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Der
Turnverein 1911
Die Turnvereine gehen in Deutschland
auf Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) zurück, den
sog. Turnvater. Die Turnbewegung 1811 begann mit der Errichtung
des ersten Turnplatzes auf der Berliner Hasenheide. Neben ihren
sportlichen und geselligen Zwecken waren die Turnvereine damals,
im von Napoleon besetzten Deutschland, durchaus auch patriotisch
ausgerichtet. Ein Jahrhundert später hatte Waschenbach
gewissermaßen seinen eigenen Turnvater, nämlich den
damaligen Lehrer Philipp Karl Knecht (1879 – 1934).
Am
Sonntag, 5.3.1911 hatte er zur Gründungsversammlung bei
Gastwirt Christoph Schneider eingeladen, nachmittags 4 Uhr. In
seiner Rede wirkte er überzeugend: 22 Turner über 18
Jahre und 9 Zöglinge (14 bis 18 Jahre) folgten seinem Aufruf.
In der ersten Hauptversammlung am 19. März bei Gastwirt Joh.
Wembacher IV wurde der Vorstand gewählt:
1.
Sprecher Philipp Karl Knecht 2. Sprecher Jakob Dieter
(Ortsstraße24) Schriftwart Ludwig Adam (Ortsstraße
17) Kassenwart Johannes Kling (Ortsstraße 30) 1.
Turnwart Philipp Schneider II (Ortsstraße 14, heute 15) 2.
Turnwart Johannes Dieter I (Bruder von Jakob) Zeugwart
Christoph Müller (Kreisstraße 5) Vereinsdiener
Heinrich Burger (Ortsstraße 34, heute 37) Beisitzer
Johannes Poth (Ortsstraße 38) Georg Dieter IV (Bruder
von Jakob) Peter Brückmann (Ortsstraße 23, später
20)
Die
erste Turnstunde war am Samstag 22.4.1911, abends 8 Uhr im Hof der
neuen Schule. Zweimal pro Woche wurde geübt, samstags im
Freien und dienstags zunächst im Raum der alten Schule
(Mühlbergstraße 2), ab September im Saal des Gasthauses
Zum Odenwald. Sportgeräte waren anfänglich Barren
(geliehen von den Nieder-Ramstädter Turnern), Reck und
Matten. Ab 1912 wurde auch mit Eisenstäben geübt. Pferd
und Ringe gab es zunächst nicht in Waschenbach – die
Turner trainierten als Gast in Nieder-Ramstadt.
Mit ihrem
frisch erworbenen Können hielten sie nicht lange hinter dem
Berg. Noch 1911 wurden Turnfeste und Freundschaftsturnen bei
Nachbarvereinen besucht oder im Ort ein Schauturne veranstaltet.
Eine Waschenbacher Barrenriege errang beim Gauturnfest in
Eberstadt am 7.7.1912 den 3. Platz. Auch Vereinswanderungen
(damals „Turngänge“ genannt) gehörten zum
Programm des Vereins. 1914 wanderte man im April nach Kranichstein
und zum Oberwaldhaus, im Juli nach Seeheim und Malchen. Abmarsch
war jeweils morgens um 6 Uhr! Weitere Turngänge für
dieses Jahr fielen dem 1. Weltkrieg zum Opfer.
Kulturell
knüpfte der neue Verein wahrscheinlich nahtlos an die
Tradition des Gesangvereins an. Es wurden Abendunterhaltungen mit
Musik, Theaterstücken und Vorträgen angeboten. Auch die
Weihnachtsfeiern hatten immer ein schönes Programm. Die
Sänger waren ein „Opfer“ der neuen Interessenlage
im Ort. Als Verein ist die „Sängerlust“
vermutlich so langsam eingeschlafen. Bei den Turnern blieb Gesang
aber für Jahrzehnte eine Tradition.
Ab 1. August 1914
war diese erste Blüte des Turnvereins 1911 zu Ende –
der 1. Weltkrieg war ausgebrochen. Im Protokoll der
Hauptversammlung vom 15.1.1915 ist vermerkt:
„5
Turner sind infolge der Mobilmachung zur Fahne berufen worden,
davon gehören 3 dem Vorstand an.“ „Über
den Turnbetrieb kann ich leider keinen Bericht erstatten, da er ….
eingestellt ist. Hoffentlich wird es im neuen Jahr besser“.
Der
Protokollführer war zu optimistisch. Noch vier Jahre lang
wurde es nicht besser. Erst 1919 gab es wieder neue Lebenszeichen
vom Turnverein. Drei Turner waren nicht aus dem Krieg
zurückgekommen.
Wie
es weiterging wird in einer Vereinschronik berichtet, die zum
hundertjährigen Bestehen des Vereins im Jahre 2011 erschienen
ist. Einige Exemplare der Vereinschronik liegen noch vor. Sie
können bei sigrid@schuchmann-wb.de
bestellt werden. Der Unkostenbeitrag (ohne Versandkosten) beträgt
5,- €“.
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Autor: Dr.
Heinz Schuchmann


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