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Stand: 12.07.2011

 

 

. Geschichte

Geschichte Waschenbach

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Die Schule

Mit Beginn des 19. Jh. hatte sich die Gemeinde von den hohen Kriegskosten erholt. Man konnte an dringende zivile Investitionen denken. Dazu zählte vor allem der Bau der ersten Schule von Waschenbach. Bisher mussten die Kinder nach Nieder-Ramstadt zur Schule gehen, was vermutlich öfters mit Strapazen verbunden war. In den Aufzeichnungen heißt es:

Der Vicinalweg war so schlecht; die Leute mußten oben am Rain gehen“.

(Vicinalweg wurde die Verbindung zwischen benachbarten Gemeinden genannt wegen „vicinus“ = benachbart). 1799 schrieb der Nieder-Ramstädter Pfarrer Vietor:

Durch schlechten Schulbesuch im Winter konnten die Kinder bei der Konfirmation kaum das Vaterunser“.

Erleichtert wurde das Schülerleben, als wenigstens im Winter ein Lehrer in das Dorf kam. Die Gemeinde mußte dafür aufkommen. So war z.B. 1805 ein Bett für den Waschenbacher Winterschullehrer zu zahlen: 13 Gulden und 23 Kreuzer!

Das erste Schulhaus wurde 1807 gebaut, eingeweiht vermutlich 1808. Das Gebäude steht noch heute in der Mühlbergstraße 2 und ist im Besitz einer türkischen Familie. Zwischen 1819 und 1820 wurden bereits Umbaumaßnahmen durchgeführt. So kam z.B. der Turm mit Wetterfahne hinzu. Dazu musste die Gemeinde bei dem Frankenhäuser Adam Poth 700 Gulden aufnehmen. 1895 wurde ein Nebenhaus gebaut, nachdem die Gemeinde einen Teil des Gartens von Peter Walter (Mühlbergstraße 4) erworben hatte. 1896 schließlich wurde das Ganze abgerundet durch ein Spritzenhaus „mit Aborte, Pissoir und Schuppen für 487,- Mark“.

Der erste Lehrer bis 1814 war Johann Philipp Poth. Er war wohl kein enger Verwandter der Hofgutbesitzer, denn in der direkten Linie des Poth-Stammbaums ist dieser Name im betreffenden Zeitraum nicht aufgeführt. Ab 1827 sind weitere Namen bekannt:

Heinrich Winter 1827 – 1830,
Ernst Winter 1830 – 1839 (1838 Jahreslohn 170 Gulden),
Jakob Brumbach 1839 – 1840,
Ernst Edelmann 1840 – 1842,
Daniel Schüttling 1842 – 1846,
Georg Bugmann 1846 – 1848,
Johannes Weber 1848 – 1851. Johannes (Johann Jakob) Weber (1824-1905) war anschließend von 1854 bis 1892 ein beliebter Lehrer in Hochstädten bei Bensheim. Seine beiden Söhne waren echte Waschenbacher: Wendel Jakob *1848, Karl August *1850.

Möglicherweise wurden mit seinem Einzug im Jahr 1848 Renovierungsarbeiten am Schulhaus vorgenommen. Im Rechnungsbuch der Gemeinde ist vermerkt:

Joh. Krauß Reparatur Schornstein und Schweinestall 48 Kreuzer,
300 Backsteine zum Belegen der Küche 3 Gulden
Johannes Vierheller 1851 – 1852
Philipp Boßler 1852 – 1857
Daniel Mahr 1857 – 1860
Friedrich Bock 1860 – 1864
Friedrich Alt 1864 – 1869
Wenzel 1869 – 1874
Trautmann 1874 – 1875
Werner 1875 – 1877
Christoph Maser 1877 – 1886

Die folgenden Lehrer sind etwas weniger „anonym“ als ihre Vorgänger, da sie bis auf eine Ausnahme über ihre Lehrertätigkeit weitere Spuren im Ort hinterlassen haben, vor allem als Dirigenten des 1887 gegründeten Gesangvereins Sängerlust Waschenbach.

