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Das
Hofgut Dippelshof
Obstgut
und Ausflugsziel
Schon
im 19. Jahrhundert wurde der Dippelshof dank seiner reizvollen
Lage in einer Umgebung von vielbesuchten Mischwäldern zu
einem beliebten Ausflugsort, vor allem für Spaziergänger
aus Darmstadt, die hierher in 1 bis 1 ½ Stunden über
bequeme Gehwege fanden. Reiseführer und die Darmstädter
Lokaldichtungen beschreiben Gastlichkeit und Geselligkeit in
Traisa und auf dem Dippelshof.
Mehrere
Besitzerwechsel brachten mehrere Umbauen und Erweiterungen mit
sich - aus der bäuerlichen Hofreite wurde ein Hofgut im
Landhausstil der vorigen Jahrhundertwende. Noch vor dem Ersten
Weltkrieg gestaltete Friedrich Wilhelm Bullrich den den Dippelshof
zu einer Art Herrensitz, vor allem durch den Jugendstil-Anbau. In
der Denkmaltopografie des Landkreises Darmstadt-Dieburg heißt
es dazu: „Die Gesamtanlage Dippelshof ist ein gutes Beispiel
für eine geschlossene Hofanlage im Herrenhausstil des
ausgehenden 19. Jh. Sie wird gebildet von dem U-förmigen Hof
(Herrenhaus mit Jugendstilanbau und Remisengebäude) und einer
im Westen anschließenden Parkanlage im englischen
Gartenstil. Ihren Denkmalwert erhält sie durch die
künstlerische Qualität der Gartenanlage und des
Jugendstilanbaues, durch die ortsgeschichtliche Bedeutung als
beliebter Ausflugsort des 19. Jh., der in die Literatur
(„Datterich“ von Niebergall) Eingang gefunden
hat.“
Das langgestreckte zweigeschossige „Herrenhaus“
entstand 1888 anstelle des ehemaligen Wohnhauses. Der 1908 bis
1910 von Oberstleutnant a.D. Bullrich angebaute Flügel im
Norden wurde von Prof. Edmund Körner als dreigeschossiger
Baukörper mit 4 runden zweigeschossigen Erkern entworfen. Die
Denkmaltopografie des Landkreises beschreibt den sog. „Blauen
Saal“ im Erdgeschoß wie folgt:
Ein
Musikzimmer
mit
Marmorwandverzierungen (Einrahmungen, Friesen, Intarsien, Sockel
und Fensterbänke), Marmorkamin, kreisförmigen
Kristalleuchtern. In 3 Rundnischen befinden sich
viertelkreisförmige Eckvitrinen. In der 4. Erkernische führt
eine Wendeltreppe zu dem Herrenzimmer im Obergeschoß. An der
Nordwand zwischen 2 hohen Fenstern ein Leinwandbild von Cissarz
(Drei Frauen am Meer). Ihm gegenüber in einer flachen Nische
mit kannelierten Marmorgewänden ein Relief von B Oetgers
(Drei Amazonen). Das Mobiliar ist bis auf 2 Sofas und einen Tisch
abhanden gekommen
Das
Herrenzimmer
im
Obergeschoß ist an den Wänden und der Decke mit
poliertem Birkenholz verkleidet. Profilierte Einfassungen gliedern
Raum und Rundnischen. ... Die Wände des Damenzimmers sind mit
poliertem Ahornholz verkleidet und haben den Fenstern gegenüber
oval stehende eingebaute Glasschränke. Die Stuckdecke ist
konzentrisch in profilierten Rechtecken gegliedert, in den
Rundnischen in Kreisen. ...“
Golf,
Gastronomie und Gute Stube
Die
Gemeinde Mühltal hat es sich in den siebziger Jahren etwas
kosten lassen, um den Dippelshof mitsamt den ansehnlichen
Ländereien vorübergehend zu erwerben, damit sie Einfluß
auf Erhalt des kulturell und künstlerisch bedeutsamen
Anwesens ausüben konnte. Dieser Einfluß hat verursacht
oder mit dazu beigetragen, daß auf dem Areal des Hofgutes
heute Golf gespielt wird, Reitplätze und 2 Reithallen stehen,
ein (nichtkommerzieller) Angelteich betrieben wird, zwei
gastronomische Betriebe die Tradition als Ausflugsziel
wiederbeleben und erstmals auf dem Dippelshof auch Hotelbetten
bereitstehen.
Die
