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Die
Schule
Mit Beginn des 19. Jh. hatte sich die
Gemeinde von den hohen Kriegskosten erholt. Man konnte an
dringende zivile Investitionen denken. Dazu zählte vor allem
der Bau der ersten Schule von Waschenbach. Bisher mussten die
Kinder nach Nieder-Ramstadt zur Schule gehen, was vermutlich
öfters mit Strapazen verbunden war. In den Aufzeichnungen
heißt es:
„Der
Vicinalweg war so schlecht; die Leute mußten oben am Rain
gehen“.
(Vicinalweg
wurde die Verbindung zwischen benachbarten Gemeinden genannt wegen
„vicinus“ = benachbart). 1799 schrieb der
Nieder-Ramstädter Pfarrer Vietor:
„Durch
schlechten Schulbesuch im Winter konnten die Kinder bei der
Konfirmation kaum das Vaterunser“.
Erleichtert
wurde das Schülerleben, als wenigstens im Winter ein Lehrer
in das Dorf kam. Die Gemeinde mußte dafür aufkommen. So
war z.B. 1805 ein Bett für den Waschenbacher
Winterschullehrer zu zahlen: 13 Gulden und 23 Kreuzer!
Das
erste Schulhaus wurde 1807 gebaut, eingeweiht vermutlich 1808. Das
Gebäude steht noch heute in der Mühlbergstraße 2
und ist im Besitz einer türkischen Familie. Zwischen 1819 und
1820 wurden bereits Umbaumaßnahmen durchgeführt. So kam
z.B. der Turm mit Wetterfahne hinzu. Dazu musste die Gemeinde bei
dem Frankenhäuser Adam Poth 700 Gulden aufnehmen. 1895 wurde
ein Nebenhaus gebaut, nachdem die Gemeinde einen Teil des Gartens
von Peter Walter (Mühlbergstraße 4) erworben hatte.
1896 schließlich wurde das Ganze abgerundet durch ein
Spritzenhaus „mit Aborte, Pissoir und Schuppen für
487,- Mark“.
Der erste Lehrer bis 1814 war Johann
Philipp Poth. Er war wohl kein enger Verwandter der
Hofgutbesitzer, denn in der direkten Linie des Poth-Stammbaums ist
dieser Name im betreffenden Zeitraum nicht aufgeführt. Ab
1827 sind weitere Namen bekannt:
Heinrich
Winter 1827 – 1830, Ernst Winter 1830 – 1839 (1838
Jahreslohn 170 Gulden), Jakob Brumbach 1839 – 1840,
Ernst Edelmann 1840 – 1842, Daniel Schüttling
1842 – 1846, Georg Bugmann 1846 – 1848, Johannes
Weber 1848 – 1851. Johannes (Johann Jakob) Weber (1824-1905)
war anschließend von 1854 bis 1892 ein beliebter Lehrer in
Hochstädten bei Bensheim. Seine beiden Söhne waren echte
Waschenbacher: Wendel Jakob *1848, Karl August *1850.
Möglicherweise
wurden mit seinem Einzug im Jahr 1848 Renovierungsarbeiten am
Schulhaus vorgenommen. Im Rechnungsbuch der Gemeinde ist vermerkt:
Joh.
Krauß Reparatur Schornstein und Schweinestall 48
Kreuzer, 300 Backsteine zum Belegen der Küche 3
Gulden Johannes Vierheller 1851 – 1852 Philipp Boßler
1852 – 1857 Daniel Mahr 1857 – 1860 Friedrich
Bock 1860 – 1864 Friedrich Alt 1864 – 1869 Wenzel
1869 – 1874 Trautmann 1874 – 1875 Werner 1875 –
1877 Christoph Maser 1877 – 1886
Die folgenden
Lehrer sind etwas weniger „anonym“ als ihre Vorgänger,
da sie bis auf eine Ausnahme über ihre Lehrertätigkeit
weitere Spuren im Ort hinterlassen haben, vor allem als Dirigenten
des 1887 gegründeten Gesangvereins Sängerlust
Waschenbach.