Karl Rauch 1886 – 1887

Er war Mitbegründer des Gesangvereins, wahrscheinlich eine Triebfeder, und sein erster Dirigent. Wie für viele seiner Vorgänger war auch für ihn Waschenbach trotzdem nur eine Übergangsstation; er wurde nach Eschollbrücken versetzt. Die Verbindung riss nicht ab, denn zum 25jährigen Jubiläum des Gesangvereins wurde er zum Ehrendirigenten ernannt.

Ludwig Kolb 1887 – 1894
Adam Leonhardt 1894 – 1895

Georg Lortz 1895 – 1903

Er stammte aus Klein-Bieberau. 1895 ist er auch im Huldigungsregister der Gemeinde aufgeführt. Seine Schwester war Katharina Vetter, deren Tochter Friederike den Ortsbürger Peter Wembacher III heiratete (Ortsstraße 29). Lehrer Lortz wurde nach Nieder-Ramstadt versetzt, wo er den dortigen Gesangverein Harmonie bereits ab 1901 dirigiert hatte. In Waschenbach hat er noch für einige Monate „Aushilfe“ geleistet, weil sein Nachfolger als Lehrer, Martin Sames 1903 – 1904, kein Dirigent war. Im Jahr 1898 wurden 55 Kinder gezählt.

Ab 1904 kam Philipp Karl Knecht.

Er blieb 30 Jahre Lehrer in Waschenbach. In dieser Zeit prägte er das Dorf.

Das Schulhaus

Zu Beginn des 20. Jh. kam es in mehreren Nachbarorten zu Schulhausneubauten. Es wurde in Bildung investiert, oft waren auch die bestehenden Gebäude nicht mehr auf dem Stand der Zeit. Diesem Missstand sollte von höherer Stelle abgeholfen werden. Es gab um die Jahrhundertwende ein Programm „Volksschulen – Für Unterstützung von Gemeinden in Schulbauten“. Daraus wurde Waschenbach tatsächlich bereits im Jahr 1900 von der Großherzoglichen Hauptkasse ein Betrag von 1000,- Mark zugewiesen.

Der schlechte Zustand der alten Schule wurde der Gemeinde sehr eindringlich in einem Inspektionsbericht vom 8.5.1903 des Großherzoglichen Kreisamts bestätigt. Darin heißt es:

Bei der durch den Großherzoglichen Schulinspektor vorgenommenen Inspektion der Schule in Waschenbach hat sich ergeben, daß

1. Der Schulsaal sehr dunkel ist und …. Geweißt werden muß
2. Der Boden … geölt werden muß
3. Die Subsellien (Schulbänke mit schräger Schreibplatte) ganz ungenügend sind und allmählich durch Patentbänke aus einer guten Schulbankfabrik ersetzt werden müssen.
4. Die Schultafeln gestrichen werden müssen
5. Fast keine Lehrmittel vorhanden sind
6. Die Reinigung eine mangelhafte ist
7. An der Lehrerwohnung ein Zimmer fehlt“

Die Gemeinde wurde aktiv. Bereits 1904 sind Vorplanungen für ein neues Schulhaus gemacht worden. 1908 wurde dieses in erstaunlich kurzer Zeit errichtet.Schon einige Jahre hatte es sich abgezeichnet, dass die alte Schule in der Ortsmitte nicht mehr geeignet war. Im Rahmen eines Schulhausneubauprogramms kam Waschenbach 1908 mit einem Neubau an die Reihe. Vom Kreisstraßenbaumeister Weber wurde ein Entwurf gemacht. Dieser enthält auch eine überschlägige Kostenrechnung:

Bei 1350 cbm umbautem Raum und einem Richtwert von 13,50 Mark/cbm rechnete er mit Baukosten von 18.000,- Mark. Die Ausschreibung wurde in verschiedenen Medien vorgenommen, z.B. im Darmstädter Tageblatt. Dem Text entnehmen wir den Umfang der Baumaßnahmen:

