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Stand: 12.03.2011

 

 

. Geschichte

Geschichte Waschenbach

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Die Hartsteinwerke Thomas in Waschenbach


Seit mehr als einem Jahrhundert werden in der Umgebung unseres Orts Steine abgebaut. Viele Menschen waren als Arbeitgeber und Arbeitnehmer daran beteiligt. Einen dominierenden Einfluss auf diese Entwicklung hatten drei Generationen der Familie Thomas. Bis heute werden der Steinbruch und die Familie Thomas praktisch in einem Atemzug genannt. Es ist fast vergessen, dass in den Anfängen noch andere Betreiber beteiligt waren.

Steinbrechen in Waschenbach begann mit Adam Thomas (1859 – 1950) aus Frankenhausen, der Margarethe von der Au (1858 – 1940) aus Ernsthofen geheiratet hatte. Bei den Steinen handelt es sich um Gabbro, ein Tiefengestein wie Granit. Wann Adam Thomas zum ersten Mal Steine Am Kastenwald in der Gemarkung Billerstein gewonnen hat, ist nicht exakt bekannt. Bereits 1892 war jedenfalls ein Großauftrag für die Gemeinde zu erledigen: Im Rahmen der Flurbereinigung wurden von ihm 216 Setzsteine für 1243,- Mark geliefert. Ab 25. Sept 1893 war er Mitglied der Berufsgenossenschaft. Am 14. April 1897 erteilte das Großherzogliche Kreisamt „dem Adam Thomas aus Frankenhausen …. die Genehmigung zur Anlage und zum Betrieb eines Steinbruchs in der Gemarkung Waschenbach auf dem Grundstück Flur III … im Kastenwald“.

Viele Geschäfte machte Adam Thomas weiterhin mit der Gemeinde Waschenbach, wie man deren Kassenbuch (aufgezeichnet von Jakob Krauß) entnehmen kann:

1906 Pacht Steinbruch Billerstein (am Kastenwald) 1.4.1905 – 1911 (6 Jahre) 42,- Mark

1908 Grundbausteine und Geröll für Schulbau 81,90 Mark

1913 23 Cubm Chaussiersteine a M6,- 138,- Mark
914 An Steinbruchbesitzerin A. Thomas Ehefrau für 8 Grenzsteine a 0,50 4,- Mark


Angefangen hat Adam Thomas also im heutigen Steinbruch am Kastenwald. Der Abbau war allerdings schwierig. Die Löcher für die Sprengung mussten im Handbetrieb eingebracht werden: Ein Mann hielt die Bohrstange (das Spitzeisen) und drehte sie, zwei Männer schlugen abwechselnd mit dem Schlaghammer. Das anschließende Zerkleinern von größeren Steinbrocken war zeitraubend, weil die Steine „verkehrt“ saßen. Sie splitterten nicht wie gewünscht.

Im ersten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts wechselte deshalb Adam Thomas die Abbaustätte. 1905 zahlte er noch Pacht im Voraus für den Bruch Billerstein, aber im Jahr 1910 gibt es einen Hinweis auf eine neue Abbaustätte in der Geberstadt. Dort hatte er eine Beschwerde laufen:

Unterhalb des Steinbruchs in der Geberstadt 9 wohnte im ehemaligen Hirtenhaus der Polizeidiener Friedrich Becker. Dieser beabsichtigte, sein Haus zu vergrößern und bat das Großherzogliche Kreisamt in Darmstadt um Genehmigung. Adam Thomas befürchtete Schäden infolge seiner Sprengungen. Das Kreisamt lehnte die Beschwerde ab und gab dem Baugesuch statt.

Wie Adam Thomas mit seinem Betrieb über den 1. Weltkrieg kam, ist unklar. Erste Bilder und Dokumente stammen wieder aus den 1930er Jahren. Vorher wurden Waschenbachs Steine aber auch für weitere Betreiber interessant. Die Odenwälder Hartsteinindustrie OHI war 1898 u.a. aus den Steinbrüchen in Nieder-Ramstadt und Roßdorf hervorgegangen. Im Ort hat sie wenige Jahre Steine in der Steingretel (hinterer Buchwald) abgebaut, wie man heute noch feststellen kann. Auf dieser Seite des Buchwalds saßen die Steine „richtig“, d.h. es gab beim Brechen und Sprengen nicht die Probleme, wie sie Adam Thomas am Billerstein hatte. Die Abfahrt der Steine erfolgte durch die Alleestraße, die im unteren Teil damals einen Hohlweg bildete (die „Huhl“). Erich Kaffenberger (Elternhaus Alleestraße 5) erinnert sich: „Die schweren Pferdefuhrwerke haben in der Huhl tiefe Gleise hinterlassen“.