Karl
Rauch 1886 – 1887
Er war
Mitbegründer des Gesangvereins, wahrscheinlich eine
Triebfeder, und sein erster Dirigent. Wie für viele seiner
Vorgänger war auch für ihn Waschenbach trotzdem nur eine
Übergangsstation; er wurde nach Eschollbrücken versetzt.
Die Verbindung riss nicht ab, denn zum 25jährigen Jubiläum
des Gesangvereins wurde er zum Ehrendirigenten ernannt.
Ludwig
Kolb 1887 – 1894 Adam Leonhardt 1894 – 1895
Georg
Lortz 1895 – 1903
Er stammte aus
Klein-Bieberau. 1895 ist er auch im Huldigungsregister der
Gemeinde aufgeführt. Seine Schwester war Katharina Vetter,
deren Tochter Friederike den Ortsbürger Peter Wembacher III
heiratete (Ortsstraße 29). Lehrer Lortz wurde nach
Nieder-Ramstadt versetzt, wo er den dortigen Gesangverein Harmonie
bereits ab 1901 dirigiert hatte. In Waschenbach hat er noch für
einige Monate „Aushilfe“ geleistet, weil sein
Nachfolger als Lehrer, Martin Sames 1903 – 1904, kein
Dirigent war. Im Jahr 1898 wurden 55 Kinder gezählt.
Ab
1904 kam Philipp Karl Knecht.
Er blieb 30
Jahre Lehrer in Waschenbach. In dieser Zeit prägte er das
Dorf.
Das Schulhaus
Zu Beginn des 20. Jh. kam
es in mehreren Nachbarorten zu Schulhausneubauten. Es wurde in
Bildung investiert, oft waren auch die bestehenden Gebäude
nicht mehr auf dem Stand der Zeit. Diesem Missstand sollte von
höherer Stelle abgeholfen werden. Es gab um die
Jahrhundertwende ein Programm „Volksschulen – Für
Unterstützung von Gemeinden in Schulbauten“. Daraus
wurde Waschenbach tatsächlich bereits im Jahr 1900 von der
Großherzoglichen Hauptkasse ein Betrag von 1000,- Mark
zugewiesen.
Der schlechte Zustand der alten Schule wurde
der Gemeinde sehr eindringlich in einem Inspektionsbericht vom
8.5.1903 des Großherzoglichen Kreisamts bestätigt.
Darin heißt es:
„Bei
der durch den Großherzoglichen Schulinspektor vorgenommenen
Inspektion der Schule in Waschenbach hat sich ergeben, daß
1. Der Schulsaal sehr dunkel ist und …. Geweißt
werden muß 2. Der Boden … geölt werden muß
3. Die Subsellien (Schulbänke mit schräger
Schreibplatte) ganz ungenügend sind und allmählich durch
Patentbänke aus einer guten Schulbankfabrik ersetzt werden
müssen. 4. Die Schultafeln gestrichen werden müssen
5. Fast keine Lehrmittel vorhanden sind 6. Die Reinigung
eine mangelhafte ist 7. An der Lehrerwohnung ein Zimmer fehlt“
Die Gemeinde
wurde aktiv. Bereits 1904 sind Vorplanungen für ein neues
Schulhaus gemacht worden. 1908 wurde dieses in erstaunlich kurzer
Zeit errichtet.Schon einige Jahre hatte es sich abgezeichnet, dass
die alte Schule in der Ortsmitte nicht mehr geeignet war. Im
Rahmen eines Schulhausneubauprogramms kam Waschenbach 1908 mit
einem Neubau an die Reihe. Vom Kreisstraßenbaumeister Weber
wurde ein Entwurf gemacht. Dieser enthält auch eine
überschlägige Kostenrechnung:
Bei 1350 cbm
umbautem Raum und einem Richtwert von 13,50 Mark/cbm rechnete er
mit Baukosten von 18.000,- Mark. Die Ausschreibung wurde in
verschiedenen Medien vorgenommen, z.B. im Darmstädter
Tageblatt. Dem Text entnehmen wir den Umfang der Baumaßnahmen:
1
Neubau eines einklassigen Schulgebäudes mit Lehrerwohnung 2
Abortanlage (diese wurde in den 1970er Jahren mit dem Bau des
Feuerwehrgerätehauses wieder abgerissen) 3 Hofanlage und
Einfriedigung 4 Wasserversorgung
Die Arbeiten
gingen in einem erstaunlichen Tempo vonstatten. Für einige
Ortsbürger war der Bau eine kleine
„Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“. So kam der
Gastwirt Johannes Wembacher IV mit Schreinerarbeiten zum Zuge.