1 Neubau eines einklassigen Schulgebäudes mit Lehrerwohnung
2 Abortanlage (diese wurde in den 1970er Jahren mit dem Bau des Feuerwehrgerätehauses wieder abgerissen)
3 Hofanlage und Einfriedigung
4 Wasserversorgung

Die Arbeiten gingen in einem erstaunlichen Tempo vonstatten. Für einige Ortsbürger war der Bau eine kleine „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“. So kam der Gastwirt Johannes Wembacher IV mit Schreinerarbeiten zum Zuge. Auch Mobiliar wurde von ihm geliefert. Er erhielt 155,52 Mark. Die Familie Brückmann wurde für verschiedene Dienstleistungen eingesetzt. So z.B. verdienten sich Peter bei „Handarbeiten“ 10,80 Mark, seine Frau Margarethe und die Schwiegermutter Auguste Bauer bei Reinigungsarbeiten 36,13 Mark. Ludwig Harnischfeger II erhielt für die Anfuhr der Glocke 4,- Mark.

Auch Handwerker aus Nachbarorten waren eingesetzt. Es verdienten sich Adam Thomas, Frankenhausen für Grundbausteine und Geröll 81,90 Mark, Johannes Keller III, Frankenhausen für Schreinerarbeiten 168,30 Mark, Wilhelm Ross, Nieder-Ramstadt für Anfahren von Steinen 63,40 Mark, Sebastian Bender, Nieder-Ramstadt für Spenglerarbeiten 51,30 Mark, Karl Müller, Ober-Ramstadt für Dachdeckerarbeiten 842,20 Mark.

Die Einladung vom 27. Oktober 1908 zur Einweihung an den Planer Kreisstraßenbaumeister Weber durch Bürgermeister Appel ist erhalten geblieben. Der Einladungstext lautet:

Hierdurch benachrichtigen wir Sie ergebenst, daß die Einweihung des neu erbauten Schulhauses der Gemeinde Waschenbach am Sonntag dem ersten November d.J. Nachmittags präzis drei Uhr stattfinden soll. Zu dieser Feierlichkeit laden wir Sie im Auftrag des Ortsvorstandes für Waschenbach freundlichst ein und bitten um Ihr Erscheinen.
Großherzogliche Bürgermeisterei Nieder-Ramstadt mit Waschenbach
Appel“

Auch nach der Bauphase war die Schule weiterhin Arbeitgeber. Peter Brückmann und Peter Kindinger wurden als Beschäftigte geführt. Der erste läutete regelmäßig die Glocken bei Schulbeginn, beim 11-Uhr-Geläut und bei Beerdigungen. Peter Kindinger war für die Reinigung des Schulhauses und des Schulhofs zuständig. 1913/14 kam es bereits zu ersten Reparaturmaßnahmen. Dafür erhielten Maurermeister Bernhardt aus Nieder-Ramstadt 43,25 Mark und Weißbindermeister Wendel Knell aus Frankenhausen 176,60 Mark.

Lehrer Philipp Karl Knecht

Der Neubau der Schule war begleitet worden von Lehrer Philipp Karl Knecht (1879 – 1934). Man kann davon ausgehen, dass er bereits in die Planung mit einbezogen war, mindestens was die Lehrerwohnung anging. Von 1904 bis zu seinem Tod konnte er die Wohnung genießen. Seine erste Frau Lina, Tochter eines Försters, kam aus Erfelden. Von den drei Töchtern starb die erste früh, die beiden anderen wuchsen unter Waschenbacher Kindern auf. Emmi, die jüngere, heiratete Karl Schuchmann aus Nieder-Modau („Schulkarl“). Die Tochter Lienchen wird durch ihre Heirat mit Adam Römer aus Reisen zur Schwägerin von Philipp Schneider II, dem späteren Wirt des Gasthauses Christoph Schneider. Kein Wunder, dass Lehrer Knecht dort gerne seinen Schoppen trank.