Im Kassenbuch der Gemeinde ist vermerkt:

1925 OHI Pacht 11.9.1925 30 Jahr 150,- Mark

1928 Steinbruchpacht OHI ist aufgehoben

Ab diesem Jahr versuchte Georg Thaler sein Glück, und zwar am Kastenwald (Billerstein) in dem von Adam Thomas aufgegebenen Gelände. Durch seine Heirat mit Minna Wembacher, der Tochter des Wirts Johannes Wembacher IV aus dem Gasthaus Zum Odenwald, war er Ortsbürger geworden. In der Gemeinde war er in vielfältiger Weise aktiv:

1925 Eintritt in Kohlen- und Sparverein
1927 – 1928 1. Turnwart des Turnvereins
10.9.1935 – 22.4.1938 2. Beigeordneter der Gemeinde Waschenbach


Im Jahr 1928 zahlte Georg Thaler für den Bruch am Billerstein eine Pacht von 150,- Mark. Auch 1932 ist wieder der gleiche Betrag im Kassenbuch aufgeführt. 1934 heißt es aber dann: „Bruch nichts“. Möglicherweise hat Georg Thaler in dieser Zeit die Produktion eingestellt?!

In all den Jahren hat sich der Steinbruch von Adam Thomas in der Geberstadt weiterentwickelt. Am 1.1.1936 trat Ludwig Wendel Thomas (1895 – 1971), der Sohn von Adam, in den Betrieb ein. Das Kassenbuch der Gemeinde verzeichnet schon für das vorherige Jahr 1935 seinen Namen:

„Wendel Thomas Wiese bei Steinbruch Geberstadt 504,- Mark“

Offenbar versuchte er sogleich, die Firma durch den Ankauf von Gelände unabhängiger zu machen. Wendel war mit Margarethe (Gretel) Keller (1906 – 1980) verheiratet. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Ria (1924 – 1997) ∞ Heinrich Pritsch (1921 – 2008) dem späteren langjährigen Bürgermeister von Neutsch, Ludwig („Lud“) (1925 – 2010) ∞ Albine Grüdl *1929, Friedrich („Friedel“) (1927 – 2003) ∞ Liesel Stephan *1933.


Wendel Thomas hat bei der Firma Wacker & Dörr (Nieder-Ramstadt) eine Mechanikerlehre gemacht, seinen Meisterbrief erworben und dann einige Jahre Berufserfahrung in fremden Firmen gesammelt. Im 1. Weltkrieg war er Soldat. In Waschenbach wurde er schnell bekannt, weil er seine hervorragenden turnerischen Fähigkeiten in den Turnverein 1911 einbrachte. Sein Rüstzeug hatte er u.a. auf der Deutschen TurnschTurnschule in Berlin erworben. Von 1934 bis 1936 war er sogar Oberturnwart bei den Waschenbacher Turnern.

Der 2. Weltkrieg brachte wie der 1. einen starken Einschnitt. Anfänglich wurde der Betrieb weitergeführt, zum Teil mit französischen Kriegsgefangenen.Ab 1941 ruhten die Arbeiten. Die Pacht an die Gemeinde wurde auf die Hälfte reduziert. Wendel Thomas war mit einem Teil der Produktionsmittel zur Organisation Todt (die „Bautruppe“ Hitlers) in den Osten zwangsverpflichtet worden. In das Bürogebäude zog im Jahr 1944 Dr. Richtzenhain ein, ein ausgebombter Darmstädter Arzt, bei dem die Ortsbürger oft eine willkommene Hilfe fanden. Das Kassenbuch der Gemeinde vermerkt:

„Dr. Richtzenhain für Bretter (Thomas Büro) 87,- Mark

1945 wurde der Betrieb durch die Familie Thomas wieder aufgenommen. Der Gründer Adam Thomas war längst auf dem Altenteil. Am 1.1.1949 war Adam Thomas „als Mitunternehmer gestrichen“ worden. Ein Jahr später ist er im hohen Alter von 90 Jahren gestorben.

Der Betrieb entwickelte sich enorm und stieß bald an seine Grenzen. In den Jahren 1952 und 1953 begann die schrittweise Rückkehr zu den Ursprüngen: Der Bruch am Kastenwald (Billerstein) wurde reaktiviert. Der alte Betrieb wurde abgemeldet, eine Voraussetzung zum privaten Hausbau auf dem stillgelegten Gelände. Das bewirkte bei den Turnern eine gewisse Besorgnis. Der Verein (damals vorübergehend als Turn- und Sportgemeinde Waschenbach 1946) hatte im Juni 1948 mit der Gemeinde einen Vertrag geschlossen, worin es hieß:

„Die Gemeinde Waschenbach überläßt kostenlos und widerruflich auf die Dauer von zehn Jahren ab 1.7.1948 die Gemeindewiese, Hütte und den freien Platz am alten Steinbruch der Turn- und Sportgemeinde Waschenbach als Sportgelände“.