Auch Mobiliar wurde von ihm geliefert. Er erhielt 155,52 Mark. Die
Familie Brückmann wurde für verschiedene
Dienstleistungen eingesetzt. So z.B. verdienten sich Peter bei
„Handarbeiten“ 10,80 Mark, seine Frau Margarethe und
die Schwiegermutter Auguste Bauer bei Reinigungsarbeiten 36,13
Mark. Ludwig Harnischfeger II erhielt für die Anfuhr der
Glocke 4,- Mark.
Auch Handwerker aus Nachbarorten waren
eingesetzt. Es verdienten sich Adam Thomas, Frankenhausen für
Grundbausteine und Geröll 81,90 Mark, Johannes Keller III,
Frankenhausen für Schreinerarbeiten 168,30 Mark, Wilhelm
Ross, Nieder-Ramstadt für Anfahren von Steinen 63,40 Mark,
Sebastian Bender, Nieder-Ramstadt für Spenglerarbeiten 51,30
Mark, Karl Müller, Ober-Ramstadt für Dachdeckerarbeiten
842,20 Mark.
Die Einladung vom 27. Oktober 1908 zur
Einweihung an den Planer Kreisstraßenbaumeister Weber durch
Bürgermeister Appel ist erhalten geblieben. Der
Einladungstext lautet:
„Hierdurch
benachrichtigen wir Sie ergebenst, daß die Einweihung des
neu erbauten Schulhauses der Gemeinde Waschenbach am Sonntag dem
ersten November d.J. Nachmittags präzis drei Uhr stattfinden
soll. Zu dieser Feierlichkeit laden wir Sie im Auftrag des
Ortsvorstandes für Waschenbach freundlichst ein und bitten um
Ihr Erscheinen. Großherzogliche Bürgermeisterei
Nieder-Ramstadt mit Waschenbach Appel“
Auch nach der
Bauphase war die Schule weiterhin Arbeitgeber. Peter Brückmann
und Peter Kindinger wurden als Beschäftigte geführt. Der
erste läutete regelmäßig die Glocken bei
Schulbeginn, beim 11-Uhr-Geläut und bei Beerdigungen. Peter
Kindinger war für die Reinigung des Schulhauses und des
Schulhofs zuständig. 1913/14 kam es bereits zu ersten
Reparaturmaßnahmen. Dafür erhielten Maurermeister
Bernhardt aus Nieder-Ramstadt 43,25 Mark und Weißbindermeister
Wendel Knell aus Frankenhausen 176,60 Mark.
Lehrer
Philipp Karl Knecht
Der Neubau der Schule war begleitet
worden von Lehrer Philipp Karl Knecht (1879 – 1934). Man
kann davon ausgehen, dass er bereits in die Planung mit einbezogen
war, mindestens was die Lehrerwohnung anging. Von 1904 bis zu
seinem Tod konnte er die Wohnung genießen. Seine erste Frau
Lina, Tochter eines Försters, kam aus Erfelden. Von den drei
Töchtern starb die erste früh, die beiden anderen
wuchsen unter Waschenbacher Kindern auf. Emmi, die jüngere,
heiratete Karl Schuchmann aus Nieder-Modau („Schulkarl“).
Die Tochter Lienchen wird durch ihre Heirat mit Adam Römer
aus Reisen zur Schwägerin von Philipp Schneider II, dem
späteren Wirt des Gasthauses Christoph Schneider. Kein
Wunder, dass Lehrer Knecht dort gerne seinen Schoppen trank.