Zu seiner Zeit lief in Waschenbach vermutlich wenig ohne Lehrer Knecht. Seine Aktivitäten in Gesang- und Turnverein sind fast beispiellos. Nach dem 1. Weltkrieg war er auch Gründer des Kohlen- und Sparvereins. Natürlich ist auch die Gemeindepolitik nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Am 1.6.1919 kandidiert Knecht für den Gemeinderat und wurde auch gewählt. Möglicherweise war er auch dafür verantwortlich, dass Waschenbach von da an einen eigenen Bürgermeister hatte. 1919 wurde der erste Waschenbacher Bürgermeister gewählt. Man kann vermuten, dass Knecht mit seinem Einfluss die Gemeindevertreter davon überzeugt hatte, sich für seinen Verwandten und „Spezi“ Philipp Schneider II zu entscheiden. Noch 1933 kandidierte er nochmals erfolgreich für den Gemeinderat. Dass dies auf der Liste der NSDAP geschah, zeugt mindestens von einer etwas unkritischen Haltung Knechts.

Nach dem Tod seiner ersten Frau hat er ein zweites Mal geheiratet, Emmi aus Bad-Wimpfen. Er starb am 14. Dezember 1934 mit nur 55 Jahren. An seinem Grab wurde ein Ehrensalut geschossen. Die Gemeinde legte einen Kranz nieder.

Die Lehrer nach Knecht

Nach dem Tod von Lehrer Knecht konnte die Stelle nicht sofort mit einem hauptamtlichen Lehrer besetzt werden. Als Aushilfe sprang Philipp Knell aus Frankenhausen ein, Bruder des Weißbindermeisters Georg Knell, der das Studium gerade beendet hatte. Schon vor Knechts Ableben hatte er 1934 oft dessen Vertretung übernommen. Er legte in Waschenbach sein 2. Staatsexamen ab. In den 1970er Jahren hat er es bis zum Professor an der Fachhochschule Darmstadt gebracht.

Nach Knell kam etwa für das Jahr 1935 Lehrer Karl Hans Bernd. Er war ein anderer Typ als Knecht und Knell. Eine seiner Schülerinnen, Kuni Meißner, geb. Dieter (Tochter von Georg V aus der Alleestraße 17) erinnert sich:

Lehrer Bernd war streng. Wir mußten viel lernen, vor allem aus der Biblischen Geschichte, und viele Lieder singen“.

In die Dorfgemeinschaft wollte er sich durchaus einbringen. Sogar im Protokoll des Turnvereins vom 25.5.1935 ist er erwähnt:

Wembacher Hermann wurde wegen Krankheit als Kinderturnwart entbunden und Lehrer Bernd(t) hierfür ernannt“.

Lehrer Bernd wohnte im Nebenhaus des Hofguts bei Familie Poth (Ortsstraße 38). Die Wohnung im Schulhaus war noch durch die Familie Knecht belegt.

Von 1935 bis 1939 folgte mit Heinrich Sehnert ein Lehrer, der ähnlich Knecht bleibende Spuren hinterließ. Er stammte aus Schaafheim, seine Mutter war eine geborene Krautwurst, verwandt mit Fritz Krautwurst hier in Waschenbach. Geboren wurde er etwa 1912. Viele ältere Waschenbacher schildern Sehnert als engagierten und sehr fähigen Lehrer, einige sehen seine enge Verbundenheit zu dem herrschenden System etwas kritisch.