Geschichte des Dippelshofes
Der
Hof in der Obertraisaer Mark
Nach
alten Quellen bestand im ausgehenden Mittelalter die frühere
Traisaer Gemarkung aus 3 selbständigen Rechtsbezirken,
nämlich Nieder-, Mittel- und Ober-Traisa. Die Ober-Traisaer
Mark umfaßte den heutigen Dippelshof und das ehemals
dazugehörende Ackerland.
In einem Abgabenregister der
Grafen von Katzenellnbogen aus dem Jahre 1315 wurden erstmals 2
Höfe in der Ober-Traisaer Mark erwähnt. 1382 belehnten
sie die Bache von Waschenbach mit zwei Dritteln des Zehnten von
ihrem dortigen Hof. Als das katzenellnbogener Grafengeschlecht
1479 ausstarb, fiel die Obergrafschaft und damit auch die
Ober-Traisaer Mark an die Landgrafschaft Hessen. Um 1540 wird im
Ober-Ramstädter Gerichtsbuch das „Herrenhaus“ zu
Ober-Traisa erwähnt. 1621 tauschte Landgraf Ludwig V von
Hessen-Darmstadt seinen Hof mit 5 weiteren Höfen gegen den
der Gemeinde Ober-Ramstadt eigenen „Spießwald“.
1730 wurde zwischen Nieder-Traisa, Ober-Ramstadt und der
Landgrafschaft ein Vergleich geschlossen, wodurch die
Ober-Traisaer Gemarkung an Nieder-Traisa fiel und der Weidgang
geregelt wurde. Nach der Grenzfestlegung wurde die Gemarkung neu
ausgesteint. Noch in den 1970er Jahren waren Grenzsteine mit der
Markierung OT für Ober-Traisa zu finden – sie sind
inzwischen wohl in Partyräumen von sogenannten
Trophäensammlern verschwunden.
Ein Relikt aus der Zeit
vor dieser Grenzregelung war die Zugehörigkeit der Bewohner
des Dippelshofes zur Evangelischen Kirchengemeinde Ober-Ramstadt.
Ein Leserbrief im Gemeindeblatt des Kirchspiels Nieder-Ramstadt
(zu dem Traisa gehörte) aus dem Jahre 1933 schildert den
Ärger der Menschen im Dippelshof über diesen Zustand:
„.
. . wären die Besitzer mit einer Umpfarrung gern
einverstanden, suchen sie doch ihre kirchlichen Ansprüche in
der . . . zugehörigen Stammgemeinde zu befriedigen. Alle
religiösen Amtshandlungen geschehen von letzterer aus, die
Kinder gehen dort zur Schule, in den Religionsunterricht und zur
Konfirmation, auf ihrem Gottesacker finden verstorbene
Gutszugehörige ihre letzte Ruhe. Schon öfters wurde
versucht, diesen alten Zopf abzuschneiden, der sein Wachstum einem
alten Vertrag von anno Dazumalszeiten gelegentlich Umtausch eines
Waldstücks verdankt . .
.“
Dann
aber täuscht sich der Schreiber – wir schreiben das
Jahr 1 des unglückseligen Heils -, indem er meint, der
Herrgott habe jetzt eine rechte Schere in der Hand, indem das
„neue Deutschland“ solche wohl ehemals berechtigten,
aber inzwischen unsinnigen Zöpfe abschneiden werde.
Tatsächlich hat die „unsinnige“ Zugehörigkeit
des Dippelshofes zur Kirchengemeinde im entfernten Ober-Ramstadt
auch das „neue Deutschland“ überdauert.
Erst
1952 endete der für die „Dippelshöfer“
unbefriedigende Zustand: Traisa war längst groß genug,
um aus dem Kirchspiel Nieder-Ramstadt auszuscheiden und
eigenständige Evangelische Kirchengemeinde zu werden. Mit
diesem amtlichen Akt wurde gleichzeitig der Dippelshof aus der
Ober-Ramstädter Kirche gelöst und der neuen Traisaer
Kirchengemeinde zugeordnet.
Wiederaufbau
durch Joh. Albert Dippel
Lange
Jahre davor, 1634
in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, wurde der
Hof durch die Schweden zerstört.Der jüngste Sohn des
Nieder-Ramstädter Pfarrers Dippel, Johann Albert, erwarb 1710
den verwüsteten Hof und baute ihn wieder auf. Er kam in
Geldschwierigkeiten und verkaufte das Gut mit Haus, Scheuern und