Zu
seiner Zeit lief in Waschenbach vermutlich wenig ohne Lehrer
Knecht. Seine Aktivitäten in Gesang- und Turnverein sind fast
beispiellos. Nach dem 1. Weltkrieg war er auch Gründer des
Kohlen- und Sparvereins. Natürlich ist auch die
Gemeindepolitik nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Am
1.6.1919 kandidiert Knecht für den Gemeinderat und wurde auch
gewählt. Möglicherweise war er auch dafür
verantwortlich, dass Waschenbach von da an einen eigenen
Bürgermeister hatte. 1919 wurde der erste Waschenbacher
Bürgermeister gewählt. Man kann vermuten, dass Knecht
mit seinem Einfluss die Gemeindevertreter davon überzeugt
hatte, sich für seinen Verwandten und „Spezi“
Philipp Schneider II zu entscheiden. Noch 1933 kandidierte er
nochmals erfolgreich für den Gemeinderat. Dass dies auf der
Liste der NSDAP geschah, zeugt mindestens von einer etwas
unkritischen Haltung Knechts.
Nach dem Tod
seiner ersten Frau hat er ein zweites Mal geheiratet, Emmi aus
Bad-Wimpfen. Er starb am 14. Dezember 1934 mit nur 55 Jahren. An
seinem Grab wurde ein Ehrensalut geschossen. Die Gemeinde legte
einen Kranz nieder.
Die Lehrer nach Knecht
Nach dem Tod von
Lehrer Knecht konnte die Stelle nicht sofort mit einem
hauptamtlichen Lehrer besetzt werden. Als Aushilfe sprang Philipp
Knell aus Frankenhausen ein, Bruder des Weißbindermeisters
Georg Knell, der das Studium gerade beendet hatte. Schon vor
Knechts Ableben hatte er 1934 oft dessen Vertretung übernommen.
Er legte in Waschenbach sein 2. Staatsexamen ab. In den 1970er
Jahren hat er es bis zum Professor an der Fachhochschule Darmstadt
gebracht.
Nach Knell kam
etwa für das Jahr 1935 Lehrer Karl Hans Bernd. Er war ein
anderer Typ als Knecht und Knell. Eine seiner Schülerinnen,
Kuni Meißner, geb. Dieter (Tochter von Georg V aus der
Alleestraße 17) erinnert sich:
„Lehrer
Bernd war streng. Wir mußten viel lernen, vor allem aus der
Biblischen Geschichte, und viele Lieder singen“.
In die
Dorfgemeinschaft wollte er sich durchaus einbringen. Sogar im
Protokoll des Turnvereins vom 25.5.1935 ist er erwähnt:
„Wembacher
Hermann wurde wegen Krankheit als Kinderturnwart entbunden und
Lehrer Bernd(t) hierfür ernannt“.
Lehrer Bernd
wohnte im Nebenhaus des Hofguts bei Familie Poth (Ortsstraße
38). Die Wohnung im Schulhaus war noch durch die Familie Knecht
belegt.
Von 1935 bis 1939 folgte mit Heinrich Sehnert ein
Lehrer, der ähnlich Knecht bleibende Spuren hinterließ.
Er stammte aus Schaafheim, seine Mutter war eine geborene
Krautwurst, verwandt mit Fritz Krautwurst hier in Waschenbach.
Geboren wurde er etwa 1912. Viele ältere Waschenbacher
schildern Sehnert als engagierten und sehr fähigen Lehrer,
einige sehen seine enge Verbundenheit zu dem herrschenden System
etwas kritisch.
Außerhalb der Schule hat er sich vor
allem in den Turnverein und in die Gemeindepolitik eingebracht. Er
war Vorsitzender des Turnvereins ab Anfang 1937 bis zu Beginn des
Krieges. Das Theaterspielen und das Singen wurde von ihm
gefördert. 1938 bis Mitte 1939 war er auch 2. Beigeordneter
in der Gemeinde. Danach wurde er schon vor Kriegsbeginn zur
Luftwaffe eingezogen, so dass Aushilfslehrer einspringen mussten.