Außerhalb der Schule hat er sich vor allem in den Turnverein und in die Gemeindepolitik eingebracht. Er war Vorsitzender des Turnvereins ab Anfang 1937 bis zu Beginn des Krieges. Das Theaterspielen und das Singen wurde von ihm gefördert. 1938 bis Mitte 1939 war er auch 2. Beigeordneter in der Gemeinde. Danach wurde er schon vor Kriegsbeginn zur Luftwaffe eingezogen, so dass Aushilfslehrer einspringen mussten. Als Lehrer kam er nicht mehr nach Waschenbach zurück. Nach dem Krieg und einem kurzen Gastspiel in Frankenhausen war er einige Jahre Lehrer in Neutsch. In den 1950er Jahren erhielt er eine Berufung an das Pädagogische Institut in Jugenheim, das später in den Fachbereich Sozialpädagogik der damaligen Fachhochschule Darmstadt überging. Dort wurde Sehnert Professor. Mit Landrat Wink reiste er in diesen Jahren auch in die USA, um Eindrücke zu sammeln für die Errichtung des Schuldorfs Bergstraße. Darüber hielt er im neugebauten Saal des Waschenbacher Hofs 1953/54 sogar einen Vortrag in Waschenbach.

Sein letzter Wohnsitz war Seeheim-Jugenheim. Eines seiner Hobbys war die Heimatforschung. Sogar ein Buch hat er geschrieben über Sitten und Bräuche im vorderen Odenwald.

Nach der Einberufung von Sehnert wurden die Waschenbacher Schüler einigen „Wechselbädern“ ausgesetzt: Es kam zu vielen Vertretungen, Unterrichtsausfällen und „fliegenden Klassen“. Schon bei Wehrübungen von Sehnert war Lehrer Fuhr öfters eingesprungen. Waschenbacher Schüler jener Zeit erinnern sich an weitere Namen: Die Lehrerinnen Hasenrück, Mandel oder Schlupdiebier, die Lehrer Bauer, Falter, Lautenschläger und Ott. Teilweise wohnten die Vertretungen im Ort, z.B. Fräulein Mandel und Lehrer Fuhr bei Kaffenbergers in der Alleestraße 5. Einige sind täglich angereist und wurden mittags im Ort verköstigt, wie z.B. Fräulein Schlupdiebier von Familie Christoph Müller in der Kreisstraße 5. Manchmal stand keine Vertretung zur Verfügung. Dann konnte es vorkommen, dass die Schüler nach Nieder-Ramstadt in den Unterricht mussten. Dies waren die „fliegenden Klassen“. Günstigstenfalls für die Schüler ist der Unterricht ausgefallen.

Die Lehrer nach dem 2. Weltkrieg

Es dauerte nach dem Kriegsende noch über ein Jahr, bis auch für die Schüler in Waschenbach die zerrissenen Zeiten vorüber waren, weil wieder Lehrer in Waschenbach Einzug gehalten hatten. Bis zur Auflösung der Waschenbacher Schule im Jahr 1970 unterrichteten noch vier Lehrer:

Hans Günther
Kurt Wedel
Karl Heinz Ihrig
Gustav Merz

In einer Einwohnerliste der Ortsbürger von 1946/47 ist auch das Ehepaar Günther aufgeführt. Es ist am 29.10.1946 in die Schule eingezogen. Möglicherweise hat Hans Günther schon vorher seinen Dienst in Waschenbach angetreten. Die Wohnung war aber noch kurze Zeit belegt mit der Vorgängerfamilie Sehnert. Lehrer Günther war zu kurz im Ort, um tiefere Spuren hinterlassen zu können. Immerhin ist er im Protokollbuch des Turnvereins vermerkt. Bei der „Generalversammlung“ am 28.2.1947 trat er gleich mehrfach in Erscheinung: Er regte die Gründung einer Schachabteilung an, die dann auch von ihm geleitet werden sollte. Um die Bemühungen für einen Sportplatz auf dem heutigen Steinbruchgelände am Kastenwald zu verstärken, schlug er eine Unterschriftensammlung vor. Gleichzeitig stellte er sich dem Ausschuss zur Verfügung, der diese Aktion weiter verfolgen sollte (mit Heinrich Schneider und Justus Bezold).