Welche Vorgeschichte die erwähnte Hütte hatte, ist unbekannt. Sie diente nach dem Krieg kurze Zeit der ausgebombten Familie Schmank als Unterkunft. Sie stand etwa im Bereich der großen Abraumhalde, die heute gerade wieder abgetragen wird. Der Verein investierte Zeit und Geld, um die Hütte wieder herzurichten, vor allem das Dach wurde erneuert. Auch am Gelände wurden Planierungsarbeiten vorgenommen. Am 19.6.1949 fand eine Einweihung mit Festzug und sportlichen Darbietungen statt. Gegen die Frankenhäuser Nachbarn wurde ein Faustballspiel bestritten und verloren.

So war man also über die Bestrebungen der Firma Thomas nicht gerade erfreut. Letzten Endes aber „versüßte“ Wendel Thomas den Ausstieg aus dem Vertrag, indem er 400,- Mark zahlte. Der Verein hatte inzwischen wieder seinen alten Namen angenommen. (Erwähnenswert ist, dass zwei ehemalige Nachbarbuben aus Frankenhausen in Waschenbach über einige Jahrzehnte eine führende Rolle gespielt haben.) Mit dieser Finanzspritze konnte der Turnverein übrigens von Heinrich Harnischfeger ein neues Sportgelände im Ballerts erwerben.

Ab 1952 änderte sich die Landschaft am Kastenwald ziemlich rasch. Zunächst wurde noch mit Loren gearbeitet, ab 1954 erfolgte die Umstellung auf „gleislosen“ Verkehr. In diesem Jahr kam es zu dem einzigen tödlichen Unfall in der Geschichte des Steinbruchs, als Hans Jung aus Frankenhausen von einem großen Stein überrollt worden war.

Im Jahr 1955 treten die Söhne von Wendel Thomas, Friedrich und Ludwig, in die Firma ein. Sie verstanden es, den Steinbruch kontinuierlich weiterzuentwickeln. Große Stützen der Firma über Jahrzehnte hinweg waren der Prokurist Wilfried Spengler und der Betriebsleiter Hans Adam. In den 1990er Jahren wurden mehrere verdienstvolle Mitarbeiter der Hartsteinwerke für langjährige Betriebszugehörigkeit geehrt, darunter so bekannte Ortsbürger wie Hans Adam, Hans („Steffi“) Jung und Heinz („Mecki“) Heuß.

1995 waren im Steinbruch am Kastenwald sechs Sohlen angelegt. Inzwischen sind es sieben.

Über die Jahrzehnte haben die Waschenbacher und der Steinbruch zusammengelebt, „in guten und schlechten Zeiten“. Vielen Ortsbürgern bot er einen Arbeitsplatz. Mancher private Bauherr war für die eine oder andere Hilfe dankbar. Die Gemeinde hat oft unter Sonderbedingungen Geschäfte mit dem Bruch gemacht. Der Vogel- und Naturschutzverein wurde beim Bau seiner Vogelhütte auf der ehemaligen Abraumhalde in der Geberstadt unterstützt. Auch der Turnverein zählte vor allem bei seinem Hallenbau 1982 - 1985 die Familie Thomas zu seinen Sponsoren.

Allerdings verursachte das Unternehmen auch Ängste unter manchen Bürgern: Seine Ausdehnung in Richtung des Orts, die Sprengungen, der starke Verkehr und Feinstaubemissionen riefen in den 1990er Jahren Proteste hervor, teilweise von starken Emotionen begleitet. Heute gehen die Parteien nüchterner miteinander um. Die Familie Thomas hat sich aus der direkten Betriebsleitung zurückgezogen, die OHI ist nach Waschenbach zurückgekehrt.

Dr. Heinz Schuchmann






Alle Bilder
aus den Sammlung en von
Dr. Heinz Schuchmann
und Volker Thomas
(falls keine andere Angabe)

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Adam Thomas

(1859 – 1950) und Margarethe

(1858 – 1940)



Georg Thaler (1901 – 1947)



Ludwig Wendel Thomas (1895 – 1971)



. . . und als Seniorchef



Die „Thomasriege“ aus Frankenhausen mit Wendel Thomas (4. vr).
Links daneben Hans Keller, viele Jahre Vorsitzender des GTV Frankenhausen.
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1936 Das erste Privatauto von Wendel Thomas, ein Adler Trumpf.

Davor seine Frau Gretel (links)



Die stillgelegte Abbaustätte in der Geberstadt



ehem. Turnplatz mit Hütte am neuen Betriebsstandort



Das neu eröffnete Betriebsgelände 1953. Links die Hütte auf dem seith. Turnplatz
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1995 waren im Steinbruch am Kastenwald sechs Sohlen angelegt. Inzwischen sind es sieben.
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Lud und Friedel Thomas beim 100jährigen Jubiläum der Hartsteinwerke 1997