Als Lehrer kam er nicht mehr nach Waschenbach zurück. Nach
dem Krieg und einem kurzen Gastspiel in Frankenhausen war er
einige Jahre Lehrer in Neutsch. In den 1950er Jahren erhielt er
eine Berufung an das Pädagogische Institut in Jugenheim, das
später in den Fachbereich Sozialpädagogik der damaligen
Fachhochschule Darmstadt überging. Dort wurde Sehnert
Professor. Mit Landrat Wink reiste er in diesen Jahren auch in die
USA, um Eindrücke zu sammeln für die Errichtung des
Schuldorfs Bergstraße. Darüber hielt er im neugebauten
Saal des Waschenbacher Hofs 1953/54 sogar einen Vortrag in
Waschenbach.
Sein letzter Wohnsitz war Seeheim-Jugenheim.
Eines seiner Hobbys war die Heimatforschung. Sogar ein Buch hat er
geschrieben über Sitten und Bräuche im vorderen
Odenwald.
Nach der Einberufung von Sehnert wurden die
Waschenbacher Schüler einigen „Wechselbädern“
ausgesetzt: Es kam zu vielen Vertretungen, Unterrichtsausfällen
und „fliegenden Klassen“. Schon bei Wehrübungen
von Sehnert war Lehrer Fuhr öfters eingesprungen.
Waschenbacher Schüler jener Zeit erinnern sich an weitere
Namen: Die Lehrerinnen Hasenrück, Mandel oder Schlupdiebier,
die Lehrer Bauer, Falter, Lautenschläger und Ott. Teilweise
wohnten die Vertretungen im Ort, z.B. Fräulein Mandel und
Lehrer Fuhr bei Kaffenbergers in der Alleestraße 5. Einige
sind täglich angereist und wurden mittags im Ort verköstigt,
wie z.B. Fräulein Schlupdiebier von Familie Christoph Müller
in der Kreisstraße 5. Manchmal stand keine Vertretung zur
Verfügung. Dann konnte es vorkommen, dass die Schüler
nach Nieder-Ramstadt in den Unterricht mussten. Dies waren die
„fliegenden Klassen“. Günstigstenfalls für
die Schüler ist der Unterricht ausgefallen.
Die
Lehrer nach dem 2. Weltkrieg
Es dauerte nach dem
Kriegsende noch über ein Jahr, bis auch für die Schüler
in Waschenbach die zerrissenen Zeiten vorüber waren, weil
wieder Lehrer in Waschenbach Einzug gehalten hatten. Bis zur
Auflösung der Waschenbacher Schule im Jahr 1970
unterrichteten noch vier Lehrer:
Hans
Günther Kurt Wedel Karl Heinz Ihrig Gustav Merz
In einer
Einwohnerliste der Ortsbürger von 1946/47 ist auch das
Ehepaar Günther aufgeführt. Es ist am 29.10.1946 in die
Schule eingezogen. Möglicherweise hat Hans Günther schon
vorher seinen Dienst in Waschenbach angetreten. Die Wohnung war
aber noch kurze Zeit belegt mit der Vorgängerfamilie Sehnert.
Lehrer Günther war zu kurz im Ort, um tiefere Spuren
hinterlassen zu können. Immerhin ist er im Protokollbuch des
Turnvereins vermerkt. Bei der „Generalversammlung“ am
28.2.1947 trat er gleich mehrfach in Erscheinung: Er regte die
Gründung einer Schachabteilung an, die dann auch von ihm
geleitet werden sollte. Um die Bemühungen für einen
Sportplatz auf dem heutigen Steinbruchgelände am Kastenwald
zu verstärken, schlug er eine Unterschriftensammlung vor.
Gleichzeitig stellte er sich dem Ausschuss zur Verfügung, der
diese Aktion weiter verfolgen sollte (mit Heinrich Schneider und
Justus Bezold).
Im Schulsport wurde bei ihm sogar geboxt.
