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Die
„Krone“ - Gasthaus, Vereinslokal, Einzelhandel
Nach
der 1900er Jahrhundertwende, in wirtschaftlich günstiger Lage
im ganzen Reich, nahm die Einwohnerzahl von Waschenbach zu,
Familien wollten sich aus engen Wohnverhältnissen lösen,
neue Häuser wurden gebaut. Der
alte Ortskern war bereits dicht besiedelt, die noch vorhandenen
Flächen wurden meist als Hausgarten genutzt. Ein Ausweg bot
die Kreisstraße, die bis 1900 unbebaut war.
Das
Stammhaus der vielköpfigen Familie Adam in der Ortsstraße
17 platzte sicherlich aus allen Nähten. Mit ihrer Heirat
mussten die Kinder wohl oder übel das Haus verlassen. In der
Kreisstraße boten sich Entwicklungsmöglichkeiten. Den
Anfang machte Peter Adam (1875 – 1953). Unterstützt
durch eine Mitgift seiner Frau Margarethe von 60.000,- Goldmark
baute er 1903 die Krone (Zum Vergleich: Die Kosten des 1908
errichteten Schulhauses beliefen sich auf etwa 18.000,- Mark!). In
seinem Beruf als Kupferschmidt, als der er zunächst in der
Fa. Merck gearbeitet hatte, wäre diese Investition sicher
nicht möglich gewesen. Architekt war sein Bruder Georg, der
als Bautechniker ebenfalls der Fa. Merck angehörte, und der
sich wenige Jahre später in der Kreisstraße 8
ansiedelte.
Das neue Lokal musste sich der Konkurrenz
durch die eingesessenen Gasthäuser „Zum Odenwald“
und „Christoph Schneider“ stellen. Unter anderem
versuchte es, über die Vereine ins Geschäft zu kommen.
So trat z.B. Peter Adam am 1.7.1911 in den neu gegründeten
Turnverein ein, womit die Krone auch in den Sitzungszyklus des
Vereins aufgenommen wurde. Am 23.6.1912 veranstaltete die Krone
den Festball zum 25jährigen Jubiläum des Gesangvereins
Sängerlust Waschenbach. Ab 1934 wurde die Krone ständiges
Vereinslokal des Turnvereins, nachdem dessen Vorsitzender Lehrer
Knecht mit seinen engen Beziehungen zum Gasthaus Christoph
Schneider gestorben war.
Die 1930er Jahre gehörten zu
den Glanzzeiten des Gasthauses, als es durch den Turnverein zu
einem kulturellen Mittelpunkt des Orts gemacht wurde. Auch nach
dem 2. Weltkrieg blieb die Krone zunächst Vereinslokal des
Turnvereins. Im Saal fanden regelmäßig die
Übungsstunden statt, sogar ein Reck konnte aufgebaut werden.
Viele Theateraufführungen, Bälle und Bunte Abende wurden
veranstaltet.
1953 wurde die Krone verkauft. Peter Adam mit
der Tochter Margarethe konnten sie nicht mehr halten. Auf der
anschließenden Urlaubsfahrt mit dem neu erworbenen Mercedes
verunglückte die gesamte Familie bei Pforzheim tödlich:
Peter Adam, Margarethe Schneider und ihr Lebenspartner sowie die
Kinder Heinz und Jürgen.
Käufer des Komplexes
waren Auguste (1920 – 1977) und August Jacobs (1916 –
1999). Das Elternhaus von August Jacobs, einem gelernter Kaufmann,
stand in Saarbrücken. Während des Kriegs kam er als
Soldat in Eberstadt vorbei, wo er Auguste May kennenlernte und
1942 heiratete. Sie stammte aus der Zwiebackfabrik Pauly. Aus der
Gaststätte wurde ein Lebensmittelgeschäft, aus dem Saal
eine Wohnung.
Die Kinder der Jacobs’ blieben eng mit
Waschenbach verbunden. Die Tochter Sigrid *1944 ∞ Heinz
Schuchmann *1938 ist vielfältig in den Vereinen aktiv, der
Sohn Heinz Jacobs *1955 ∞ Ute Klenk *1956 lebt zwar in
Asbach, versäumt aber kaum eine Gelegenheit, in seinem
Geburtsort „neue Kraft zu tanken“. Die Familie Jacobs
blieb in der Krone bis 1965, verkaufte sie dann an die Familie
Sierra, er ein Spanier, sie eine geborene Lind aus der ehemaligen
Bäckerei in Nieder-Beerbach.
1974 ging das Anwesen
auf Erika Köhler (1935 – 1988) über, die zusammen
mit Berthold Frink *1928 die Gaststätte wieder eröffnete.
Berthold Frink ist in Nieder-Hadamar geboren und aufgewachsen.
Durch seine Tätigkeit für die Straßenbaufirma
Scheid kam er in unseren Ort, wo er sich zu einer bekannten
Persönlichkeit entwickelt hat. Bei der Sponsorensuche für
den Hallenbau des Turnvereins leisteten beide wertvolle Dienste,
die Krone wurde zu einem Ort phantasiereicher Geldbeschaffung.
Berthold selbst war jahrzehntelang strenger Kassenwart des
Turnvereins. Heute wird die Gaststätte von Beate Jung, geb.
Köhler betrieben, deren „gute Seele“ aber nach
wie vor Berthold Frink ist.
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Autor: Dr.
Heinz Schuchmann



Inschrift
am Hintereingang der Krone: Bauherr und Baujahr

Eine
der ersten Aufnahmen der Krone, noch unverputzt.

Die
Krone, wie sie bis in die 1950er Jahre aussah.
Beide
Aufnahmen zeigen eine verblüffende Ähnlichkeit der Krone
mit dem ehemaligen
Postamt
in Nieder-Ramstadt, wie ein Bild von Volker Teutschländer in
der lokalen Presse vom Februar 2010 zeigt. Das Postamt wurde 1898
von Philipp und Peter Bayer gebaut.
Ob
die Bayers auch bei der Krone ihre Hände im Spiel hatten?

Die
Krone 1956 mit altem Hoftor und neuem Blumenfenster ohne
den Anbau der heutigen Gastwirtschaft
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