allem Zubehör 1714 an einen Parforcejagd-Bediensteten, der
ihn bald weiter an den Landgrafen veräußerte.
Albert
Dippel wurde und wird – auch in amtlichen Unterlagen –
häufig mit seinem älteren Bruder Johann Conrad
verwechselt, der berühmte Chemiker, Mediziner und Theologe.
Johann Albert Dippel ließ sich als Arzt in Hungen
(Oberhessen) nieder, wo er lange Jahre wirkte. Der von ihm
wiedererbaute Hof wurde in amtlichen Unterlagen auch weiterhin als
Obertraisaer Hof bezeichnet. Erst seit der Neuordnung des Amtes
Darmstadt im Jahre 1783 wurde er auch in den amtlichen
Verzeichnissen „Dippelshof“ genannt.
Der
Hof als freies Gut
1732
erwarb der Darmstädter Kriegsrat Heinrich Christoph Rentz das
Gut. Auf Grund seiner Verdienste gewährte ihm Landgraf Ernst
Ludwig 1735 „auf ewige Tage“ Zehntfreiheit und weitere
Privilegien, wodurch der Wert des Gutes erheblich gesteigert
wurde. Es wurde zum Wertobjekt und wechselte seitdem bis heute 18
Mal den Besitzer.
Unter diesen ist die Mennonitenfamilie
Stähly zu erwähnen, die seit 1808 den Hof
bewirtschaftete und wohl 1811 aus der Konkursmasse des Vorgängers
erwarb. Jakob Stähly betrieb neben der Landwirtschaft
erstmals auf dem Hof eine Gaststätte, die sich bald eines
besonderen Rufes erfreute und ein bevorzugtes Ausflugsziel der
Darmstädter wurde.
Ernst E. Niebergall hat dies im
„Datterich“ festgehalten, indem er diesen sagen
läßt:
„Meine
Herrn, ich stimm davor, daß mer noch e bißje ufs
Dippelshof geht.“
Nach
Jakob Stählys Tod führte seine Witwe die Gaststätte
weiter. Sie übergab Hof und Gaststätte 1842 an ihren
Sohn Jakob, der die Liegenschaft 1862 verkaufte. Die Gaststätte
wurde von den wechselnden Nachfolgern teils mit Unterbrechungen
weitergeführt, verlor aber ihren Ruf als Ausflugsziel. 1890
wurde der Gaststättenbetrieb endgültig eingestellt.
Die
Ära Bullrich
Nachhaltig
geprägt wurde der Hof durch Oberstleutnant Friedrich Wilhelm
Bullrich aus Herrnstadt (Schlesien). Er erwarb 1898 den Hof als
Familiensitz und sorgte für einen standesgemäßen
Ausbau. In diesem Zusammenhang wurde der Jugendstil-Anbau an der
Nordwestseite des Wohngebäudes nach Plänen von Prof.
Körner, seit 1911 Mitglied der Darmstädter
Künstlerkolonie, um 1912 errichtet. Im Erdgeschoß
entstand ein Musiksaal, der sogenannte „Blaue Saal“,
ein Kleinod des späten Darmstädter Jugendstils, darüber
Wohnräume unter Einbeziehung der bereits vorhandenen Räume
im angrenzenden 1. und 2. Stockwerk.
Der Anbau und die
Wohnräume wurden alle von Mitgliedern der Darmstädter
Künstlerkolonie gestaltet und ausgestattet. Leider sind die
Decke, die die Inneneinrichtung und der Intarsienboden 1953 bei
einem Wasserrohrbruch stark beschädigt worden. Erhalten, wenn
auch schwer beschädigt, blieb das Wandgemälde von Johann
Vincenz Cissarz „Drei Frauen am Meer“ und die
Reliefplastik von Bernhard Hoetger „Drei Amazonen“
sowie die schönen Marmorintarsien an den Wänden,
Blumengebinde darstellend.
Friedrich W. Bullrich starb 1926
und wurde im Bereich des Hofes auf dem Privatfriedhof beigesetzt.
Seine Frau folgte 1934. Neben dem Grabmahl der Eheleute Bullrich
befinden sich die Gedenksteine für deren im Ersten Weltkrieg
gefallenen Söhne, Hauptmann Wilhelm Bullrich (gef. 1914) und
Oberleutnant zur See Ernst Bullrich (untergegangen mit dem U-Boot
61).
Der Hof erlebte nach dem Tod Friedrich W. Bullrichs
einen wirtschaftlichen Niedergang, blieb aber bis 1956 im Besitz
der Familie. Er wurde von der Nassauischen Siedlungsgesellschaft