Die Boxhandschuhe waren ein Geschenk der Amerikaner. Mit älteren
Schülern trainierte Lehrer Günther persönlich. Bei
Wilfried Roßmann (Kreisstraße 6), einem großen
kräftigen Burschen, holte er sich eine blutige Nase.
Die Familie
Günther verließ Waschenbach im Frühjahr 1947. Ihr
unruhiges Leben setzte sich fort. Stationen waren Oberhessen und
Heppenheim. Später fanden sie einen Fixpunkt in Trautheim.
Sie machten ihr Haus zu einem internationalen Begegnungsort,
nahmen an Atomgegnermärschen teil, engagierten sich für
„Frieden schaffen ohne Waffen“ und für „Menschen
für Menschen“.
Kurt Wedel (1916 –
1982)
stammte aus Nieder-Ramstadt, seine Frau Ruth
(1918 – 2002, geb. Wissenbach) holte er sich aus Düsseldorf.
Er war sieben Jahre Lehrer in Waschenbach, vom 27.4.1947 bis zum
27.4.1954. Aus Waschenbacher Sicht war er zur richtigen Zeit am
richtigen Ort, über seine Schule hinaus engagiert in Gemeinde
und Vereinen.
Sogar aus heutiger Sicht setzte er moderne
Lehrmethoden ein. So war es üblich, dass in der einklassigen
Schule ältere Schüler zur Betreuung von jüngeren
eingesetzt wurden. Begabte Schüler konnten „formlos“
Klassen überspringen, indem sie bei „älteren“
Gruppen mitarbeiteten. Sitzenbleiben gab es praktisch nicht,
sondern man beteiligte sich bei Gruppen mit niedrigerem
Lernniveau. Einen bleibenden Eindruck hinterließ der
„Sandkasten“, mit dessen Hilfe Erdkunde plastisch
gemacht wurde: Waschenbach mit seinen Häusern, Hügeln
und Tälern wurde so modelliert oder auch der Odenwald mit
seinen Orten, Bergen und Flüsschen.
Seine Methode
„Fordern und Fördern“ war so erfolgreich, dass
soviel Schüler wie nie zuvor den Sprung in ein Gymnasium
schafften, wobei die damalige „Aufbauschule Traisa“
(heute Aufbaugymnasium Schuldorf Bergstraße) entgegenkam,
weil sie gut sogar mit dem Fahrrad erreichbar war und man noch
nach der 6. oder 7. Klasse wechseln konnte.
Lehrer Wedel
verlangte einiges von den Schülern, aber er gab auch viel
zurück. Ziemlich einmalig in Zahl und Zielen dürften die
Klassenfahrten gewesen sein. Auf Tagestouren in den Odenwald, zu
Rhein und Main lernten die Schüler die nähere Umgebung
kennen. Für die Beteiligten unvergessen blieben die Wanderung
nach Hammelbach mit Übernachtung in der Scheune der Familie
Stein, oder die mehrtägige Radtour zu den Götzfestsielen
in Jagsthausen. Zwei große Abschlussfahrten nach
Süddeutschland bis in die Alpen erforderten sicherlich viel
Organisationstalent. Zur Verpflegung in den Jugendherbergen wurden
z.B. Lebensmittel aus der Schulspeisung verschickt.
Lehrer
Wedel setzte die Tradition seiner Vorgänger Knecht und
Sehnert fort, sich in Gemeinde und Verein zu engagieren.
Erst bei seinem
Nachfolger Ihrig wurde ein Vogelschutzverein gegründet, aber
Wedel hat die Saat bereitet. Dies geschah sozusagen schon von Amts
wegen, denn damals waren die Lehrer auch ehrenamtlich
„Ortsvertrauensmann für Vogelschutz“. In dieser
Funktion beeinflusste er die Schüler und wahrscheinlich auch
manche Eltern. Jährlich musste ein Zustands- und
Tätigkeitsbericht dem Landrat erstattet werden.
