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Geschichte > Waschenbach > frühe Vereine

Stand: 26.10.2011

 

 

 


 

Die Freiwillige Feuerwehr

Brandschutz war zu allen Zeiten nötig. In der Festschrift zum 90jährigen Jubiläum der FFW befinden sich einige Sätze darüber für die Zeit vor der Gründung eines Vereins (wortwörtlich kann man diese Sätze auch in den Aufzeichnungen von Jakob Krauß nachlesen):

Wichtiges Instrument bei Ausbruch eines Feuers war der Feuereimer. Die einheimischen männlichen Einwohner mussten solche bei ihrer Huldigung stiften. Auch Neubürger hatten zum Bestand beizutragen. So heißt es 1738: „Ein jeder, der sich in die Gemeinde begibt, soll einen ledernen Eimer geben, (sei) er frei, einheimisch oder fremd“. Dieser Brauch der Feuereimerstiftung hat sich bis ins 20. Jh. gehalten, wenn auch möglicherweise nur symbolisch. Jedenfalls mussten noch 1920 Philipp Schneider II, Johannes Müller und Jakob Krauß sen. zusammen 12,- Mark Feuereimergeld zahlen (im Alter um die 30 Jahre). Sogar 1933 sind noch Philipp Poth sen., Heinrich Brückmann und Andreas Adam jun. zur Kasse gebeten worden.

Kam es zu einem Brand, war wahrscheinlich der gesamte Ort im Einsatz, ohne dass bereits ein Verein existierte. Selbst über die Ortsgrenzen hinaus wurde Hilfe geleistet, so z.B. 1803:

Bei einem Brand zu Ober-Ramstadt wurden von den Feuerläufern verzehrt 3 Gulden“. 1805 wurde sogar in Darmstadt Hilfe geleistet: Bei einem zu Darmstadt gewesenen Brand vor dem Frankfurter Tor ist verzehrt worden 1 Gulden“.

Über die gespendeten Feuereimer hinaus musste auch die Gemeinde für die Anschaffung von Geräten aufkommen, z.B. 1827:

Anschaffung von Löschgerätschaften 13 Gulden, 6 Kreuzer“ und 1828: „Anschaffung einer Feuerspritze 12 Gulden, 43 Kreuzer, Feuereimer 2 Gulden“.

1858 wurden 2 neue Feuerleitern für 6 Gulden angeschafft.

Ab 1835 kam es in Deutschland zur Gründung von Freiwilligen Feuerwehren, wovon man sich eine straffere Organisation des Brandschutzes versprach. Auch wurden die Mitglieder besser auf Methoden der Brandbekämpfung vorbereitet.

In Waschenbach war es 1883 so weit. Der Kreisfeuerwehrinspektor Justus hatte dazu angeregt. Er hatte wohl auch seine Hände im Spiel, als es 1881 im Vorfeld um eine neue Feuerspritze ging:

Dem Feuerwehr Insp. Justus (für) die neue angekaufte Feuerspritze 130,- M“

Dazu musste auch ein Spritzenbehälter angeschafft werden; Zimmermann Gruß (aus Frankenhausen) erhielt dafür 10,50 Mark. 1882 kam ein Beitrag von der Brandversicherungskasse von 100,- Mark. Über Feuerwehrinspektor Justus gab es noch einmal 390,- Mark. Die neuen Feuerwehrmänner mussten auch eingekleidet werden. Dazu wurden 22 Kappen für 35,20 Mark und 22 Juppen für 218,90 Mark angeschafft.

33 Ortsbürger zählten 1883 zu den Gründungsmitgliedern, unter ihnen auch Philipp Schneider I von der Ortsstraße 9, Sohn und Enkel der langjährigen Beigeordneten, der auch bis 1891 der 1. Kommandant war.

Ihm folgte von 1891 bis 1905 Leonhardt Krämer *1859, der aus Stettbach gekommen war und in den Hof Ortsstraße 6 eingeheiratet hatte (Uropa von Jörg und Bernd Krämer, Philipp und Reinhold Kern). Von 1905 bis 1919 schließlich trat Philipp Schneider II Ortsstraße 15 (damals 14) in die Fußstapfen seines Onkels Philipp I (Opa von Elfriede Kauer, Wolfgang Haas, Ursel Schneider, Uwe Schneider, Rudolf Schneider).

Die neue Wehr wurde gleich zu Beginn ordentlich gefordert. Am 26.5.1885 brannte es bei dem Gastwirt Christoph Schneider (Vater von Philipp II) und seinem Nachbarn Johannes Krauß (damals Ortsstraße 13, dem späteren „Simonshaus“, heute Speisesaal des Waschenbacher Hofs). Am 11.11.1885 leistete die Waschenbacher Wehr sogar Hilfe in Frankenhausen. Johannes Poth hatte für den Transport der Feuerspritze und der Leiter gesorgt, wofür er 3,- Mark erhielt.

In der Jubiläumsschrift von 1973 ist eindrucksvoll geschildert, wie damals ein Brandeinsatz aussah:

Einst und jetzt
Können wir uns heute vorstellen, wie es vor neunzig Jahren bei einem Brand in unserer Gemeinde zuging?

Eines Nachts wurden die Einwohner von Waschenbach durch Sturmläuten und schrille Signalhörer aus dem Schlaf geweckt. Der Alarmruf „Feuer“ gellte durch die Straßen. Schon rannten die Feuerwehrleute mit der alten fahrbaren Druckspritze zum Brandherd. Währenddessen verteilte man die ledernen oder hänfenen Feuereimer. Jeder, der ankam, ob Mann oder Frau, bekam einen Eimer in die Hand gedrückt. Zwei Reihen von Helfern bildeten sich von der Spritze bis zur nächsten Wasserstelle, sei es ein Brunnen, eine Pumpe oder der Waschenbach. So schnell wie möglich wurden die gefüllten Eimer durch die Helfer weitergereicht bis zu Spritze und dort entleert; dann wanderten sie wieder von Hand zu Hand durch die zweite Reihe der Helfer zurück zur Wasserstelle, wurden von neuem gefüllt und durch die Helfer weitergereicht bis zu Spritze. Ununterbrochen flogen die Eimer durch die Reihen, bis der Brand gelöscht war oder die Menschen ohnmächtigt der Feuersmacht weichen mußten. Müßige Zuschauer gab es nicht, jeder, der kam, wurde gebraucht. Damals bedurften die Menschen keiner Belehrung über die Pflege der Gemeinschaft. Wo Not war, griffen sie zu, um die Not zu wenden. Sie taten das Notwendige.

1908 feierte die Wehr ihr 25jähriges Jubiläum. Etwa aus dieser Zeit, nämlich 1911, stammt ein schönes Gruppenbild der Wehr, aufgenommen auf der Treppe der alten Schule. Damals gehörte ein Spielmannszug zur Feuerwehr.

Autor:
Dr. Heinz Schuchmann






Etwa aus 1911 stammt Gruppenbild der Wehr, aufgenommen auf der Treppe der alten Schule.



Philipp Schneider I



Philipp Schneider II