Im Schulsport wurde bei ihm sogar geboxt. Die Boxhandschuhe waren ein Geschenk der Amerikaner. Mit älteren Schülern trainierte Lehrer Günther persönlich. Bei Wilfried Roßmann (Kreisstraße 6), einem großen kräftigen Burschen, holte er sich eine blutige Nase.

Die Familie Günther verließ Waschenbach im Frühjahr 1947. Ihr unruhiges Leben setzte sich fort. Stationen waren Oberhessen und Heppenheim. Später fanden sie einen Fixpunkt in Trautheim. Sie machten ihr Haus zu einem internationalen Begegnungsort, nahmen an Atomgegnermärschen teil, engagierten sich für „Frieden schaffen ohne Waffen“ und für „Menschen für Menschen“.

Kurt Wedel (1916 – 1982)

stammte aus Nieder-Ramstadt, seine Frau Ruth (1918 – 2002, geb. Wissenbach) holte er sich aus Düsseldorf. Er war sieben Jahre Lehrer in Waschenbach, vom 27.4.1947 bis zum 27.4.1954. Aus Waschenbacher Sicht war er zur richtigen Zeit am richtigen Ort, über seine Schule hinaus engagiert in Gemeinde und Vereinen.

Sogar aus heutiger Sicht setzte er moderne Lehrmethoden ein. So war es üblich, dass in der einklassigen Schule ältere Schüler zur Betreuung von jüngeren eingesetzt wurden. Begabte Schüler konnten „formlos“ Klassen überspringen, indem sie bei „älteren“ Gruppen mitarbeiteten. Sitzenbleiben gab es praktisch nicht, sondern man beteiligte sich bei Gruppen mit niedrigerem Lernniveau. Einen bleibenden Eindruck hinterließ der „Sandkasten“, mit dessen Hilfe Erdkunde plastisch gemacht wurde: Waschenbach mit seinen Häusern, Hügeln und Tälern wurde so modelliert oder auch der Odenwald mit seinen Orten, Bergen und Flüsschen.

Seine Methode „Fordern und Fördern“ war so erfolgreich, dass soviel Schüler wie nie zuvor den Sprung in ein Gymnasium schafften, wobei die damalige „Aufbauschule Traisa“ (heute Aufbaugymnasium Schuldorf Bergstraße) entgegenkam, weil sie gut sogar mit dem Fahrrad erreichbar war und man noch nach der 6. oder 7. Klasse wechseln konnte.

Lehrer Wedel verlangte einiges von den Schülern, aber er gab auch viel zurück. Ziemlich einmalig in Zahl und Zielen dürften die Klassenfahrten gewesen sein. Auf Tagestouren in den Odenwald, zu Rhein und Main lernten die Schüler die nähere Umgebung kennen. Für die Beteiligten unvergessen blieben die Wanderung nach Hammelbach mit Übernachtung in der Scheune der Familie Stein, oder die mehrtägige Radtour zu den Götzfestsielen in Jagsthausen. Zwei große Abschlussfahrten nach Süddeutschland bis in die Alpen erforderten sicherlich viel Organisationstalent. Zur Verpflegung in den Jugendherbergen wurden z.B. Lebensmittel aus der Schulspeisung verschickt.

Lehrer Wedel setzte die Tradition seiner Vorgänger Knecht und Sehnert fort, sich in Gemeinde und Verein zu engagieren.

Erst bei seinem Nachfolger Ihrig wurde ein Vogelschutzverein gegründet, aber Wedel hat die Saat bereitet. Dies geschah sozusagen schon von Amts wegen, denn damals waren die Lehrer auch ehrenamtlich „Ortsvertrauensmann für Vogelschutz“. In dieser Funktion beeinflusste er die Schüler und wahrscheinlich auch manche Eltern. Jährlich musste ein Zustands- und Tätigkeitsbericht dem Landrat erstattet werden.

