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Geschichte Waschenbach

Stand: 15.10.2011

 

 

 


 

Die „Krone“ - Gasthaus, Vereinslokal, Einzelhandel

Nach der 1900er Jahrhundertwende, in wirtschaftlich günstiger Lage im ganzen Reich, nahm die Einwohnerzahl von Waschenbach zu, Familien wollten sich aus engen Wohnverhältnissen lösen, neue Häuser wurden gebaut.
Der alte Ortskern war bereits dicht besiedelt, die noch vorhandenen Flächen wurden meist als Hausgarten genutzt. Ein Ausweg bot die Kreisstraße, die bis 1900 unbebaut war.

Das Stammhaus der vielköpfigen Familie Adam in der Ortsstraße 17 platzte sicherlich aus allen Nähten. Mit ihrer Heirat mussten die Kinder wohl oder übel das Haus verlassen. In der Kreisstraße boten sich Entwicklungsmöglichkeiten. Den Anfang machte Peter Adam (1875 – 1953). Unterstützt durch eine Mitgift seiner Frau Margarethe von 60.000,- Goldmark baute er 1903 die Krone (Zum Vergleich: Die Kosten des 1908 errichteten Schulhauses beliefen sich auf etwa 18.000,- Mark!). In seinem Beruf als Kupferschmidt, als der er zunächst in der Fa. Merck gearbeitet hatte, wäre diese Investition sicher nicht möglich gewesen. Architekt war sein Bruder Georg, der als Bautechniker ebenfalls der Fa. Merck angehörte, und der sich wenige Jahre später in der Kreisstraße 8 ansiedelte.

Das neue Lokal musste sich der Konkurrenz durch die eingesessenen Gasthäuser „Zum Odenwald“ und „Christoph Schneider“ stellen. Unter anderem versuchte es, über die Vereine ins Geschäft zu kommen. So trat z.B. Peter Adam am 1.7.1911 in den neu gegründeten Turnverein ein, womit die Krone auch in den Sitzungszyklus des Vereins aufgenommen wurde. Am 23.6.1912 veranstaltete die Krone den Festball zum 25jährigen Jubiläum des Gesangvereins Sängerlust Waschenbach. Ab 1934 wurde die Krone ständiges Vereinslokal des Turnvereins, nachdem dessen Vorsitzender Lehrer Knecht mit seinen engen Beziehungen zum Gasthaus Christoph Schneider gestorben war.

Die 1930er Jahre gehörten zu den Glanzzeiten des Gasthauses, als es durch den Turnverein zu einem kulturellen Mittelpunkt des Orts gemacht wurde. Auch nach dem 2. Weltkrieg blieb die Krone zunächst Vereinslokal des Turnvereins. Im Saal fanden regelmäßig die Übungsstunden statt, sogar ein Reck konnte aufgebaut werden. Viele Theateraufführungen, Bälle und Bunte Abende wurden veranstaltet.

1953 wurde die Krone verkauft. Peter Adam mit der Tochter Margarethe konnten sie nicht mehr halten. Auf der anschließenden Urlaubsfahrt mit dem neu erworbenen Mercedes verunglückte die gesamte Familie bei Pforzheim tödlich: Peter Adam, Margarethe Schneider und ihr Lebenspartner sowie die Kinder Heinz und Jürgen.

Käufer des Komplexes waren Auguste (1920 – 1977) und August Jacobs (1916 – 1999). Das Elternhaus von August Jacobs, einem gelernter Kaufmann, stand in Saarbrücken. Während des Kriegs kam er als Soldat in Eberstadt vorbei, wo er Auguste May kennenlernte und 1942 heiratete. Sie stammte aus der Zwiebackfabrik Pauly. Aus der Gaststätte wurde ein Lebensmittelgeschäft, aus dem Saal eine Wohnung.

Die Kinder der Jacobs’ blieben eng mit Waschenbach verbunden. Die Tochter Sigrid *1944 ∞ Heinz Schuchmann *1938 ist vielfältig in den Vereinen aktiv, der Sohn Heinz Jacobs *1955 ∞ Ute Klenk *1956 lebt zwar in Asbach, versäumt aber kaum eine Gelegenheit, in seinem Geburtsort „neue Kraft zu tanken“. Die Familie Jacobs blieb in der Krone bis 1965, verkaufte sie dann an die Familie Sierra, er ein Spanier, sie eine geborene Lind aus der ehemaligen Bäckerei in Nieder-Beerbach.

1974 ging das Anwesen auf Erika Köhler (1935 – 1988) über, die zusammen mit Berthold Frink *1928 die Gaststätte wieder eröffnete. Berthold Frink ist in Nieder-Hadamar geboren und aufgewachsen. Durch seine Tätigkeit für die Straßenbaufirma Scheid kam er in unseren Ort, wo er sich zu einer bekannten Persönlichkeit entwickelt hat. Bei der Sponsorensuche für den Hallenbau des Turnvereins leisteten beide wertvolle Dienste, die Krone wurde zu einem Ort phantasiereicher Geldbeschaffung. Berthold selbst war jahrzehntelang strenger Kassenwart des Turnvereins. Heute wird die Gaststätte von Beate Jung, geb. Köhler betrieben, deren „gute Seele“ aber nach wie vor Berthold Frink ist.

Autor:
Dr. Heinz Schuchmann







Inschrift am Hintereingang der Krone:
Bauherr und Baujahr



Eine der ersten Aufnahmen der Krone, noch unverputzt.



Die Krone, wie sie bis in die 1950er Jahre aussah.

Beide Aufnahmen zeigen eine verblüffende Ähnlichkeit der Krone mit dem ehemaligen

Postamt in Nieder-Ramstadt, wie ein Bild von Volker Teutschländer in der lokalen Presse vom Februar 2010 zeigt. Das Postamt wurde 1898 von Philipp und Peter Bayer gebaut.

Ob die Bayers auch bei der Krone ihre Hände im Spiel hatten?



Die Krone 1956 mit altem Hoftor und neuem Blumenfenster
ohne den Anbau der heutigen Gastwirtschaft