Die
enge Nachbarschaft zu Heinrich Schuchmann mag der Grund gewesen
sein, dass sich Wedel auch in den Turnverein einbrachte. 1951 war
er führend an der Wiedergründung des Turnvereins 1911
beteiligt, der die Turn- und Sportgemeinde 1946 ablöste. Das
Protokoll der Gründungsversammlung zeigt die Schriftzüge
von Kurt Wedel (Schriftführer bis Januar 1955). Etwa ab der
Mitte seiner Waschenbacher Jahre begann sich Wedel auch für
die Gemeindepolitik zu interessieren. Möglicherweise wollte
er helfen, neuen Männern den Weg zu ebnen. Er hat das
Vertrauen der Ortsbürger genossen: Die Einheitsliste zur
Gemeinderatswahl 1952 hat er mit 43 Stimmen angeführt. Seiner
Initiative dürfte es auch zuzuschreiben sein, dass der neue
Bürgermeister Heinrich Schuchmann hieß.
1954 verließ
Kurt Wedel die Schule in Waschenbach. Eine kurze Übergangszeit
verbrachte er in Nieder-Ramstadt, um dann im Pädagogischen
Institut in Jugenheim in der Lehrerausbildung zu wirken. Seine
letzten Dienstjahre verbrachte er im Schuldorf Bergstraße.
Karl Heinz Ihrig
Nach dem „Rekordhalter“
Philipp Karl Knecht war Karl Heinz Ihrig am längsten Lehrer
in Ort, nämlich 13 Jahre ab 1954.
Mit Waschenbach
verknüpft die Familie ein trauriges Schicksal, das sicherlich
zu dem kurzen Leben einiger ihrer Mitglieder beigetragen hat. Karl
Heinz Ihrig (1927 – 1981) war verheiratet mit Luise (1929 –
1976). Der Tod ihrer ersten Tochter Christiane (Jan – Juni
1957) ging auf dieses Ereignis zurück. Zwei weitere Kinder
wurden geboren, Gernot (1958 – 1977) und Heike (*1962).
Bei der Abschlussfahrt an die Ostsee kam es am 13. Juli
1956 zum großen Unglück. Teilnehmer waren die
Schülerjahrgänge 1942 bis 1944. Es geschah auf der B 4
zwischen Hamburg und Kiel in Höhe von Kaltenkirchen, kurz vor
dem Ziel. Eine schmale Straße, baumbestanden. Der Bus war am
Überholen, ein Fahrzeug kam entgegen. Der Bus zog zu weit
nach rechts und traf den Baum. Die Folgen waren schlimm,
allerdings konnte man trotzdem von Glück im Unglück
sprechen. Vier Menschen wurden zum Teil schwer verletzt in das
Krankenhaus Kaltenkirchen eingeliefert. Frau Ihrig verlor ein Bein
und letzten Endes auch ihr Kind; sie war schwanger.
Das Unglück
war das Ende der großen Fahrten Waschenbacher Schüler.
Karl Heinz Ihrig hat sich im Ort engagiert. Dreimal
stellte er sich erfolgreich der Wahl zum Gemeinderat. Am
28.10.1956 und am 23.10.1960 wurde er als Mitglied einer
Einheitsliste gewählt, beim dritten Mal am 25.10.1964 gelang
ihm der Einzug ins Parlament über die Liste der SPD. Zwei
Jahre war (1955 und 1956) war er Schriftführer im Turnverein,
im ersten Jahr auch Pressewart.
Bleibende
Verdienste erwarb er sich bei dem Vogel- und Naturschutzverein.
Wie Lehrer Wedel war er zunächst Ortsvertrauensmann für
Vogelschutz. Viel stärker noch als Wedel bezog er den
Vogelschutz in den Unterricht ein. Gewissermaßen als
Werkunterricht bastelten die Schüler Nistkästen, die
dann in den umliegenden Wald gebracht wurden. Auch die
Winterfütterung wurde von Schülern besorgt. 1957 fand er
die Zeit reif für die Gründung eines Vereins, der
schließlich durch seine Initiative zustande kam. Sein Freund
Peter Germann wurde 1. Vorsitzender.
1967 verließ
Karl Heinz Ihrig die Volksschule von Waschenbach.