Die enge Nachbarschaft zu Heinrich Schuchmann mag der Grund gewesen sein, dass sich Wedel auch in den Turnverein einbrachte. 1951 war er führend an der Wiedergründung des Turnvereins 1911 beteiligt, der die Turn- und Sportgemeinde 1946 ablöste. Das Protokoll der Gründungsversammlung zeigt die Schriftzüge von Kurt Wedel (Schriftführer bis Januar 1955). Etwa ab der Mitte seiner Waschenbacher Jahre begann sich Wedel auch für die Gemeindepolitik zu interessieren. Möglicherweise wollte er helfen, neuen Männern den Weg zu ebnen. Er hat das Vertrauen der Ortsbürger genossen: Die Einheitsliste zur Gemeinderatswahl 1952 hat er mit 43 Stimmen angeführt. Seiner Initiative dürfte es auch zuzuschreiben sein, dass der neue Bürgermeister Heinrich Schuchmann hieß.

1954 verließ Kurt Wedel die Schule in Waschenbach. Eine kurze Übergangszeit verbrachte er in Nieder-Ramstadt, um dann im Pädagogischen Institut in Jugenheim in der Lehrerausbildung zu wirken. Seine letzten Dienstjahre verbrachte er im Schuldorf Bergstraße.

Karl Heinz Ihrig

Nach dem „Rekordhalter“ Philipp Karl Knecht war Karl Heinz Ihrig am längsten Lehrer in Ort, nämlich 13 Jahre ab 1954.

Mit Waschenbach verknüpft die Familie ein trauriges Schicksal, das sicherlich zu dem kurzen Leben einiger ihrer Mitglieder beigetragen hat. Karl Heinz Ihrig (1927 – 1981) war verheiratet mit Luise (1929 – 1976). Der Tod ihrer ersten Tochter Christiane (Jan – Juni 1957) ging auf dieses Ereignis zurück. Zwei weitere Kinder wurden geboren, Gernot (1958 – 1977) und Heike (*1962).

Bei der Abschlussfahrt an die Ostsee kam es am 13. Juli 1956 zum großen Unglück. Teilnehmer waren die Schülerjahrgänge 1942 bis 1944. Es geschah auf der B 4 zwischen Hamburg und Kiel in Höhe von Kaltenkirchen, kurz vor dem Ziel. Eine schmale Straße, baumbestanden. Der Bus war am Überholen, ein Fahrzeug kam entgegen. Der Bus zog zu weit nach rechts und traf den Baum. Die Folgen waren schlimm, allerdings konnte man trotzdem von Glück im Unglück sprechen. Vier Menschen wurden zum Teil schwer verletzt in das Krankenhaus Kaltenkirchen eingeliefert. Frau Ihrig verlor ein Bein und letzten Endes auch ihr Kind; sie war schwanger.

Das Unglück war das Ende der großen Fahrten Waschenbacher Schüler.

Karl Heinz Ihrig hat sich im Ort engagiert. Dreimal stellte er sich erfolgreich der Wahl zum Gemeinderat. Am 28.10.1956 und am 23.10.1960 wurde er als Mitglied einer Einheitsliste gewählt, beim dritten Mal am 25.10.1964 gelang ihm der Einzug ins Parlament über die Liste der SPD. Zwei Jahre war (1955 und 1956) war er Schriftführer im Turnverein, im ersten Jahr auch Pressewart.

Bleibende Verdienste erwarb er sich bei dem Vogel- und Naturschutzverein. Wie Lehrer Wedel war er zunächst Ortsvertrauensmann für Vogelschutz. Viel stärker noch als Wedel bezog er den Vogelschutz in den Unterricht ein. Gewissermaßen als Werkunterricht bastelten die Schüler Nistkästen, die dann in den umliegenden Wald gebracht wurden. Auch die Winterfütterung wurde von Schülern besorgt. 1957 fand er die Zeit reif für die Gründung eines Vereins, der schließlich durch seine Initiative zustande kam. Sein Freund Peter Germann wurde 1. Vorsitzender.

1967 verließ Karl Heinz Ihrig die Volksschule von Waschenbach.