erworben.
Der
Dippelshof heute
Die
Nassauische Siedlungsgesellschaft verkaufte 1958 den Hof an den
Bauer Hardt aus Kelsterbach am Main, der dort wegen des Baues der
Raffinerie aussiedeln mußte. Dessen Sohn Heinrich versuchte
die Gaststätten-Tradition wieder aufleben zu lassen und
richtete im Haupthaus eine kleine Schänke ein, in die er auch
den Blauen Saal nach einer einfachen, leider aber nicht
fachgerechten Restaurierung einbezog. Doch bereits 1978 verkaufte
er das Anwesen an die Gemeinde Mühltal.
Derzeitiger
Besitzer ist die Planungsgesellschaft Weber und Partner (Mühltal),
die das heruntergekommene Anwesen 1993 für eine neue
wirtschaftliche Nutzung erwarb und gründlich instandsetzte.
Das Hauptgebäude blieb in seiner Substanz erhalten; es wurde
außen von Grund auf renoviert. Der Blaue Saal wurde unter
Beachtung von Auflagen der Denkmalpflege rekonstruiert. Die
Nebengebäude, Scheune und Ställe wurden von Grund auf
erneuert und in eine Eigentumswohnanlage, die sich dem Hauptgebäue
anschließt, umgewandelt.
Im Hauptgebäude wurde
ein Hotel-Restaurant eingerichtet, das den Blauen Saal
einschließt. In den oberen Stockwerken sind die
Fremdenzimmer entstanden. Daneben gibt es auch noch drei
Tagungsräume verschiedener Größe. Der sich an das
Hauptgebäude anschließende kleine Park wurde
hergerichtet, durch den der Zugang zum Hotel-Restaurant über
eine Terrasse, die auch als Freisitz genutzt wird, führt. Am
17. September 1997 wurde das Haus in einer schlichten
Eröffnungsfeier seiner Bestimmung übergeben.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg gab es auch im Bereich der ehemaligen
Wirtschaftsflächen beachtliche Veränderungen.
Dippelshofsweg und Alte Dieburger Straße wurden durch eine
neue Straße verbunden, an der 2 Wohnhäuser erbaut
wurden. Weiter erfolgte die Errichtung einer privaten Reithalle.
Der Anglerverein Traisa erbaute am Dippelshof-Teich ein
Vereinsheim.
Das restliche Dippelshof-Feld wurde vom
Golfclub Darmstadt-Traisa erworben und in einen Golfplatz
umgewandelt. Er erwarb auch einen Teil der ehemaligen Nebengebäude
und errichtete dort ein Klubhaus mit Gaststätte. Ein privater
Investor sorgte für eine vorbildliche Sanierung des
Herrenhauses im Sinne des Denkmalschutzes einschließlich der
Jugendstilräume. Die Gemeinde Mühltal verbesserte die
Verkehrsanbindung mit einer neuen Zufahrtsstraße über
das Gewerbegebiet Gänsäcker und mit einem befestigten
Parkplatz.
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Karl
Dehnert


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Mehr
über den berühmten Chemiker, Mediziner und Theologen
Johann Conrad Dippel, den Bruder von Johann Albert Dippel, des
Wieder-Erbauers des Dippelshofes:

Mehr
über Friedrich Wilhelm Bullrich:



Das
Herrenhaus von Osten

und
won Westen

Der
Blaue Saal

Gastronomie
und Golf

Erholen,
Angeln, Reiten

Aufnahmen
aus den 1930er Jahren aus
der Sammlung von Elfi Weich:

Ausschnitt
aus einer
Ansichtspostkarte





Obstanbau

Obstlese mit
Saisonkräften zumeist aus dem Vogelsberg
(Fuldaer“)

Vermutlich
Erntedankfest 1934: Was aus einem Apfel Gutes werden
kann:: „1934er Dippelshöfer Sandbuckel“
(Apfelwein)

Trauerfeier
im Blauen Saal 1934 (Ableben der Frau
Bullrich?)

Privatfriedhof
Bullrich im Wald am Dippelshof (nach Ableben der Frau Bullrich
1934?)


Johann
Conrad Susemihl 1816 (Ausschnitt)

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