Gustav
Merz
Der letzte Lehrer in Waschenbach war Gustav Merz
(1940 – 1987). Seine Herkunft aus dem benachbarten
Nieder-Beerbach und sein junges Alter haben sozusagen
„Berührungsängste“ vermieden: Merz stand mit
manchem Waschenbacher auf „Du zu Du“. Lehrer Merz
knüpfte an die gute Tradition einiger seiner Vorgänger
an: Er war Chorleiter mehrerer Gesangvereine in den
Nachbargemeinden. Im Rahmen der Volkshochschule gibt er Fotokurse.
Das Fotolabor war im Dachstuhl der Schule untergebracht. Mancher
Waschenbacher hat bei ihm das Entwickeln von Filmen gelernt. Beim
Vogel- und Naturschutzverein war er kurze Zeit Schriftführer.
1970 wurde der Schulunterricht im Ort aufgelöst. Die
Waschenbacher Kinder mussten nach Nieder-Ramstadt fahren. Lehrer
Merz verließ Waschenbach.Das alte Schulgebäude wird mit
dem Ende dieses Schuljahres – Mitte Juli –
geschlossen. Dann heißt es, sich in der neuen Umgebung in
Der Nieder-Ramstädter Mittelpunktschule einzugewöhnen“.
Die Glocken
Bis
1908 war eine Glocke im Glockenturm der alten Schule
(Mühlbergstraße 2) untergebracht. Die neue Schule bot
nun die Möglichkeit, zwei neue größere Glocken
anzuschaffen. Es wurden Angebote eingeholt, u.a. bei der
Glockengießerei Joh. Georg Pfeifer in Kaiserslautern Juli
1908. Darin sollte berücksichtigt werden, dass der Ort keine
eigene Kirche hat, also eine Glocke zu Beerdigungen läuten
soll. Die vorhandene alte Glock muss zurückgenommen werden.
Als Inschrift sollte vorgesehen werden:
Gestiftet
von Johannes Helfrich, Nieder-Ramstadt, im Jahr 1905
Johannes
Helfrich war ein Nieder-Ramstädter Bürger. Geboren am
28. Dez. 1825 in Reichenbach, verbrachte er 47 Jahre in den USA,
wo er zu Geld gekommen war. In seinen letzten Lebensjahren erwies
er sich als Wohltäter. Er bedachte die Gemeinde
Nieder-Ramstadt, und Waschenbach verdankt ihm seine beiden
Glocken. 1000 Mark stellte er dafür zu Verfügung.
Die
Fa. Pfeifer hat auf die Anfrage innerhalb einer Woche geantwortet.
Für zwei Glocken, eine große fis zu 87 kg, und eine
kleine a zu 55 kg, und zwei Gußstahlrollenlager verlangte
sie 401,20 Mark. Ihr Angebot wurde nicht angenommen. Zum Zuge kam
die Glocken- und Metallgießerei F.W. Rincker aus Sinn.
Die
heutige große Glocke trägt noch den Namen des damaligen
Spenders, die alte ist sie nicht mehr. In den beiden Weltkriegen
wurde sie beschlagnahmt. Beim ersten Mal kam sie 1931 wieder, nach
dem 2. Weltkrieg hat es bis 1954 gedauert, bis die Waschenbacher
Glocken wieder vollzählig waren: Die neue Glocke wurde wie
ihre Vorgängerin von der Fa. Rincker aus Sinn gegossen.
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Dr.
Heinz Schuchmann


Alle
Bilder aus der Sammlung von Dr. Heinz Schuchmann (falls
keine andere
Angabe)


 Der
geplante Schulneubau

Die
neue Schule, gerade fertiggestellt

Schulspeisung
nach dem letzten Krieg

Der
schwere Busunfall auf der Ferienfahrt

Das
Schulhaus als Haus für die Dorfgemeinschaft

Helfrichs
Grab auf dem Friedhof in Nieder-Ramstadt

1954
wird die neue Glocke auf „festlich geschmücktem Wagen“
durch den Ort gefahren.
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