Gustav Merz

Der letzte Lehrer in Waschenbach war Gustav Merz (1940 – 1987). Seine Herkunft aus dem benachbarten Nieder-Beerbach und sein junges Alter haben sozusagen „Berührungsängste“ vermieden: Merz stand mit manchem Waschenbacher auf „Du zu Du“. Lehrer Merz knüpfte an die gute Tradition einiger seiner Vorgänger an: Er war Chorleiter mehrerer Gesangvereine in den Nachbargemeinden. Im Rahmen der Volkshochschule gibt er Fotokurse. Das Fotolabor war im Dachstuhl der Schule untergebracht. Mancher Waschenbacher hat bei ihm das Entwickeln von Filmen gelernt. Beim Vogel- und Naturschutzverein war er kurze Zeit Schriftführer.

1970 wurde der Schulunterricht im Ort aufgelöst. Die Waschenbacher Kinder mussten nach Nieder-Ramstadt fahren. Lehrer Merz verließ Waschenbach.Das alte Schulgebäude wird mit dem Ende dieses Schuljahres – Mitte Juli – geschlossen. Dann heißt es, sich in der neuen Umgebung in Der Nieder-Ramstädter Mittelpunktschule einzugewöhnen“.

Die Glocken

Bis 1908 war eine Glocke im Glockenturm der alten Schule (Mühlbergstraße 2) untergebracht. Die neue Schule bot nun die Möglichkeit, zwei neue größere Glocken anzuschaffen. Es wurden Angebote eingeholt, u.a. bei der Glockengießerei Joh. Georg Pfeifer in Kaiserslautern Juli 1908. Darin sollte berücksichtigt werden, dass der Ort keine eigene Kirche hat, also eine Glocke zu Beerdigungen läuten soll. Die vorhandene alte Glock muss zurückgenommen werden. Als Inschrift sollte vorgesehen werden:

Gestiftet von Johannes Helfrich, Nieder-Ramstadt, im Jahr 1905

Johannes Helfrich war ein Nieder-Ramstädter Bürger. Geboren am 28. Dez. 1825 in Reichenbach, verbrachte er 47 Jahre in den USA, wo er zu Geld gekommen war. In seinen letzten Lebensjahren erwies er sich als Wohltäter. Er bedachte die Gemeinde Nieder-Ramstadt, und Waschenbach verdankt ihm seine beiden Glocken. 1000 Mark stellte er dafür zu Verfügung.

Die Fa. Pfeifer hat auf die Anfrage innerhalb einer Woche geantwortet. Für zwei Glocken, eine große fis zu 87 kg, und eine kleine a zu 55 kg, und zwei Gußstahlrollenlager verlangte sie 401,20 Mark. Ihr Angebot wurde nicht angenommen. Zum Zuge kam die Glocken- und Metallgießerei F.W. Rincker aus Sinn.

Die heutige große Glocke trägt noch den Namen des damaligen Spenders, die alte ist sie nicht mehr. In den beiden Weltkriegen wurde sie beschlagnahmt. Beim ersten Mal kam sie 1931 wieder, nach dem 2. Weltkrieg hat es bis 1954 gedauert, bis die Waschenbacher Glocken wieder vollzählig waren: Die neue Glocke wurde wie ihre Vorgängerin von der Fa. Rincker aus Sinn gegossen.

Dr. Heinz Schuchmann





Alle Bilder
aus der Sammlung von
Dr. Heinz Schuchmann
(falls keine and
ere Angabe)






Der geplante Schulneubau



Die neue Schule, gerade fertiggestellt



Schulspeisung nach dem letzten Krieg



Der schwere Busunfall auf der Ferienfahrt



Das Schulhaus als Haus für die Dorfgemeinschaft

Helfrichs Grab auf
dem Friedhof in
Nieder-Ramstadt

1954 wird die neue Glocke auf „festlich geschmücktem Wagen“ durch den Ort gefahren.