Beerbach“ angibt ist ein Fehler.
Im
Verzeichnis der Wohnplätze im Großherzogtum Hessen
von 1902 werden unter Nieder-Ramstadt die einzelnen Wohnplätze
in der Mordach genannt. Nach Wikipedia sind Wohnplätze
im engeren Sinne die von einer Stadt oder Gemeinde
"abgesonderten Gemeindeteile", also Siedlungen mit
eigenem Namen, die vom Hauptort räumlich getrennt sind und
im Laufe der Geschichte schon immer zu dieser Gemeinde gehörten.
1902 befinden sich demnach folgende Wohnplätze im Tal der
Mordach:
Zwei
Mordachmühlen: Die vormals dritte Mordachmühle bestand
bei der Erstellung des Wohnplatzverzeichnisses (1902) ja nicht
mehr und wurde schon als Villa Burgwald aufgeführt. Für
die beiden verbliebenen Mordachmühlen sind die Namen
Frankenbergersmühle und Zehmühle geläufig.
Burgwald:
Das ist die bis dahin dritte Mordachmühle (auch
Krugsmühle), die 1896 total abbrannte. 1909 wurde an dieser
Stelle das „Gast- und Kurhaus“
errichtet.
Nieder-Ramstädter Backsteinbrennerei: Das
ist die ehemalige Dampfziegelei, im Volksmund Russenfabrik.
Insgesamt
befinden sich am Mordach-Bach sechs ehemalige Mühlenstandorte,
deren heutige Gebäudeformen den früheren
Verwendungszweck als Wassermühlen noch recht gut erkennen
lassen. Vier weitere Mühlen betrieb der emsige Bach weiter
oberhalb in Nieder-Beerbach, wo er „Beerbach“ heißt.
Alles über die Mordachmühlen wird im Zusammenhang mit
dem „Wanderweg zu Mühltals Mühlen nach Müllers
Lust“ beschrieben (Klick auf den Schalter in der rechten
Spalte).
Nichts mehr zu sehen ist von der
„Nieder-Ramstädter Backsteinbrennerei“ genannt
„Russenfabrik“ in der Mordach unterhalb des
Boschels, eine industriell arbeitende Ziegelei, die den am Ort
vorkommenden Rohstoff verwendete. Der Betrieb wurde nach dem
Krieg stillgelegt, alle Betriebseinrichtungen wurden
geschleift.
Der
Weiler wurde nach dem kommunalen Zusammenschluß der
Mühltalgemeinden zu einem Ortsbezirk erhoben, obwohl von
einer örtlichen Gemeinschaft in der Mordach nicht
gesprochen werden kann. Eine politische Vertretung besteht im
gemeinsamen Ortsbeirat mit Nieder-Ramstadt. Amtlich hatte
die damalige Gemeinde Nieder-Ramstadt und in ihrer Nachfolge die
Gemeinde Mühltal dem Weiler die Bezeichnung „Ortsteil
in der Mordach“ gegeben.
Warum die mundartliche
Präposition im amtlichen Namen des Weilers Eingang gefunden
hat, ist nicht bekannt, aber auch unverständlich. Sogar
(frühere) Gemeindenamen werden umgangssprachlich mit
Präposition versehen, ohne daß diese Eingang in den
amtlichen Namen fanden (z.B. Braunshardt, heute Gemeinde
Weiterstadt: „In der Brauscht“).
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Text: Volker
Teutschländer

Mehr
über die Mordachmühlen:

Zur
Landschaft des Mordachtales:


Der
Name Mordach in alten Dokumenten (aus: Hess.
Ortsnamenbuch, Wilhelm Müller, 1937):
1445
Mortart 1475 Mordthardt 1513 Mortart 1560 Mordach 1746
Morthart 1927 Mordach
Bitte beachten Sie: Zu keiner
Zeit war der Name mit einer Präposition
verbunden.


Die
ehem. Russenfabrik, die
industriell arbeitende Ziegelei, die „Nieder-Ramstädter
Backsteinbrennerei“


Die
Zehmühle, die
oberste Mordachmühle, heute ein Reiterhof


Das
Haus Burgwald: Blickfang
auf der Fahrt durch das Mordachtal nach Lautertal auf dem
Standort der ehem. Glshütte:

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